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Medizin

13. September 2016 Therapieerfolg bei Gicht durch höhere Adhärenz und Einsatz bildgebender Verfahren verbessern

Eines der zentralen Themen auf dem diesjährigen Kongress der European League Against Rheumatism (EULAR) in London waren dringende Verbesserungen bei der Behandlung der Gicht. Eine besondere Herausforderung stellt den vorgestellten Studien zufolge die mangelnde Therapieadhärenz beim langfristigen Einsatz harnsäuresenkender Wirkstoffe dar, durch die viele Patienten den angestrebten Zielwert nicht erreichen. Deutlicher Optimierungsbedarf besteht zudem bei der Diagnose: Da die Gelenkpunktion, der eigentliche Goldstandard, in der Praxis kaum angewendet wird, sollten künftig bildgebende Verfahren wie die Sonographie und die Dual-Energy-Computer-Tomographie verstärkt zum Nachweis der Gicht genutzt werden.

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Fachinformation

Obwohl Gicht weltweit zu den häufigsten Erkrankungen zählt und ihre Prävalenz stetig zunimmt, bestehen deutliche Defizite in Diagnose und Therapie, wodurch die Erkrankung weiter fortschreiten kann (1). So wird etwa der gemäß den aktuellen europäischen Leitlinien (2) anzustrebende Serum-Harnsäurezielwert von ≤ 6 mg/dl (360 μmol/l) trotz der Effektivität der hierfür primär empfohlenen Xanthinoxidase-Hemmer oft nicht erreicht.

Harnsäuresenkende Behandlung oft nicht initiiert oder abgebrochen

Hierbei scheint eine mangelhafte Therapieadhärenz eine wesentliche Rolle zu spielen. So ergab eine von Scheepers et al. durchgeführte Auswertung der Daten von fast 48.000 britischen Gichtpatienten, die zwischen 1987 und 2014 eine uratreduzierende Therapie erhielten, dass nur 39 Prozent von ihnen über den durchschnittlichen Beobachtungszeitraum von 5,3 Jahren adhärent waren (3). Auf eine mangelhafte Adhärenz sowie ein inadäquates Management der Erkrankung weist auch eine Studie von Juraschek et al. hin, die zeigt, dass zwischen 2007 und 2010 nur die Hälfte aller US-amerikanischen Gichtpatienten, bei denen aus verschiedenen Gründen eine harnsäuresenkende Therapie angezeigt war, auch entsprechend behandelt wurde. Zwei Drittel all dieser Patienten wiesen einen Serum-Harnsäurewert von über 6 mg/ml auf und lagen somit über dem Zielwert (4). Auf dem EULAR-Kongress präsentierte Registerdaten aus Schweden belegen ebenfalls eine suboptimale Versorgung und mangelnde Adhärenz bei Gicht. So erhielt nur rund ein Drittel der dafür indizierten Patienten innerhalb des ersten Jahres nach der Diagnose der Erkrankung eine harnsäuresenkende Therapie, von denen wiederum zwei Drittel die Behandlung innerhalb der nächsten zwölf Monate beendeten (5).

Bildgebende Verfahren für Diagnose nutzen

Weitere Verbesserungsmöglichkeiten im Management der Gicht bestehen bei der Diagnose. Zwar gilt hier immer noch der Nachweis von Uratkristallen im Gelenkpunktat unter dem Polarisationsmikroskop als Goldstandard, jedoch ist diese Methode gerade in der ambulanten Erstversorgung kaum praktikabel und spielt hier somit fast keine Rolle. So zeigt eine aktuelle Untersuchung, dass von allen Patienten, die zwischen 2004 und 2010 aufgrund eines akuten Gichtanfalls in der Notambulanz einer US-amerikanischen Klinik vorstellig wurden, nur acht Prozent eine Arthrozentese erhielten (6). Eine mit 31,7% deutlich höhere Nutzungsrate der Gelenkpunktion zeigt die spanische GEMA-II-Studie, die Daten von 511 Patienten an 38 Rheumazentren zwischen 2006 und 2012 auswertete (7). Angesichts der Tatsache, dass 35 der Zentren über eine Polarisationsmikroskopie verfügen, wurde die Methode jedoch immer noch relativ wenig genutzt.

Um die Diagnose trotz dieses Defizits nicht alleine aufgrund klinischer Parameter stellen zu müssen, werden heute verstärkt bildgebende Verfahren zur Absicherung der Diagnose eingesetzt. Hier spielt insbesondere die Sonographie eine wesentliche Rolle, die durch typische Befunde wie das Doppelkonturzeichen am Gelenkspalt eine gute Sensitivität und Spezifität bei Gicht aufweist (1). Noch nicht flächendeckend verfügbar ist die Dual-Energy-CT (DECT), die mit zwei um 90 Grad versetzten rotierenden Elektronenquellen unterschiedlicher Energie (80 bzw. 140 kV) arbeitet. Eine spezielle Software erkennt die Natriumurat-Ablagerungen im Gewebe und an den Gelenken aufgrund ihres spezifischen Absorptionsspektrums und hebt sie auf den Bildern farblich hervor.

MyTherapy-App unterstützt Ärzte und Gichtpatienten bei Therapieadhärenz

Patienten mit chronischen Erkrankungen dauerhaft zur Therapieadhärenz zu motivieren, stellt für Ärzte häufig eine Herausforderung dar. Gerade bei Erkrankungen mit längeren symptomfreien Intervallen wie der Gicht, scheint die Therapietreue besonders schwierig zu sein. Mit der MyTherapy-App können Ärzte ihre Patienten jetzt dort unterstützen, wo Therapien häufig scheitern - außerhalb der Praxis. Die kostenfreie App, die in Zusammenarbeit mit der Berlin-Chemie AG vermarktet wird, richtet sich an Patienten mit verschiedenen Erkrankungen. Sie erinnert an die Einnahme von Medikamenten oder die Messung von Blutwerten und dient als Patiententagebuch, das den Verlauf der Behandlung festhält und Fortschritte sichtbar macht. Die digitale Unterstützung gibt es sowohl für iOS- als auch für Android-Geräte und ist im App Store und im Google Play Store verfügbar.

Literaturhinweise:
(1) Kiltz U et al. Z Rheumatol 2016, 75(Suppl2): 9-60.
(2) Richette P et al. (2016) Updated EULAR evidence-based recommendations for the management of gout.
Online abgerufen unter http://bit.ly/2c4cKC0 am 04.08.2016.
(3) Scheepers E et al. EULAR 2016, Abstract #OP0017.
(4) Juraschek SP et al. Arthritis Care Research 2015, 67(4): 588-592.
(5) Dehlin MI et al. EULAR 2016, Abstract #THU0520.
(6) Schlesinger N et al. Open Rheumatol J 2015, 9: 21-26.
(7) Perez-Ruiz F et al. EULAR 2016, Abstract #508.

Quelle: Berlin-Chemie


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