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Medizin

31. Oktober 2014 Sekundärer Hyperparathyreoidismus: 10 Jahre Cinacalcet

Vor zehn Jahren wurde Cinacalcet (Mimpara®), ein allosterischer Modulator des "calcium sensing"-Rezeptors (CaR), zur Therapie des sekundären Hyperparathyreoidismus (sHPT) bei Dialysepatienten in Deutschland zugelassen und hat sich mittlerweile als einer der wichtigsten Bestandteile in der sHPT-Therapie etabliert. Die Einführung des Präparats führte zur Innovation der sHPT-Therapie - chirurgische Interventionen werden heute nur noch in Ausnahmefällen durchgeführt.

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Fachinformation

Der sekundäre Hyperparathyreoidismus (sHPT) ist eine häufige Begleiterkrankung der chronischen Nierenerkrankung (CKD). Man geht davon aus, dass über 90% der Dialysepatienten einen sHPT entwickeln - wenn auch in unterschiedlicher Ausprägung (1). Charakteristisch für diese Erkrankung ist ein erhöhter Serumparathormonspiegel, bei weit fortgeschrittenem sHPT kann es auch zur nodulären Hyperplasie der Nebenschilddrüsen und Therapieresistenz kommen. Typische klinische Folgen sind Knochenschmerzen und eine erhöhte Frakturgefahr, außerdem sind hohe Parathormonspiegel mit vaskulären Kalzifizierungen sowie einem erhöhten Risiko an kardiovaskulären Ereignissen assoziiert (2). Die KDIGO-Leitlinien (3) empfehlen daher bereits eine Intervention, sobald die Serum-PTH-Spiegel im Trend innerhalb des Normalbereichs ansteigen.
 
Vor der Einführung von Cinacalcet standen zur medikamentösen Parathormonsenkung nur Vitamin-D-Präparate zur Verfügung. Aktive Vitamin-D-Analoga wie Calcitriol oder Alfacalcidol können zwar das PTH senken, steigern aber gleichzeitig die intestinale Calcium- und Phosphatresorption, d.h. sie führen zu einem unerwünschten Anstieg der Serumcalcium- und Serumphosphatwerte. Dadurch ist diese Therapie wegen des Hypercalcämie- und Hyperphosphatämierisikos limitiert, insbesondere, wenn im Verlauf der progredienten Niereninsuffizienz höhere Dosen für eine angemessene PTH-Senkung erforderlich werden. War diese Therapieoption ausgeschöpft, blieb nur noch die chirurgische Intervention, die Parathyreoidektomie (PTX). Doch wie jedes invasive Verfahren geht auch sie mit Risiken einher: Zu nennen sind die perioperative Morbidität, aber auch eine hohe Rezidivrate, die bei subtotaler PTX bis zu 80% (4) beträgt.
 
Für Dialysepatienten mit sHPT steht seit 2004 mit Cinacalcet, einem allosterischen Modulator des "calcium sensing"-Rezeptors (CaR), eine effektive Therapiealternative zur Verfügung: Das Präparat erhöht die Empfindlichkeit der Calciumrezeptoren in den Nebenschilddrüsen gegenüber zirkulierendem Calcium und hemmt somit die übermäßige Produktion von Parathormon - bei gleichzeitig positiver Beeinflussung der Calcium- und Phosphathomöostase (5). Das Calcimimetikum ermöglicht somit eine effektive medikamentöse Therapie des sHPT: Beispielsweise war in der EVOLVE-Studie (6) die Notwendigkeit, eine PTX durchzuführen, unter Therapie mit Cinacalcet im Vergleich zu Placebo signifikant geringer. "Das Ergebnis entspricht auch unseren Erfahrungen im klinischen Alltag. Seit Einführung von Cinacalcet sehen wir weniger "verwilderte", autonome sHPT und die PTX-Rate ist deutlich zurückgegangen", so Prof. Dr. Helmut Reichel, Leiter eines großen Nephrologischen Zentrums in Villingen-Schwenningen.
 
"Unser Leitgedanke ist, Patienten durch innovative Therapieansätze zu helfen. Mit Cinacalcet ist uns das gelungen. Seit Einführung des Präparats hat sich die Situation von Dialysepatienten mit sHPT verbessert, nur noch wenige Patienten müssen sich einer Operation unterziehen", erklärt Christophe Bourdon, Geschäftsführer von Amgen Deutschland.
 
Literaturhinweise:
(1) Klempa I. Treatment of secondary and tertiary hyperparathyroidism - surgical viewpoints. Chirurg 1999; 70 (10): 1089-1101
(2) Block GA et al. Re-evaluation of risks associated with hyperphosphatemia and hyperparathyroidism in dialysis patients: recommendations for a change in management. Am J Kidney Dis 2000; 35: 1226-37
(3) KDIGO-Leitlinien: http://kdigo.org/home/mineral-bone-disorder/
(4) Stracke S, Jehle PM, Sturm D et al. Clinical course after total parathyroidectomy without autotransplantation in patients with end-stage renal failure. Am J Kidney Dis 1999; 33(2): 304-11.
(5) Moe SM, Chertow GM, Coburn JW et al. Achieving NKF-K/DOQI bone metabolism and disease treatment goals with cinacalcet HCl. Kidney Int 2005; 67: 760-771
(6) Chertow GM, Block GA, Correa-Rotter R et al. Effect of cinacalcet on cardiovascular disease in patients undergoing dialysis. N Engl J Med. 2012;367(26):2482-94

Quelle: Amgen


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