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Medizin

18. Januar 2013 Therapie des Typ-2-Diabetes: Diabetestherapie sollte mit Metformin starten

Das blutzuckersenkende Medikament Metformin schützt Patienten mit Typ-2-Diabetes besser vor Herzinfarkten und Schlaganfällen als Medikamente aus der Gruppe der Sulfonylharnstoffe. Dies ergab eine US-amerikanische Studie, die kürzlich in den Annals of Internal Medicine veröffentlicht wurde. Demnach liegt das Risiko für Herzkreislauferkrankungen unter einer Therapie mit Sulfonylharnstoffen um 21 Prozent höher als bei einer Metformin-Behandlung. Aus Sicht der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG) untermauern die Studienergebnisse die Empfehlung, die Therapie des Typ-2-Diabetes nach Möglichkeit immer mit Metformin zu beginnen.

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Viele Diabetespatienten sterben frühzeitig an einem Herzinfarkt oder Schlaganfall. „Eine multifaktorielle Diabetestherapie, die das Ziel hat, den Blutzucker, die Blutfette sowie den Blutdruck optimal einzustellen, kann dies häufig verhindern“, erläutert Professor Dr. med. Stephan Matthaei, Präsident der DDG. „Eine optimale Therapie des Blutzuckers unter Vermeidung von Nebenwirkungen - insbesondere von Unterzuckerungen und Gewichtszunahme - beugt den Folgeerkrankungen des Diabetes vor“, so Matthaei. In den vergangenen Jahren wurde jedoch beobachtet, dass bei gleicher Blutzuckersenkung die Diabetesmedikamente nicht gleich effektiv schützend wirken. Ein Wirkstoff, Rosiglitazon, wurde vor zwei Jahren sogar vom Markt genommen, weil er das Risiko von Herzinfarkten erhöht.
 
Auch zwischen Metformin und den Sulfonylharnstoffen, den seit Jahrzehnten am häufigsten eingesetzten Blutzuckermedikamenten, gibt es diesbezüglich deutliche Unterschiede. Dies ergab jetzt eine Auswertung der Krankenakten von mehr als 250 000 US-Veteranen, die ein Team um Marie Griffin vom Vanderbilt University Medical Center in Nashville/Tennessee durchgeführt hat. Bei allen Patienten war ein Typ-2-Diabetes neu diagnostiziert worden. Alle waren zunächst mit Metformin oder einem Sulfonylharnstoff behandelt worden. In den USA verordnen Ärzte vor allem die Sulfonylharnstoffe Glibenclamid und Glipizid, das in Deutschland nicht auf dem Markt ist. Patienten in Deutschland erhalten meist Glibenclamid und Glimepirid.
 
Die Auswertung der Krankenakten ergab nun: Unter der Therapie mit Glibenclamid und Glipizid ereigneten sich 21% mehr Todesfälle oder Krankenhausbehandlungen wegen Herzinfarkt oder Schlaganfall als unter Metformin. „Das erhöhte Risiko war für beide Sulfonylharnstoffe nachweisbar, so dass es sich eher um ein Risiko handeln dürfte, das die Wirkstoffklasse insgesamt und nicht einzelne Wirkstoffe betrifft“, erklärt Professor Dr. med. Andreas Fritsche, Pressesprecher der DDG aus Tübingen.
 
Die Ursache für die erhöhte Rate von Herzkreislauferkrankungen ist nicht bekannt. Sie könnte mit den Begleitwirkungen der Sulfonylharnstoffe zusammenhängen. So kommt es unter der Therapie mit Sulfonylharnstoffen häufig zu gefährlichen Unterzuckerungen, was bei Patienten unter der Therapie mit Metformin ausgeschlossen ist. Auch die Auswirkungen auf das Körpergewicht, die Blutfette und den Blutdruck sind bei Metformin günstiger.
 
Aus diesem Grund ist Metformin heute das bevorzugte Mittel, um in die Therapie des Typ-2-Diabetes einzusteigen. Es gibt aber auch Patienten, die Metformin nicht vertragen oder aufgrund einer eingeschränkten Nierenfunktion nicht einnehmen dürfen. „Hier ist eine Therapie mit anderen oralen Antidiabetika oder Insulin sinnvoll, um Spätfolgen des Diabetes an Nerven und Augen zu verhindern“, erklärt Fritsche. „Nur der Verzicht auf eine Therapie ist beim Diabetes niemals eine Alternative“, betont Fritsche.
 
Literaturhinweis:
Roumie CL, Hung AM, Greevy RA, Grijalva CG, Liu X, Murff HJ, Elasy TA, Griffin MR.
Comparative effectiveness of sulfonylurea and metformin monotherapy on cardiovascular events in type 2 diabetes mellitus: a cohort study.
Annals of Internal Medicine 2012; 157: 601-10
www.annals.org/article.aspx?articleid=1389845
 

Quelle: DDG


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