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Medizin

23. Oktober 2018 Therapie mit CGRP-Antikörpern erweitert Behandlungsspielraum in der Migräne-Prophylaxe

Chronische Kopfschmerzen und Migräne begleiten viele Betroffene seit ihrer Kindheit. Nach Angaben der International Headache Society gibt es über 240 verschiedene Arten von Kopfschmerzen. Eine der wichtigsten Erkrankungen ist die Migräne. Differenzierung, Diagnosestellung und Wahl der passenden Therapie sind somit eine Herausforderung für den behandelnden Arzt. Der medizinische Bedarf an neuen wirksamen Therapien, die vorbeugend bei Migräne eingesetzt werden können, ist hoch – ca. 1% bis 2% der Bevölkerung weltweit sind von täglichen oder nahezu täglichen Migräneattacken betroffen (1,2). Durch die schwere Symptomatik der Migräne ist die Lebensqualität der Betroffenen erheblich beeinträchtigt. Der neue Behandlungsansatz mit monoklonalen Antikörpern, die gegen das Calcitonin Gene-Related Peptide (CGRP) gerichtet sind, eröffnet neue Perspektiven in der prophylaktischen Therapie. Ca. 40% der Migränepatienten könnten Studien zufolge von einer prophylaktischen Therapie profitieren. Jedoch nur ungefähr 15% der Patienten erhalten derzeit eine Therapie zur Vorbeugung von Migräneattacken (3,4). Diese Problematik stellen die renommierten Kopfschmerzexperten Prof. Dr. Andreas Straube, München, PD Dr. Stefanie Förderreuther, München, Dr. Astrid Gendolla, Essen, und Prof. Dr. Dr. Stefan Evers, Coppenbrügge, im Rahmen des diesjährigen Deutschen Schmerzkongresses (DGSS) in Mannheim bei einem Teva-Symposium im Hinblick auf die aktuellen Herausforderungen und neue Behandlungsstrategien in der Migränetherapie in den Fokus der Diskussion.
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Der hohe medizinische Bedarf an wirksamen Migränetherapien wird durch die International Burden of Migraine Study (IBMS) bestätigt: 23,3% der Patienten mit episodischer und 78% mit chronischer Migräne geben an, schwer oder sehr schwer in ihrer Lebensqualität eingeschränkt zu sein (5). „Um die optimale Therapie für den Patienten zu finden, sollte zuerst sichergestellt werden, ob es sich bei den Kopfschmerzen um einen chronischen Spannungskopfschmerz oder eine Migräne handelt. Diese Arten unterscheiden sich hauptsächlich in der jeweiligen Schmerzdauer und
-intensität“, erläuterte Förderreuther in ihrem Vortrag zur aktuellen Versorgungssituation von Patienten mit chronischen Kopfschmerzen. Bei der Migräne unterscheidet man zwischen einer episodischen und chronischen Form, die sich durch die Anzahl der Kopfschmerztage definiert. Die chronische Migräne wird bei Patienten diagnostiziert, die mind. 3 Monate lang an mind. 8 Tagen im Monat Migräne haben und an insgesamt 15 Tagen im Monat überhaupt unter Kopfschmerzen leiden. Die episodische Form ist durch Migräne und andere Kopfschmerzen an bis zu 14 Tagen im Monat gekennzeichnet (6). Die Neurologin hebt die starke Beeinträchtigung der betroffenen Patienten hervor und betont die Relevanz einer prophylaktischen Behandlung, um einer Chronifizierung frühzeitig entgegenwirken zu können.

Spezifische und zielgerichtete Erweiterung der Behandlungsmöglichkeiten in der Migräne-Prophylaxe

Bei der Entstehung von Migräne ist das Neuropeptid CGRP (Calcitonin Gene-Related Peptide) ein maßgeblicher Faktor. CGRP wirkt gefäßerweiternd und ist an der Schmerzauslösung sowie der neurogenen Entzündung bei Migräne beteiligt. Studien belegen, dass der CGRP-Spiegel bei Migräneattacken erhöht ist. „Für Betroffene, die regelmäßig unter Migräneattacken leiden und bereits mit unterschiedlichen medikamentösen Prophylaxen ohne Besserung behandelt wurden, ist die neue Behandlungsoption mit CGRP-Antikörpern aufgrund der Gabe pro Monat oder Quartal und der bisherigen guten Verträglichkeit ein vielversprechender Ansatz. Die Adhärenz, die bei der Migränetherapie eine wichtige Rolle spielt, ist bei den bisherigen Therapiemöglichkeiten nicht zufriedenstellend und könnte durch die prophylaktische Therapie mit CGRP-Antikörpern verbessert werden“, erklärt Gendolla. Die medikamentöse Therapie, die eine Möglichkeit der Behandlung darstellt, sollte durch nicht-medikamentöse Therapien ergänzt werden. Die Neurologin weist auf die Relevanz eines ganzheitlichen Gesamtkonzeptes hin: „Neben komplementären Maßnahmen wie Verhaltenstherapie und Entspannungsverfahren eignet sich auch Ausdauersport zur Vorbeugung von Migräne. Die Kombination aus der nicht-medikamentösen Therapie und medikamentösen Migräne-Prophylaxe mit CGRP-Antikörpern eröffnet uns neue Behandlungsmöglichkeiten.“ Evers fügte im Hinblick auf die zukünftige Entwicklung der Therapie hinzu: „Derzeit gibt es in dieser neuen Klasse 4 Wirkstoffe (Eptinezumab, Erenumab, Fremanezumab und Galcanezumab), die teilweise bereits in Europa zugelassen sind oder sich noch in der Zulassungsphase befinden. Die Studienergebnisse der 4 Kandidaten waren im Hinblick auf Wirksamkeit und Verträglichkeit sehr konsistent und überzeugten v.a. durch die wenigen Nebenwirkungen, die in den Studien teilweise auf Placebo-Niveau lagen.“ Die Antikörper werden monatlich oder vierteljährlich (Fremanezumab) als prophylaktische Therapie injiziert.

Quelle: Teva

Literatur:

(1) Lipton RB, Bigal ME. Headache 2005;45 Suppl 1:S3–S13.
(2) Cho SJ, Chu MK. Curr Pain Headache Rep 2015;19:465.
(3) Lipton RB et al. Neurology 2007;68:343–349.
(4) VanderPluym J et al. Headache 2016;56:1335–1343.
(5) Blumenfeld AM et al. Cephalalgia 2011;31:301–315.
(6) Deutsche Migräne- und Kopfschmerz-Gesellschaft. Migräne. Online publiziert unter: http://www.dmkg.de/patienten/antworten-auf-die-wichtigsten-fragen-rund-um-den-kopfschmerz-onlinebroschuere/online_broschuere_migraene.html (zuletzt aufgerufen: September 2018).


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