Freitag, 20. September 2019
Navigation öffnen

Medizin

22. Februar 2018 Schwerkranken Menschen mit Migrationshintergrund Zugang zur Hospiz-/Palliativversorgung erleichtern

Seit kurzem steht die Online-Adressdatenbank „Wegweiser Hospiz- und Palliativversorgung Deutschland“ auch in den Sprachen Englisch, Französisch, Polnisch, Russisch, Türkisch, Vietnamesisch, Rumänisch und Arabisch zur Verfügung. Bundesfamilienministerin Dr. Katerina Barley erklärt, warum ihr Ministerium dieses Projekt der Deutschen Gesellschaft für Palliativmedizin vorrangig gefördert hat: „Das mehrsprachige Informations- und Adressangebot ist ein wichtiges Angebot, damit Menschen am Ende ihres Lebens die bestmögliche Versorgung und Lebensqualität erfahren können!“
Anzeige:
Informiert wird auf der Website „Wegweiser Hospiz- und Palliativversorgung Deutschland“  über die verschiedenen Versorgungsformen und mehr als 3.000 Anlaufstellen der Hospiz- und Palliativversorgung bundesweit, die getrennt nach Erwachsenen bzw. Kindern und Jugendlichen mittels einer Umkreissuche unkompliziert aufgerufen werden können.

„Menschen mit einer nicht mehr heilbaren Erkrankung und deren Angehörige müssen schnell und unkompliziert erkennen können, an wen sie sich vor Ort wenden können und wo sie welche Behandlung und Begleitung erwarten dürfen,“ betont Prof. Dr. Lukas Radbruch, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Palliativmedizin (DGP). Die akute Situation ist für die gesamte Familie oft so belastend, dass kaum Ressourcen für aufwendige Recherchen bleiben, insbesondere dann nicht, wenn die Muttersprache eine andere als Deutsch ist. Deshalb freut sich der Bonner Palliativmediziner und Präsident der International Association for Hospice and Palliative Care (IAHPC) besonders über die Erweiterung und Übersetzung des Infoangebots in 8 Sprachen.

Die Bundesministerin setzt auf zahlreiche Verlinkungen des Wegweisers, denn: Mehr als 18 Millionen Menschen in Deutschland haben einen Migrationshintergrund, d.h. sie selbst oder mindestens ein Elternteil sind nicht mit deutscher Staatsbürgerschaft geboren. Internationale Studien zeigen, dass schwerkranken Menschen mit Migrationshintergrund der Zugang zu einer adäquaten Versorgung erschwert ist. Sprachbarrieren und mangelndes Wissen um die Angebote der Hospiz- und Palliativversorgung tragen dazu bei.

Bundesfamilienministerin Dr. Katarina Barley liegt neben der Mehrsprachigkeit des Angebots deshalb ebenso die zukünftig erweiterte Nutzungsmöglichkeit am Herzen: „Der Wegweiser Hospiz- und Palliativversorgung Deutschland bietet einen umfassenden Überblick. Patienten und Angehörige mit Migrationshintergrund stehen in einer ohnehin schon schwierigen Situation vor besonderen Herausforderungen. Für sie sind etwa Fragen wesentlich, ob mehrsprachige Angebote oder ein Dolmetscherservice vor Ort existieren. Es geht aber auch um Angebote, die sich mit besonderen Fragen rund um Rückführung, Bestattung und Trauer beschäftigen. Zentrale Partner vor Ort sind auch die kulturspezifischen Organisationen, die ebenfalls Teil dieses guten Wegweiserangebots sind.“

Die Deutsche Gesellschaft für Palliativmedizin möchte die im Zusammenhang mit der Erweiterung des Wegweisers gesammelten Informationen auch für weitere Bedarfsanalysen nutzen. Grundsätzlich brauche es die Entwicklung einer transkulturellen Kompetenz, die das individuelle Eingehen auf die Belastungen, Nöte und Bedürfnisse eines kranken Menschen unabhängig von seiner Herkunft oder Muttersprache ermöglicht, so eine Sprecherin der DGP-Arbeitsgruppe, die die Überarbeitung des Wegweisers verantwortet hat.

Dies wurde auch von Experten bestätigt, die sich auf Einladung der Koordinierungs- und Vernetzungsstelle für Hospiz- und Palliativversorgung in Deutschland im Bundesfamilienministerium getroffen haben, um die Handlungsempfehlungen der Charta zur Betreuung schwerstkranker und sterbender Menschen in Deutschland zu erörtern und Umsetzungsmaßnahmen für Menschen mit Migrationshintergrund zu diskutieren.

Quelle: Deutsche Gesellschaft für Palliativmedizin e.V.


Das könnte Sie auch interessieren

Es ist mehr als nur eine Ausrede: Migräne am Arbeitsplatz

Es ist mehr als nur eine Ausrede: Migräne am Arbeitsplatz
© deagreez / fotolia.com

Mit starken Kopfschmerzen, Übelkeit, Licht- und Geräuschempfindlichkeit zur Arbeit? Für viele Migränepatienten ist das Alltag. Ein Großteil der 900.000 an Migräne leidenden Deutschen schleppt sich trotz starker Schmerzen zur Arbeit – aus Angst einen schlechten Eindruck bei Arbeitskollegen und Vorgesetzten zu hinterlassen. Denn wer über Kopfschmerzen klagt, trifft immer noch auf Vorurteile. Nicht selten wird Migräne belächelt und als Ausrede abgetan. Zum Tag der Arbeit berichten Migränepatienten und Nutzer der Kopfschmerz- und...

Rauchen ist Hauptursache für chronische Lungenkrankheit, die nicht heilbar ist

Rauchen ist Hauptursache für chronische Lungenkrankheit, die nicht heilbar ist
© Eric Limon / Fotolia.com

COPD – diese vier Buchstaben stehen für eine chronische Lungenkrankheit (chronic obstructive pulmonary disease). Sie stehen gleichzeitig auch für die weltweite Nummer Drei unter den Todesursachen. Bei 90 Prozent aller Fälle hierzulande ist die Hauptursache ziemlich klar bestimmt: das Rauchen. Zum Welt-COPD-Tag am 15. November weist Prof. Hubert Wirtz, Leiter der Abteilung für Pneumologie am UKL, auf unangenehme Wahrheiten rund um diese Krankheit hin: "COPD verkürzt die Lebenserwartung. Es ist nicht heilbar."

Diabetes geht auch auf die Knochen: Osteoporose vorbeugen, Brüche vermeiden

Diabetes geht auch auf die Knochen: Osteoporose vorbeugen, Brüche vermeiden
© lev dolgachov / Fotolia.com

Die Osteoporose ist in Deutschland weit verbreitet: Etwa 6,3 Millionen sind davon betroffen. Die Techniker Krankenkasse fand im Jahr 2009 bei nahezu einem Viertel der über 50-jährigen Frauen in Deutschland einen Osteoporose-bedingten Knochenbruch oder knochenstabilisierende Medikamente. Auch Menschen mit Diabetes Typ 1 und Typ 2 haben ein erhöhtes Osteoporoserisiko und dadurch auch für Knochenbrüche. Diese können Folgeerkrankungen wie Immobilität, Lungenentzündungen oder Langzeitbehinderung nach sich ziehen. Folgeerkrankungen sind mit erheblichen...

Darmkrebsmonat März: Alkohol ist ein wichtiger Risikofaktor für Darmkrebs

Darmkrebsmonat März: Alkohol ist ein wichtiger Risikofaktor für Darmkrebs
© karepa / Fotolia.com

Das Trinken von Alkohol ist gesellschaftlich breit akzeptiert, trotz der Risiken, die mit seinem Konsum einhergehen. Alkohol ist an der Entstehung von mehr als 200 Erkrankungen beteiligt, so die Autoren des Alkoholatlas Deutschland 2017. Leberschäden gehören dabei zu den weitgehend bekannten Folgen. Doch auch das Risiko für Darmkrebs steigt. Anlässlich des Darmkrebsmonats März macht die Deutsche Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS) darauf aufmerksam, dass auch der vergleichsweise moderate Konsum von Alkohol das...

Sie können folgenden Inhalt einem Kollegen empfehlen:

"Schwerkranken Menschen mit Migrationshintergrund Zugang zur Hospiz-/Palliativversorgung erleichtern"

Bitte tragen Sie auch die Absenderdaten vollständig ein, damit Sie der Empfänger erkennen kann.

Die mit (*) gekennzeichneten Angaben müssen eingetragen werden!

Die Verwendung Ihrer Daten für den Newsletter können Sie jederzeit mit Wirkung für die Zukunft gegenüber der rsmedia GmbH widersprechen ohne dass Kosten entstehen. Nutzen Sie hierfür etwaige Abmeldelinks im Newsletter oder schreiben Sie eine E-Mail an: info[at]rsmedia-verlag.de.