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Medizin

21. Oktober 2015 Symptomatische Hyperurikämie (Gicht) - eine systemische Erkrankung

Obwohl eine erhöhte Serum-Harnsäure den wichtigsten Risikofaktor für die Symptomatische Hyperurikämie darstellt, ist dies gemäß der EULAR-Leitlinien nicht ausreichend, um die Diagnose zu sichern. Erst die Punktion sowie verschiedene Bildgebungsverfahren können Gewissheit bringen. Steht die Diagnose jedoch erstmal, kann der Arzt mit den Xanthinoxidasehemmern als Mittel der Wahl effektiv intervenieren, und - sofern der Patient die Zielwerte von unter 6 mg/dl kontinuierlich erreicht - die Uratkristalle wieder zur Auflösung bringen.

"Eine Punktion, zumal im entzündeten Gelenk, lassen die meisten Patienten nicht gern über sich ergehen", konzediert der Rheumatologe Prof. Dr. med. Wolfgang A. Schmidt, Berlin-Buch. Liegt jedoch ein Punktat vor, lässt sich mit dem Polarisationsmikroskop eine fundierte Diagnose der Gicht vom  Facharzt erstellen.

Diagnose eventuell mit Bildgebung absichern

Als neues Verfahren zur Detektion von Uratkristallen hat sich das Dual-Energy-CT (DECT) etabliert. Mit Hilfe von zwei Röntgenröhren mit unterschiedlicher Strahlungsenergie können Uratablagerungen im Gelenkspalt anhand ihres Absorptionsverhaltens zuverlässig sichtbar gemacht werden. Ebenso weist die Sonographie eine hohe Sensitivität und Spezifität in der Diagnostik der Gicht auf. Röntgenaufnahmen hingegen sind, außer in einem sehr fortgeschrittenem Stadium der Hyperurikämie, zu unspezifisch.

Für eine frühzeitige kausale Therapie der Gicht mittels Xanthinoxidasehemmern plädierte Prof. Dr. med. Klaus Krüger, München, da eine chronische Gicht nicht nur zu Gelenkerosionen führt, sondern sich die Kristalle ebenfalls in Organen wie dem Herzen ablagern können, oder auch den Rückenmarkskanal infiltrieren. "Eine chronische unbehandelte Gicht führt zu einer deutlich verschlechterten Prognose." Dies wird unterstützt durch eine Studie, in welcher bei Patienten, deren Erkrankung mit Febuxomat behandelt wurde, einen Verlauf ihrer Nierenfunktion protokolliert wurde wie bei der Kontrollgruppe ohne Gicht; demgegenüber Patienten mit unbehandelter Hyperurikämie einen deutlich stärkeren Verlust der eGFR hinnehmen mussten (1).

Positive Effekte auf das Gefäßsystem

Auf einen angenehmen Nebeneffekt von Febuxostat wies der niedergelassene Kardiologe Dr med. Joachim Heisters, Kamp-Lintfort hin. "Febuxostat senkt nicht nur effektiv die Serumharnsäure, sondern inhibiert zugleich die Produktion freier Sauerstoffradikaler." Die Überproduktion von ROS führt zu einer Verminderung von NO, mit der Folge einer Gefäßkonstriktion und damit einer Erhöhung der Gefäßsteifigkeit. Diese Kausalität wird von Febuxostat unterbrochen, nicht jedoch von Allopurinol. So konnte Tausche in einer kleinen Versuchsanordnung zeigen, dass nach einem Jahr Behandlung die Gefäßsteifigkeit unter 460 mg/d Allopurinol zunahm, unter 90 mg/d Febuxostat jedoch stabil blieb (2). Hier sind weitere Untersuchungen nötig.

Die Referenten machten darauf aufmerksam, dass eine zu behandelnde Gicht unbedingt - auch in beschwerdefreien Intervallen - als ICD10 M10.0 kodiert werden sollte, um sie eindeutig von einer asymptomatischen Hyperurikämie abzugrenzen, die nicht medikamentös behandelt werden muss.

Reimund Freye

eGFR: errechnete Glomuläre Filtrationsrate

Literaturhinweise:
(1) Kuo CF et al. Scan J Rheumatol 2011; 40: 116-21
(2) Tausche AK et al., Rheumatol Int 2014; 34(1):101-9

Quelle: Speichergespräch: „Den Kristallen auf der Spur“, im Rahmen des 43. Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie, Bremen, 2. Sept. 2015; Veranstalter: Berlin Chemie


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