Mittwoch, 21. August 2019
Navigation öffnen

Medizin

01. Juni 2019
Seite 1/2
Spinalkanalstenose: Entstehung – Diagnostik – Behandlungsoptionen

Die Spinalkanalstenose bezeichnet eine, meist durch degenerative Veränderungen hervorgerufene, Einengung des Spinalkanals. Prof. Dr. med. Dr. h.c. Joachim Grifka, Direktor der Orthopädischen Klinik für die Universität Regensburg im Asklepios Klinikum Bad Abbach, erläutert im Interview mit www.journalmed.de Entstehung, Diagnostik und Behandlungsoptionen.
Anzeige:
1. Was sind die anatomischen Zeichen einer Spinalkanalstenose, wie wird sie definiert?

Der Terminus „Spinalkanalstenose“ beschreibt eine Einengung im Wirbelkanal. Der Wirbelkanal wird von den Wirbelkörpern und den dazugehörigen Wirbelbögen gebildet. In ihm verläuft das Rückenmark und im Bereich der Lendenwirbelsäule die einzelnen Nervenfasern in einem Wurzelschlauch. In jeder Bandscheibenetage gehen rechts und links die Nerven seitlich ab, die im Bereich der unteren Lendenwirbelsäule in die Beine verlaufen, z.B. der Ischias-Nerv, der aus je 2 Wurzeln gebildet wird. Wenn der Kanal zunehmend eingeengt ist, kann es zur Bedrängung oder gar Kompression einzelner Nervenwurzeln kommen.

2. Wie entsteht die Spinalkanalstenose?

Die Einengung des Wirbelkanals rührt von einer Vergrößerung der knöchernen Strukturen oder auch der Kapseln der kleinen Wirbelgelenke und der Bandverbindungen. Diese Vergröberungen der Strukturen sind typischerweise degenerative Veränderungen. Sie entstehen also in aller Regel im Laufe des Lebens.

Bei mechanischen Instabilitäten, beispielsweise Gefügelockerungen im Bereich der Bandscheibenetage, kann es ebenso zu der knöchernen und bandmäßigen Verstärkung kommen, die für Stabilität in der Wirbelsäule sorgt und zugleich die Einengung des Wirbelkanals bedingt. Typischerweise entstehen die Einengungen des Wirbelkanals im Bereich der unteren Halswirbelsäule und vor allem im Bereich der unteren Lendenwirbelsäule. Dort ist insbesondere die vorletzte Bandscheibenetage (L4/L5) betroffen. Auch die angrenzenden höher liegenden Etagen können sich bei fortgeschrittenen Veränderungen einengen. Im Bereich der untersten Etage ist in der Regel anlagebedingt etwas mehr Platz. Hier kommt es seltener zu Einengungen.

3. Unter welchen Symptomen leiden Betroffene?

Bei der klassischen Spinalkanalstenose der Lendenwirbelsäule kommt es durch die Einengung der abgehenden Nerven zu Taubheitsgefühl und Schwäche in den Beinen. Ähnlich wie bei der „Schaufensterkrankheit“ (periphere Arterielle Verschlusskrankheit, pAVK) – Betroffene bleiben nach einigen Schritten stehen, bevor sie dann wieder weitergehen können – kommt es durch die Einengung des Wirbelkanals zu einer solchen Limitierung der Gehstrecke. In den Beinen ist ein diffuses Taubheitsgefühl zu spüren, und die Muskulatur ermüdet schon nach kurzer Gehstrecke. Wenn Betroffene aus dem Hohlkreuz, das im Stehen und Gehen besteht, etwas herauskommen, indem sie beispielsweise sitzen oder sich mit dem Oberkörper nach vorne lehnen und mit den Armen auf den Beinen abstützen, dann erweitert sich der Kanal. Die Nerven erholen sich wieder etwas, und die Betroffenen können dann wieder einige Schritte, z.B. 100m, gehen.
 
Vorherige Seite

Das könnte Sie auch interessieren

Extreme Hitze: Was müssen Herzpatienten beachten?

Extreme Hitze: Was müssen Herzpatienten beachten?
© Korn V. - stock.adobe.com

Sommerliche Hitze mit sehr hohen Temperaturen über 30 Grad Celsius kann zur Herausforderung besonders für ältere Menschen und diejenigen werden, die bereits wegen Herz- oder Blutdruckproblemen in Behandlung sind. Mögliche Folgen der hohen Temperaturen sind Müdigkeit und Schwindel sowie Blutdruckabfall bis hin zum Kreislaufkollaps, außerdem Herzrhythmusstörungen oder auch Muskelkrämpfe. „Diesen Folgen können Betroffene vorbeugen, indem sie mit ihrem behandelnden Arzt Vorsichtsmaßnahmen besprechen, die je nach Herzerkrankung...

Patientenportal für klinische Studien macht medizinische Forschung für alle transparent und zugänglich

Patientenportal für klinische Studien macht medizinische Forschung für alle transparent und zugänglich
© pressmaster / Fotolia.com

In Deutschland werden jedes Jahr über 500 klinische Forschungsstudien zu neuen Therapien und Medikamenten durchgeführt. Ein Großteil betrifft Volkskrankheiten wie Diabetes, Asthma, COPD, Arthrose oder Schuppenflechte und richtet sich an chronisch kranke Patienten. Leider weiß die Mehrheit dieser Patienten nichts über aktuelle Studien und die Möglichkeiten, die sich daraus für sie ergeben können. Hier setzt das Aufklärungsprinzip von Mondosano an und bietet einfach aufbereitete Informationen zu neuen Therapieformen und Forschungsprojekten. Bei...

App FURDY hilft, kommunikative Barrieren zu überwinden und kognitive Fähigkeiten zu fördern

App FURDY hilft, kommunikative Barrieren zu überwinden und kognitive Fähigkeiten zu fördern
© Christoph Noll (TAU)

Zum 11-jährigen Jubiläum des Masterstudiengangs Barrierefreie Systeme (BaSys) unter dem Motto „Eine Dekade BaSys 10+“ lädt die Frankfurt University of Applied Sciences (Frankfurt UAS) alle Interessierten ein, über eine inklusive Welt zu diskutieren. Erwartet werden dazu am 22. November 2016 Gäste aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft sowie Vertreter/-innen verschiedener Interessenverbände, Studieninteressierte und Alumni. Auch Absolvent Benjamin Göddel wird vor Ort seine App FURDY präsentieren, die er entwickelt hat, um Autisten und...

Sie können folgenden Inhalt einem Kollegen empfehlen:

"Spinalkanalstenose: Entstehung – Diagnostik – Behandlungsoptionen "

Bitte tragen Sie auch die Absenderdaten vollständig ein, damit Sie der Empfänger erkennen kann.

Die mit (*) gekennzeichneten Angaben müssen eingetragen werden!

Die Verwendung Ihrer Daten für den Newsletter können Sie jederzeit mit Wirkung für die Zukunft gegenüber der rsmedia GmbH widersprechen ohne dass Kosten entstehen. Nutzen Sie hierfür etwaige Abmeldelinks im Newsletter oder schreiben Sie eine E-Mail an: info[at]rsmedia-verlag.de.