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Medizin

19. April 2012 Studie: Atherosklerose kann sich zurückbilden

Aktuelle Studiendaten zeigen, dass die Bildung atherosklerotischer Gefäßveränderungen umkehrbar ist. Dass unter Therapie mit hochdosierten Statinen die gefährlichen Plaques (Ablagerungen) in den Gefäßen kleiner werden, wurde mittels Ultraschall-Sonde gemessen. Voraussetzung dafür ist jedoch, dass strenge Zielwerte für das LDL-Cholesterin erreicht und eingehalten werden.
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Atherosklerose ist keine Einbahnstraße. Das legen aktuelle Daten zur Wirksamkeit Cholesterin-senkender Medikamente (Statine) nahe. War man bis vor kurzem davon ausgegangen, dass der Prozess der Plaque-Bildung (Ablagerungen in den Blutgefäßen), wenn er einmal begonnen hat, bestenfalls verlangsamt werden kann, so zeigen die Ergebnisse der SATURN Studie , dass es auch in die andere Richtung geht: Atherosklerotische Plaques ("Atherome") können unter Therapie schrumpfen. "Das ist eine sehr wichtige Studie, die erstmals prospektiv gezeigt hat, dass es bei rund zwei Drittel der Patienten zu einer Regression (Rückbildung) der Plaques kommt, wenn ein LDL-Cholesterin unter 70 mg/dl erreicht wird", berichtete Prof. Dr. Raimund Erbel (Klinik für Kardiologie am Universitätsklinikum Essen) auf der 78. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie (DGK). "Regression bedeutet weniger Herzinfarkte und Schlaganfälle."

Studienziel von SATURN (Study of CoronaryAtheroma by InTravascular Ultrasound: Effect of Rosuvastatin Versus AtorvastatiN) war eigentlich, Unterschiede in der Wirksamkeit zwischen den Statinen Atorvastatin und Rosuvastatin nachzuweisen. In der Studie wurden atherosklerotische Gefäßveränderungen mittels intravaskulärem Ultraschall (IVUS) kontrolliert, indem eine Ultraschall-Sonde in das Gefäß eingeführt wurde. Der Vorteil des IVUS liegt darin, dass er es erlaubt, die unmittelbaren Auswirkungen der Therapie auf die Atherosklerose zu bewerten, während man üblicherweise auf klinische Endpunkte angewiesen ist. Eine Rückbildung der Plaques kann in solchen Endpunktstudien jedoch nur vermutet, nicht nachgewiesen werden.

SATURN zeigte eine gewisse, nicht signifikante Überlegenheit von Rosuvastatin im Vergleich zu Atorvastatin, darüber hinaus jedoch in beiden Gruppen (bei intensiver Therapie) eine Regression der Plaques, die bei mehr als zwei Drittel der Patienten an Volumen abnahmen. Nach zweijähriger hochdosierter Therapie erreichten die mit Rosuvastatin behandelten Patienten ein etwas niedrigeres LDL-Cholesterin (62,6 vs. 70,2 mg/dl) und auch höhere HDL-Cholesterinwerte (50,4 vs. 48,6 mg/dl). Mittels IVUS wurden das relative Atheromvolumen im Verhältnis zur Größe der Koronarie (percent atheroma volume, PAV) und das absolute Atheromvolumen (total atheroma volume, TAV) ermittelt. Hinsichtlich des PAV (des primären Endpunkts der Studie) ergab sich eine Reduktion von 0,99% unter Atorvastatin und 1,22% unter Rosuvastatin. Die Differenz war nicht signifikant. Hinsichtlich des sekundären Endpunkts PAV erwies sich Rosuvastatin als signifikant überlegen.

Statin-Dosis muss bei Risikopersonen hoch genug sein

Obwohl das primäre Studienziel nicht erreicht wurde, ist das Ergebnis von SATURN als beeindruckender Befund zu werten, zeigt es doch, dass die Atherosklerose bei geeigneter Therapie reversibel ist. Prof. Erbel: "Die Dosis der Statine muss bei Risikopersonen hoch genug sein. Das LDL-Cholesterin muss unter 80 mg/dl gesenkt werden, in den USA gilt sogar ein Zielwert von 70 mg/dl. Deshalb wurde in früheren Studien auch keine Rückbildung der Plaques gesehen. Die LDL-Senkung war einfach nicht deutlich genug. Das liegt zum Teil auch daran, dass man mit den älteren Statinen die heutigen Zielwerte in den meisten Fällen gar nicht erreichen kann."

Die Rückbildung der Plaques wird sich langfristig in einer Reduktion klinischer Ereignisse niederschlagen, ist der Experte überzeugt: "Regression bedeutet weniger Herzinfarkte und Schlaganfälle." Die Therapie mit hochdosierten Statinen ist jedenfalls machbar, zumal die Nebenwirkungsrate in SATURN gering war. Bei keinem einzigen der rund 1.000 Patienten trat eine Rhabdomyolyse, die gefürchtetste Komplikation der Statin-Therapie, auf.

Literaturhinweis:
Nicholls et al. N Engl J Med 2011; 365:2078-2087

Quelle: DGK


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