Montag, 24. Februar 2020
Navigation öffnen
Anzeige:

Medizin

11. September 2019 Sepsis: Früherkennung bei Risikopatienten über quickSOFA-Score

Die Sepsis ist nach wie vor eine der häufigsten Todesursachen weltweit. Der Welt-Sepsis-Tag am 13. September soll helfen, das Bewusstsein für Sepsis zu erhöhen, um die frühzeitige Erkennung dieser schwerwiegenden Erkrankung zu fördern. Zur Identifikation von Risikopatienten außerhalb von Intensivstationen wurde der quickSOFA-Score eingeführt, der aus 3 Kriterien besteht: eine Atemfrequenz von 22/min oder mehr, Bewusstseinstrübung und ein systolischer Blutdruck < 100 mm Hg.
Anzeige:
Fachinformation
Ursachen können etwa Wund- und Harnwegsinfektionen, Lungenentzündungen, eine Bauchfellentzündung oder eine Grippe sein. Besonders gefährdet sind ältere, aber auch Kinder unter einem Jahr oder Menschen mit chronischen Erkrankungen.

quickSOFA-Score

Im Versuch, die Infektion zu bekämpfen, kommt es zu einer übermäßigen Reaktion des Körpers. So ist der Patient weniger durch den Angriff etwa von Bakterien, sondern vielmehr durch die fehlgeleitete Reaktion des eigenen Körpers auf diesen Angriff gefährdet. „Es kommt zu einer immunologischen Dysfunktion des Wirtes“, erklärt der Innsbrucker Intensivmediziner, Michael Joannidis, Innsbruck. Ist die Sepsis einmal da, ist Zeit ein entscheidender Faktor: Zur schnellen Erkennung von Risikopatienten durch Sepsis außerhalb von Intensivstationen wurde der quickSOFA-Score eingeführt, der aus 3 einfachen klinischen Kriterien – eine Atemfrequenz von 22/min oder mehr, Bewusstseinstrübung und ein systolischer Blutdruck von weniger als 100 mm Hg – besteht. Wenn mindestens 2 dieser Kriterien erfüllt sind, ist die Wahrscheinlichkeit für eine schwere Sepsis erhöht.
Die rechtzeitige Behandlung mit den richtigen Antibiotika ist die Basis einer erfolgreichen Sepsis-Therapie. Beim Verdacht auf eine Sepsis schickt der Intensivmediziner deshalb so schnell wie möglich Blut bzw. Harn zur Untersuchung an das mikrobiologische Labor. Bei schweren Fällen bzw. später Diagnose führt eine Sepsis zu Organversagen und eine Intensivbetreuung ist notwendig. Das am häufigsten betroffene Organ ist dabei die Niere.
 
Vorherrschende Ursache bei Nierenversagen

„70% der Patienten mit Sepsis erleiden eine akute Nierenschädigung“, weiß Intensivmediziner Joannidis. „Wir nehmen an, dass dabei eine Nierenentzündung und Hypoxie wichtige Rollen spielen.“ Eine neue Therapie sollte auf diese beiden Prozesse abzielen. Die Ergebnisse wurden in einer Studie im Journal of the American Medical Association veröffentlicht. Joannidis war als Mitglied des Steering Committee und nationaler Studienkoordinator an dieser Publikation maßgeblich beteiligt. Die aktuellen Forschungen auch an der Medizinischen Universität Innsbruck auf diesem Gebiet sollen künftig Intensivpatienten bessere Behandlungen bringen und weiteren Stress durch eine Nierenersatztherapie ersparen.
 
Neue Studie in Phase III

Die Studie zeigt, dass das Enzym Alkalische Phosphatase mit seinem dualen Wirkmechanismus ein vielversprechender Kandidat für eine Therapie sein könnte. „Eine intravenöse Verabreichung von rekombinanter Alkalischer Phosphatase über 3 Tage konnte zwar nicht, wie erwartet, in den ersten Wochen, aber nach 28 Tagen eine Verbesserung der Nierenfunktion bewirken“, erklärt Joannidis. Darüber hinaus zeigte sich ein unerwartet deutlicher Effekt auf das Überleben der PatientInnen nach einem bzw. 3 Monaten. Die Sterblichkeit bei diesen schwer kranken Intensiv-PatientInnen mit Sepsis und Nierenschädigung ging um mehr als 40% zurück. Im Herbst 2019 startet die Studie in die Phase III, in der nun in den USA und in Europa überprüft wird, ob sich die Wirksamkeit und die Unbedenklichkeit bestätigen lassen. Das Hauptaugenmerk liegt nun auf dem signifikanten Wirkungsnachweis und den Nebenwirkungen sowie Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten.

Quelle: Medizinische Universität Innsbruck


Das könnte Sie auch interessieren

Augenärzte testen Kontaktlinsen mit UV-Schutz

Augenärzte testen Kontaktlinsen mit UV-Schutz
© HQUALITY - stock.adobe.com

Intensive ultraviolette Strahlung des Sonnenlichts kann Bindehaut und Hornhaut am Auge schädigen. Jetzt testen Forscher, ob Kontaktlinsen mit eingebautem UV-Schutz solche Schäden verhindern können. Die Haftschalen wären hilfreich für Patienten, denen etwa nach einer Verätzung empfindliche Stammzellen der Hornhaut transplantiert wurden. Aber auch Außenarbeiter, die regelmäßig einer hohen UV-Bestrahlung ausgesetzt sind, könnten davon profitieren.   

Schlaflose Nächte und grüner Star gehen oft Hand in Hand

Schlaflose Nächte und grüner Star gehen oft Hand in Hand
© HQUALITY - stock.adobe.com

Menschen, die an der Augenerkrankung grüner Star (Glaukom) leiden, sind häufig auch von Schlafstörungen betroffen. Eine aktuelle Studie zeigt, dass verschiedene Probleme beim Ein- oder Durchschlafen mit einem grünen Star verbunden sind1. Die Autoren kommen zu dem Schluss, dass Schlafstörungen entweder ein Risikofaktor für das Glaukom oder eine Folge dessen sein könnten. Die DOG – Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft erinnert vor diesem Hintergrund daran, dass der grüne Star nur durch eine augenärztliche Untersuchung entdeckt...

Sie können folgenden Inhalt einem Kollegen empfehlen:

"Sepsis: Früherkennung bei Risikopatienten über quickSOFA-Score"

Bitte tragen Sie auch die Absenderdaten vollständig ein, damit Sie der Empfänger erkennen kann.

Die mit (*) gekennzeichneten Angaben müssen eingetragen werden!

Die Verwendung Ihrer Daten für den Newsletter können Sie jederzeit mit Wirkung für die Zukunft gegenüber der rsmedia GmbH widersprechen ohne dass Kosten entstehen. Nutzen Sie hierfür etwaige Abmeldelinks im Newsletter oder schreiben Sie eine E-Mail an: info[at]rsmedia-verlag.de.