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Medizin

01. Juni 2019
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Spinalkanalstenose: Entstehung – Diagnostik – Behandlungsoptionen

Die Spinalkanalstenose bezeichnet eine, meist durch degenerative Veränderungen hervorgerufene, Einengung des Spinalkanals. Prof. Dr. med. Dr. h.c. Joachim Grifka, Direktor der Orthopädischen Klinik für die Universität Regensburg im Asklepios Klinikum Bad Abbach, erläutert im Interview mit www.journalmed.de Entstehung, Diagnostik und Behandlungsoptionen.
1. Was sind die anatomischen Zeichen einer Spinalkanalstenose, wie wird sie definiert?

Der Terminus „Spinalkanalstenose“ beschreibt eine Einengung im Wirbelkanal. Der Wirbelkanal wird von den Wirbelkörpern und den dazugehörigen Wirbelbögen gebildet. In ihm verläuft das Rückenmark und im Bereich der Lendenwirbelsäule die einzelnen Nervenfasern in einem Wurzelschlauch. In jeder Bandscheibenetage gehen rechts und links die Nerven seitlich ab, die im Bereich der unteren Lendenwirbelsäule in die Beine verlaufen, z.B. der Ischias-Nerv, der aus je 2 Wurzeln gebildet wird. Wenn der Kanal zunehmend eingeengt ist, kann es zur Bedrängung oder gar Kompression einzelner Nervenwurzeln kommen.

2. Wie entsteht die Spinalkanalstenose?

Die Einengung des Wirbelkanals rührt von einer Vergrößerung der knöchernen Strukturen oder auch der Kapseln der kleinen Wirbelgelenke und der Bandverbindungen. Diese Vergröberungen der Strukturen sind typischerweise degenerative Veränderungen. Sie entstehen also in aller Regel im Laufe des Lebens.

Bei mechanischen Instabilitäten, beispielsweise Gefügelockerungen im Bereich der Bandscheibenetage, kann es ebenso zu der knöchernen und bandmäßigen Verstärkung kommen, die für Stabilität in der Wirbelsäule sorgt und zugleich die Einengung des Wirbelkanals bedingt. Typischerweise entstehen die Einengungen des Wirbelkanals im Bereich der unteren Halswirbelsäule und vor allem im Bereich der unteren Lendenwirbelsäule. Dort ist insbesondere die vorletzte Bandscheibenetage (L4/L5) betroffen. Auch die angrenzenden höher liegenden Etagen können sich bei fortgeschrittenen Veränderungen einengen. Im Bereich der untersten Etage ist in der Regel anlagebedingt etwas mehr Platz. Hier kommt es seltener zu Einengungen.

3. Unter welchen Symptomen leiden Betroffene?

Bei der klassischen Spinalkanalstenose der Lendenwirbelsäule kommt es durch die Einengung der abgehenden Nerven zu Taubheitsgefühl und Schwäche in den Beinen. Ähnlich wie bei der „Schaufensterkrankheit“ (periphere Arterielle Verschlusskrankheit, pAVK) – Betroffene bleiben nach einigen Schritten stehen, bevor sie dann wieder weitergehen können – kommt es durch die Einengung des Wirbelkanals zu einer solchen Limitierung der Gehstrecke. In den Beinen ist ein diffuses Taubheitsgefühl zu spüren, und die Muskulatur ermüdet schon nach kurzer Gehstrecke. Wenn Betroffene aus dem Hohlkreuz, das im Stehen und Gehen besteht, etwas herauskommen, indem sie beispielsweise sitzen oder sich mit dem Oberkörper nach vorne lehnen und mit den Armen auf den Beinen abstützen, dann erweitert sich der Kanal. Die Nerven erholen sich wieder etwas, und die Betroffenen können dann wieder einige Schritte, z.B. 100m, gehen.
 
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