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Medizin

11. April 2016 Theodor-Frerichs-Preis: Checkpoint-Kinasen weiterer Ansatz in der Krebstherapie

Enzyme, die in Krebszellen die Zellteilung sicherstellen, sind ein neuer Ansatz in der Krebstherapie. Für die Entwicklung einer Kombinationsbehandlung, die auf verschiedenen Ebenen den Tumor angreift und die Zellteilung verlangsamt, zeichnet die DGIM Prof. Dr. med. Hans Christian Reinhardt, Köln, mit dem Theodor-Frerichs-Preis aus.

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Mutationen treiben das unkontrollierte Wachstum von Krebszellen voran. Bei bis zu 30% aller Krebserkrankungen ist dabei das KRAS-Gen (Kirsten Rat Sarcoma-Gen) beteiligt. Die dauerhafte Aktivierung von KRAS in Krebszellen führt zudem zu genotoxischem Stress für die Zellen, ist also potenziell schädlich - auch für Krebszellen. Krebszellen neutralisieren diesen Stress oft durch bestimmte Enzyme - den sogenannten Checkpoint-Kinasen, um eine so bezeichnete "mitotische Katastrophe" und damit den Untergang der Zelle zu verhindern. Checkpoint-Kinasen bessern Fehler im Zellteilungsapparat aus und stellen sicher, dass die Mitosen für die Zellteilung trotz Stress reibungslos ablaufen. Die Kinasen sind damit ein guter Ansatzpunkt für Krebstherapien. Denn ihre Hemmung könnte die mitotische Katastrophe, also den Untergang von Krebszellen auslösen.
 
Medikamente, die Checkpoint-Kinasen angreifen, waren bislang jedoch wenig erfolgreich. Prof. Reinhardt beschritt deshalb einen neuen Weg und hemmte nicht nur eine, sondern mehrere Checkpoint-Kinasen mit Medikamenten. Um die geeigneten Wirkstoffe zu finden, untersuchte er zahlreiche Krebszellen im Labor und analysierte die Ergebnisse mit einer eigens entwickelten Software. "Die Untersuchungen haben gezeigt, dass speziell in von KRAS angetriebenen Krebszelllinien Hemmstoffe verschiedener Checkpoint-Kinasen zusammenwirken und dazu führen, dass die Zellteilung verhindert wird", zeigt sich Prof. Ulrich R. Fölsch, Generalsekretär der DGIM aus Kiel, von den Ergebnissen  beeindruckt.
 
Die in der Fachzeitschrift Cell publizierte Arbeit belegt nach Ansicht des Preiskomitees der DGIM "in hervorragender Weise, dass stark grundlagenbezogene Untersuchungen einen wesentlichen Beitrag zum Krankheitsverständnis leisten und greifbares Potential zur Translation aufbieten". Besonders zu betonen sei, dass die Studie in einem klinischen Umfeld entstanden ist und auf konsequente Vorarbeiten des Preisträgers aufbaue. Noch wurde die Kombination nicht an Krebspatienten erprobt. "Die Studienergebnisse liefern aber gute Argumente für eine klinische Prüfung der kombinierten Hemmung der Checkpoint-Kinasen“, sagt Prof. Fölsch. "Da KRAS bei vielen Krebserkrankungen mutiert ist, bietet der neue Ansatz eine therapeutische Perspektive, die mittelfristig für viele Tumorpatienten nutzbringend sein könnte."
 
Der DGIM-Preis ist nach dem Internisten Friedrich Theodor von Frerichs benannt, dem Präsidenten des ersten Deutschen Kongresses für Innere Medizin im Jahr 1882. Der Preis ist mit 30 000 Euro dotiert. Mit dem Preis würdigt die DGIM die beste zur Bewerbung eingereichte, möglichst klinisch-experimentelle Arbeit auf dem Gebiet der Inneren Medizin im deutschsprachigen Raum. Die Fachgesellschaft verleiht die Auszeichnung jährlich im Rahmen der Festlichen Abendveranstaltung ihrer Jahrestagung.
 
Literaturhinweis:
Felix Dietlein, Bastian Kalb, Mladen Jokic et al. A Synergistic Interaction between Chk1- and MK2 Inhibitors in KRAS-Mutant Cancer.
Cell, Volume 162, Issue 1, p146-159, 2 July 2015
http://www.cell.com/cell/abstract/S0092-8674(15)00643-1

Quelle: DGIM


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