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Medizin

27. April 2017 Sichere Diagnose und mögliche Therapien der Alzheimer-Demenz durch Nuklearmedizin

Durch die steigende Lebenserwartung der Bevölkerung nimmt die Anzahl der Patienten mit altersabhängigen Erkrankungen wie beispielsweise den Demenzen stetig zu. Leider sind Ursachen und Mechanismen von etwa der Alzheimer-Erkrankung bislang nicht vollständig geklärt. Neue nuklearmedizinische Bildgebungsverfahren könnten hier wesentlich zu einer Lösung beitragen, sowohl was das Verständnis dieser Erkrankungen betrifft als auch hinsichtlich einer verbesserten Diagnose sowie möglicherweise in der Entwicklung und Erprobung von neuen Therapieansätzen.
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Die Vorstellung, an einer Demenz zu erkranken und damit die geistigen Fähigkeiten und auch die Merkmale der eigenen Persönlichkeit zu verlieren, wird von vielen Menschen als bedrohlicher empfunden als beispielsweise Herz/Kreislauf- oder Tumorerkrankungen. Auch die Parkinson-Erkrankung – als häufigster Vertreter der neurodegenerativen Bewegungsstörungen – führt zu vielfältigen fortschreitenden Beeinträchtigungen des alltäglichen Lebens und ist bislang nicht ursächlich sondern nur symptomatisch therapierbar. Bei beiden handelt es sich um neurodegenerative Erkrankungen, genauer um solche, die zum Funktionsverlust und Ausfall von Nervenzellen führen. Diese Erkrankungen zählen nicht nur zu den schwerwiegenden, sondern auch zu den schwer diagnostizierbaren und therapierbaren Erkrankungen. Dies liegt unter anderem daran, dass die neurodegenerativen Erkrankungen bereits viele Jahre bis Jahrzehnte vor den ersten fassbaren Symptomen beginnen, sich im Gehirn auszubreiten. Aufgrund von Kompensationsmechanismen des Gehirns läuft dieser Prozess jedoch lange unbemerkt ab, so dass eine Diagnose häufig erst spät erfolgt. Und auch wenn sich schließlich erste Symptome einstellen, ist eine zuverlässige Diagnose der Krankheitsursache oftmals nicht möglich, da ihr Erscheinungsbild variiert und somit keine sicheren Rückschlüsse auf die zugrundeliegenden Veränderungen im Gehirn zulässt.

Neue nuklearmedizinische Verfahren der molekularen Bildgebung können nun dabei helfen, die Veränderungen im Gehirn objektiv zu erfassen und damit die Entwicklung dieser Erkrankungen besser zu verstehen und in einem nächsten Schritt hoffentlich auch erfolgreich zu behandeln.

Als Kernmerkmale der Alzheimer-Erkrankung gelten zwei Formen von krankhaften Eiweißablagerungen im Gehirn: Es finden sich Ablagerungen des Amyloid-Eiweißes („Plaques”) im Zellzwischenraum des Gehirns sowie weitere Ablagerungen des Tau-Eiweißes (Neurofibrillen oder „Tangles“) in den Nervenzellen. Bisher konnte ein sicherer Nachweis dieser krankhaften Eiweißablagerungen im Gehirn nur durch die Analyse von Hirngewebe unter dem Mikroskop erfolgen, so dass eine sichere Diagnose der Erkrankung zu Lebzeiten des Patienten nicht möglich war. Neue nuklearmedizinische, bildgebende Verfahren erlauben nun aber eine Visualisierung der betreffenden Auffälligkeiten im Gehirn auch beim lebenden Menschen. Dies erfolgt mittels der sogenannten Positronen-Emissions-Tomographie (PET). Bei diesem hochempfindlichen Bildgebungsverfahren werden beim Menschen durch den Einsatz sogenannter Tracer – gering radioaktiv markierter Spürsubstanzen – Veränderungen in molekularer Größenordnung sichtbar gemacht. Hierfür wird eine kleine Menge dieser Tracer-Substanz in eine Armvene injiziert. Der Tracer verteilt sich im Körper und verbindet sich dann gezielt mit den krankhaften Eiweißablagerungen im Gehirn. Seine Verteilung kann dann durch die von ihm ausgehende radioaktive Strahlung mittels einer speziellen, hochempfindlichen PET-Kamera dargestellt werden. Für die untersuchte Person ist dies mit keinerlei Schmerzen oder anderen Unannehmlichkeiten verbunden.

Für die neurodegenerativen Erkrankungen sind zahlreiche Tracer entwickelt worden. Es existieren schon heute Tracer zum Nachweis der Amyloid-Ablagerungen, die bereits in der Praxis angewendet werden. Eine Alzheimer-Erkrankung kann damit sehr früh nachgewiesen oder aber auch ausgeschlossen werden, was gerade bei Patienten mit leichten Beeinträchtigungen ihrer geistigen Leistungsfähigkeit eine wichtige Rolle spielt. Ebenso hat dieses Verfahren der Amyloid-Bildgebung eine große Bedeutung im Hinblick auf die Entwicklung neuer Therapieansätze der Alzheimer-Krankheit sowie deren späterer Erfolgskontrolle. Erst seit kurzem sind auch Tracer verfügbar, die eine Bildgebung von Tau-Ablagerungen ermöglichen. Diese Tau-Tracer befinden sich allerdings derzeit noch in der Erprobung und werden bislang noch nicht routinemäßig eingesetzt.

Die neurodegenerativen Erkrankungen bilden ein Schwerpunktthema auf der gemeinsamen Jahrestagung der Deutschen, Österreichischen und Schweizerischen Gesellschaften für Nuklearmedizin. Die Tagung findet von heute bis zum 29. April 2017 in Dresden statt. Die Kombination aus Kongress – für den national und international renommierte Referenten gewonnen werden konnten – und einem interaktiven Fortbildungsprogramm sowie der in Deutschland größten, branchenspezifischen Industrieausstellung bietet eine ideale Plattform für wissenschaftlichen Austausch und Weiterbildung.

Quelle: Deutsche Gesellschaft für Nuklearmedizin e.V.


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