Dienstag, 2. Juni 2020
Navigation öffnen

Medizin

09. Mai 2017 Steuerung von Mikroglia-Zellen bei Hirnkrankheiten geklärt

Mikroglia, die Makrophagen des Gehirns, schützen Nervenzellen vor Krankheitserregern, sind aber auch an Erkrankungen wie Alzheimer beteiligt. Im Gehirn bilden sie ein gleichmäßiges Netz um die Nervenzellen. Forscher des Universitätsklinikums Freiburg wiesen nun erstmals bei Mäusen nach, wie das Mikroglia-Netzwerk im Zuge einer Hirnerkrankung umgebaut wird, um die Krankheit zu stoppen. Außerdem beobachteten sie, dass überschüssige Zellen nach Ende der Krankheit in benachbarte Hirnregionen auswandern. Die Erkenntnisse könnten Grundlage für neue Therapien bei neurodegenerativen und neurologischen Erkrankungen werden.
Anzeige:
Für die Studie markierten die Wissenschaftler Mikroglia-Zellen durch einen genetischen Trick mit unterschiedlichen Farben. Durch diese bunte „Mikroglia-Konfetti“ im Gehirn konnten sie Herkunft, Bewegung und Abbau der Zellen präzise nachvollziehen.

Bei ihren Untersuchungen stellten die Forscher zunächst genetisch veränderte Mäuse her, bei welchen das Mikroglia-Netzwerk im gesunden Gehirn aus Zellen unterschiedlicher Färbung besteht. Mit Beginn einer neurodegenerativen Hirnerkrankung bildeten sich bereits nach wenigen Tagen gleichfarbige Mikroglia-Wolken und das Netz wurde insgesamt dichter. „Im Krankheitsfall schaltet das Gehirn sehr schnell um: von einer langsamen Vermehrung vieler Mikroglia-Zellen hin zur massiven Vermehrung weniger Zellen“, sagt Prof. Dr. Marco Prinz, Ärztlicher Direktor des Instituts für Neuropathologie des Universitätsklinikums Freiburg. Durch dieses Umschalten werden die Zellen zur Teilung angeregt, um veränderte Nervenzellen besonders gut versorgen oder abräumen zu können.

Mikroglia-Zellen wird eine entscheidende Rolle bei Krankheiten wie Alzheimer, Multipler Sklerose und einigen psychiatrischen Erkrankungen wie Autismus und Schizophrenie zugeschrieben. Unvollständig oder übermäßig stark aktivierte Mikroglia können bei Hirnerkrankungen auch eine krankheitsverschlechternde Wirkung zeigen. „Unsere Daten haben auch ein großes zelltherapeutisches Potential. Denn wir können jetzt deutlich besser untersuchen, welche Unterschiede es in der Steuerung der Mikroglia im gesunden und im kranken Gehirn gibt“, sagt Prof. Prinz.
 
Die Mikroglia wurden durch einen genetischen Trick farbig (gelb, rot, blau, grün) markiert. Dadurch ließ sich erstmals die Bewegung der Zellen im gesunden und kranken Gehirn beobachten. © Universitätsklinikum Freiburg
Die Mikroglia wurden durch einen genetischen Trick farbig (gelb, rot, blau, grün) markiert. Dadurch ließ sich erstmals die Bewegung der Zellen im gesunden und kranken Gehirn beobachten. © Universitätsklinikum Freiburg


Die Forscher entdeckten außerdem, dass die Mikroglia nach Abklingen der Erkrankung wieder in den Normalzustand zurückkehrt. „Anders als bislang vermutet sterben überzählige Zellen nicht immer ab, sondern wandern auch in benachbarte Hirnregionen aus“, sagt die Erstautorin der Studie Dr. Tuan Leng Tay, Biologin am Institut für Neuropathologie des Universitätsklinikums Freiburg. Welche Bedeutung dies bei der Entstehung von Erkrankungen des Gehirns hat, wird nun weiter untersucht. Für ihre Studie markierten die Forscher Mikrogliazellen mit Genen für die Farben Rot, Grün, Gelb und Cyan. Zellen, die dann durch Zellteilung entstanden, trugen die gleiche Farbe. Mit Hilfe eines mathematischen Verfahrens konnten die Wissenschaftler Veränderungen in Zahl und Herkunft der Zellen nachvollziehen.

Quelle: Universitätsklinikum Freiburg

Literatur:

Tay TL, Mai D, Dautzenberg J, Fernández-Klett F et al.
A new fate mapping system reveals context-dependent random or clonal expansion of microglia.
Nat Neurosci. 2017 Apr 17. doi: 10.1038/nn.4547
https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/28414331


Anzeige:

Das könnte Sie auch interessieren

Coronavirus: Die Angst geht um

Coronavirus: Die Angst geht um
© dottedyeti - stock.adobe.com

Das Coronavirus hält die Welt seit Wochen in Atem. Drastische Maßnahmen werden in China, aber zum Beispiel auch in Deutschland ergriffen, um die Ausbreitung der neuen Lungenkrankheit zu verhindern. Auch wenn das Kern-Infektionsgebiet Wuhan rund 8.300 Kilometer Luftlinie von Deutschland entfernt liegt: Bei vielen Menschen weckt das Ängste. So sind in hiesigen Apotheken beispielsweise vereinzelt Mund- und Atemschutzmasken ausverkauft. Michael Falkenstein, Experte für Psychologie von der KKH Kaufmännische Krankenkasse, erklärt, woher solche Ängste kommen...

Wenn das Herz stockt: Herzinfarkt erkennen und behandeln

Wenn das Herz stockt: Herzinfarkt erkennen und behandeln
© psdesign1 - stock.adobe.com

Nach wie vor stellen Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems in Deutschland die häufigste Todesursache dar. Dennoch lässt sich in den vergangenen Jahren ein deutlicher Mortalitätsrückgang verzeichnen. Laut Deutschem Zentrum für Herz-Kreislauf-Forschung e. V. ist die Zahl der Todesfälle rückläufig und hat sich seit dem Jahr 1980 sogar halbiert. „Aufgrund der guten Notfallversorgung können wir viele Patienten schnell und zielgerichtet behandeln“, erklärt Priv.-Doz. Dr. Wolfgang Fehske, Chefarzt der Kardiologie und Inneren Medizin...

Sie können folgenden Inhalt einem Kollegen empfehlen:

"Steuerung von Mikroglia-Zellen bei Hirnkrankheiten geklärt"

Bitte tragen Sie auch die Absenderdaten vollständig ein, damit Sie der Empfänger erkennen kann.

Die mit (*) gekennzeichneten Angaben müssen eingetragen werden!

Die Verwendung Ihrer Daten für den Newsletter können Sie jederzeit mit Wirkung für die Zukunft gegenüber der rsmedia GmbH widersprechen ohne dass Kosten entstehen. Nutzen Sie hierfür etwaige Abmeldelinks im Newsletter oder schreiben Sie eine E-Mail an: info[at]rsmedia-verlag.de.


EILMELDUNGEN zu SARS-CoV-2 und COVID-19
  • Keine Krankschreibungen mehr via Telefon – Seit heute ist eine Krankschreibung via Telefon ohne den Patienten persönlich gesehen zu haben, nicht mehr erlaubt. Der Hausärzteverband fodert eine Verlängerung der „Corona“-Sonderregelung (dpa, 01.06.2020).
  • Keine Krankschreibungen mehr via Telefon – Seit heute ist eine Krankschreibung via Telefon ohne den Patienten persönlich gesehen zu haben, nicht mehr erlaubt. Der Hausärzteverband fodert eine Verlängerung der „Corona“-Sonderregelung (dpa, 01.06.2020).

Cookies

Diese Webseite benutzt Cookies, um den Nutzern das beste Webseiten-Erlebnis zu ermöglichen. Ausserdem werden teilweise auch Cookies von Diensten Dritter gesetzt. Weitere Informationen erhalten Sie in den Allgemeine Geschäftsbedingungen und in den Datenschutzrichtlinien.

Verstanden