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Medizin

12. April 2012 Spannungskopfschmerz: Vorsicht mit Schmerztabletten

Nichts spricht bei gelegentlichen Kopfschmerzen gegen eine Schmerztablette. Treten die Beschwerden jedoch an mehr als zehn Tagen im Monat auf oder halten sie länger als drei Tage an, müssen sie auf jeden Fall ärztlich diagnostiziert werden. Denn Spannungskopfschmerzen können verschiedene Ursachen haben. »Werden muskuläre Ursachen nicht ausreichend berücksichtigt, kann eine Behandlung von Spannungskopfschmerz mit Akutschmerzmitteln sogar kontraproduktiv sein«, warnt Professor Dr. Hartmut Göbel, Ärztlicher Direktor der Neurologisch-Verhaltensmedizinischen Schmerzklinik Kiel auf dem Deutschen Schmerz- und Palliativtag in Frankfurt.
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Obwohl der Spannungskopfschmerz die häufigste Kopfschmerzerkrankung ist, können Wissenschaftler noch keine eindeutigen Aussagen machen, welche Faktoren bei seiner Entstehung zusammenwirken. Fest steht nur, dass es sich um ein »multifaktorielles Geschehen« handelt. Eine zentrale Rolle spielen dabei bestimmte Nervenbotenstoffe, beispielsweise Serotonin, welche die körpereigenen Schmerzfilter öffnen und schließen. Unter besonderen körperlichen oder seelischen Belastungen können Defizite dieser Botenstoffe entstehen. Doch weitere innere und äußere Faktoren können beim Entstehen von Spannungskopfschmerz beteiligt sein. Dazu gehören unter anderem die individuellen Erbanlagen, Hormone, Ernährung, Stress, Angst, Wettereinflüsse, Fehlhaltungen wie etwa eintöniges Sitzen am Schreibtisch, muskuläre Verspannungen, sowie unregelmäßiger Schlaf.

Glücklicherweise sind chronische Kopfschmerzen vom Spannungstyp relativ selten, d.h., die Betroffenen haben mehr als 15 Kopfschmerztage pro Monat. In Deutschland sind etwa drei Prozent der Bevölkerung davon betroffen. Für die meisten Menschen gelten vorübergehende Kopfschmerzepisoden hingegen als Bagatelle. Sie gehen daher auch nicht zum Arzt. »64 von hundert Menschen mit Kopfschmerzen vom Spannungstyp waren noch nie wegen ihrer Kopfschmerzen bei einem Arzt«, bestätigt Prof. Dr. Hartmut Göbel. Dieser relativ geringe Leidensdruck kann jedoch zu einem unkontrollierten Einsatz nicht verschreibungspflichtiger Arzneimittel führen. Eine leichtsinnige Selbstmedikation kann aber kontraproduktiv sein. Wer an mehr als zehn Tagen pro Monat Akutschmerzmittel einnimmt, läuft sogar Gefahr, den Kopfschmerz geradezu zu füttern. Experten sprechen hier von »medikamenteninduziertem Kopfschmerz«.

Bei muskulär bedingtem spannungsinduziertem Kopfschmerz warnen Experten vor dem reflexartigen Griff zur Schmerztablette. In diesem Fall ist der Kopfschmerz – anders als beim »Kopfschmerz vom Spannungstyp« – nicht die primäre Erkrankung, sondern die Folge von chronischen Muskelverspannungen. Häufig leiden Betroffene auch unter drückenden bis ziehenden Schmerzen im Schulter- und Nackenbereich. Der Arzt kann in der Regel bei der klinischen Untersuchung Verhärtungen an der betroffenen Muskulatur oder schmerzhafte Stellen ertasten.

Die Muskulatur entspannen. Als erfolgreiche Alternative zu den Nichtsteroidalen Antirheumatika hat sich schon vor Jahren der Wirkstoff Flupirtin erwiesen. In einer doppelblinden, Placebo-kontrollierten Multicenterstudie verringerte Flupirtin deutlich die Schmerzintensität bei Menschen mit chronischem Spannungskopfschmerz. Eine aktuelle Studie zeigte, dass die Substanz auch bei verspannungsbedingten Schmerzen des Schulter-Nacken und Kopfbereichs erfolgreich eingesetzt werden kann. 643 Patienten wurden mit retardiertem Flupirtin zwölf Wochen lang behandelt. Sowohl die Schmerzintensität als auch schmerzbedingte Einschränkungen der Lebensqualität nahmen kontinuierlich ab.

Über die Medikation hinaus können und sollten Patienten mit Spannungskopfschmerzen sich selbst Gutes tun. Dazu gehören Übungen, welche die Muskeln entspannen (z.B. progressive Muskelentspannung nach Jacobson) ebenso wie regelmäßiger Ausdauersport (Spaziergänge, Walken, Yoga, Tai-Chi, Wassergymnastik, Schwimmen oder Fahrradfahren), aber auch Anti-Stress-Strategien. Die wichtigste Regel gegen den Spannungskopfschmerz heißt »Regelmäßigkeit«. Wer zu festen Zeiten isst, einen regelmäßigen Tag- Nachtrhythmus einhält und alles zu Schnelle und zu Plötzliche meidet, beugt damit Kopfschmerzen vor. »Sich selbst Zeit nehmen und anderen Zeit geben: das sind einfachste Strategien gegen den Kopfschmerz«, empfiehlt der Kieler Schmerzexperte.

Quelle: idw


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