Mittwoch, 8. April 2020
Navigation öffnen

Medizin

05. Juni 2019 Tiefe Hirnstimulation: Weiterentwicklung bietet Chancen bei der Behandlung neurodegenerativer Erkrankungen

Im Rahmen der 70. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Neurochirurgie (DGNC) wurden neue Erkenntnisse in der Therapie neurodegenerativer Erkrankungen wie Morbus Parkinson, Dystonie und Tremor präsentiert. Die Weiterentwicklung der Tiefen Hirnstimulation (THS) erweist sich als eine effiziente Behandlungsmethode – gerade auch, wenn die Wirkung der bewährten, individuell angepassten medikamentösen Therapie nach einigen Jahren nachlässt, was für die Betroffenen eine erhebliche körperliche Beeinträchtigung und große psychische Belastung bedeutet.
Anzeige:
Verbesserung der Lebensqualität mit THS

„Bei einer Vielzahl der Patienten sind die Wirkungsdauer und die Gleichmäßigkeit der Wirkung nach einigen Therapiejahren nicht mehr zuverlässig gegeben oder mit so ausgeprägten Nebenwirkungen verbunden, dass die Handlungsfähigkeit auch für einfache tägliche Abläufe und die Planbarkeit ihres Tagesprogramms stark gestört und teilweise unmöglich sind“, so Prof. Dr. med. Cordula Matthies, Würzburg. Für diese Patienten könne die THS enorme Verbesserungen ihrer kontinuierlichen Mobilität und Lebensqualität erreichen – zumal das Operationsverfahren in den letzten 10 Jahren soweit verfeinert werden konnte, dass gravierende Risiken wie Hirnblutungen oder Infektionen immer weniger wahrscheinlich geworden sind. Außerdem wurden die Konfiguration der Hirnelektroden und die Technologie der Hirnstimulatoren wesentlich weiterentwickelt, sodass die Erkrankungsregionen für den Einzelnen mit individuell angepassten Stimulationsprogrammen beeinflusst und Nebenwirkungen reduziert werden können.

3-dimensionale Kartierung der Stimulationseffekte

„In vielerlei Hinsicht stehen wir am Beginn weiterer positiver Entwicklungen dieser Therapiemethode“, betont Matthies. Eine wichtige Aufgabe bestehe in der Identifizierung der individuellen funktionellen Anatomie des einzelnen Patienten, um ein individuell geformtes elektrisches Feld an der am besten geeigneten Stelle im Gehirn zu applizieren. Mit Hilfe einer 3-dimensionalen Kartierung der Stimulationseffekte durch die kombinierte Analyse der Hirnschnittbilder in der Kernspintomographie und der Stimulationsverfahren sei es bereits teilweise gelungen, die bisherigen Patientendaten so auszuwerten, dass unter Anwendung mathematischer und physikalischer Modelle Rückschlüsse auf positive oder negative beeinflussende Stimulationsorte gezogen werden konnten, um sie dann von der Gesamtheit der Patienten auf den einzelnen zu operierenden Patienten zu übertragen.

Weiterentwicklung der Elektroden und der Stimulationsmuster

Eine weitere Aufgabe und große Chance liege in der technologischen Weiterentwicklung der Elektroden und der Stimulationsmuster, von denen günstigere Wirkweisen der Stimulation im Gehirn zu erwarten sind. „Die Erkenntnisse aus den bisherigen Untersuchungen weisen darauf hin, dass die jeweilige Erkrankung nicht auf einen einzelnen Punkt im Gehirn begrenzt ist, sondern Ausdruck eines gestörten Regelwerks verschiedener Netzwerke ist“, so Matthies. „Ein Fernziel bleibt dabei, neben der Beeinflussung der aktuellen Beweglichkeit des Patienten auch einen Effekt auf den
Krankheitsverlauf anzustreben. Dies kann nur gelingen, wenn wir durch die Mitarbeit der von uns operierten Patienten noch bessere Einsicht in die Funktionsweise der Hirn-Netzwerke gewinnen, die mit motorischen, emotionalen und kognitiven Anteilen an der Entstehung und Ausführung einer motorischen Bewegung beteiligt sind.“

Einsatzmöglichkeiten bei psychiatrischen und Demenz-Patienten

Neben der interdisziplinären Würzburger Arbeitsgruppe unter Beteiligung der Neurochirurgie, Neurologie, Psychiatrie und Neuroradiologie beschäftigen sich auch weitere Zentren intensiv mit der Frage, inwieweit durch THS Patienten bei weiteren Erkrankungen entscheidend geholfen werden kann. „Die eindrücklichen Erfolge bei Patienten mit Bewegungsstörungen haben Forscher und Kliniker ermutigt, das Therapieverfahren einerseits auch bei psychiatrischen Störungen wie Depressionen und Zwangserkrankungen sowie andererseits auch bei Einschränkungen der Hirnleistungsfähigkeit
mit Demenz-Entwicklung einzusetzen“, resümiert Matthies.

Möglicher Progressionsstopp bei Demenz im Frühstadium

Im sehr frühen Stadium bestimmter Demenz-Formen könnte durch THS möglicherweise das Voranschreiten der Krankheit aufgehalten werden: „Hierfür sprechen erste Ergebnisse sowohl von Studien der Arbeitsgruppe von Prof. Andres Lozano, Toronto, mit THS bei Alzheimer, als auch unserer Studie hier in Würzburg bei Patienten mit Parkinson-Demenz.“ Die Untersuchung aller Auswirkungen der Therapie im Rahmen kontrollierter Studien sei dabei die Grundlage für das Gewinnen neuer Erkenntnisse und Schlussfolgerungen, was medizinisch und ethisch hilfreich und sinnvoll sein kann.

Quelle: Deutsche Gesellschaft für Neurochirurgie


Das könnte Sie auch interessieren

Oft unerkannt: Frauenkrankheit Lipödem

Oft unerkannt: Frauenkrankheit Lipödem
© vanillya / fotolia.com

Etwa jede zehnte Frau in Deutschland leidet unter einem Lipödem, auch als Reiterhosenphänomen bekannt. Hierbei treten symmetrische schwammige Schwellungen an den Beinen und in 30 Prozent der Krankheitsfälle auch an den Armen auf. Die Ursache: eine Fettverteilungsstörung, die mit Wassereinlagerungen einhergeht. Lipödempatienten stehen aus mehreren Gründen unter einem sehr hohen Leidensdruck. Sie haben nicht nur sehr starke Berührungs- und Druckschmerzen, sondern auch Spannungsgefühle, sodass bereits einfache Tätigkeiten wie Haare föhnen oder...

Es ist mehr als nur eine Ausrede: Migräne am Arbeitsplatz

Es ist mehr als nur eine Ausrede: Migräne am Arbeitsplatz
© deagreez / fotolia.com

Mit starken Kopfschmerzen, Übelkeit, Licht- und Geräuschempfindlichkeit zur Arbeit? Für viele Migränepatienten ist das Alltag. Ein Großteil der 900.000 an Migräne leidenden Deutschen schleppt sich trotz starker Schmerzen zur Arbeit – aus Angst einen schlechten Eindruck bei Arbeitskollegen und Vorgesetzten zu hinterlassen. Denn wer über Kopfschmerzen klagt, trifft immer noch auf Vorurteile. Nicht selten wird Migräne belächelt und als Ausrede abgetan. Zum Tag der Arbeit berichten Migränepatienten und Nutzer der Kopfschmerz- und...

Grippewelle beginnt: DAK-Gesundheit schaltet Hotline

Grippewelle beginnt: DAK-Gesundheit schaltet Hotline
© Photographee.eu / Fotolia.com

Die Grippesaison hat begonnen: Laut aktueller Daten des Robert Koch-Instituts gibt es bereits einen leichten bundesweiten Anstieg von Erkrankungen. Bisher wurden 1.122 Fälle labordiagnostisch bestätigt und gemeldet(1) – die Zahl der tatsächlich Betroffenen ist deutlich höher. Influenza ist eine ernste Krankheit: Bei alten und chronisch kranken Menschen kann sie zum Tod führen. Deshalb bietet die DAK-Gesundheit eine Telefon-Hotline rund um die Grippe. Wie kann man vorbeugen? Für wen ist die Impfung sinnvoll? Welche Risiken gibt es? Wie unterscheidet sich...

Steigende Zahl älterer Menschen mit Diabetes Typ 1 und Typ 2

Steigende Zahl älterer Menschen mit Diabetes Typ 1 und Typ 2
© Robert Kneschke / Fotolia.com

Aktuell sind in Deutschland rund 17 Millionen Menschen älter als 65 Jahre. Die Zahl wird aufgrund der sich verändernden Altersstruktur auf voraussichtlich 22 Millionen im Jahr 2030 anwachsen. Die Anzahl der Hochbetagten (80 Jahre und älter) wird von derzeit vier Millionen auf sechs Millionen im Jahr 2030 ansteigen. Gleichzeitig erkranken immer mehr Menschen an Diabetes Typ 2, so dass Diabetologinnen und Diabetologen sowie Pflegende künftig viele geriatrische Patienten mit Diabetes versorgen werden: Es ist davon auszugehen, dass in Deutschland derzeit rund vier Millionen...

Sie können folgenden Inhalt einem Kollegen empfehlen:

"Tiefe Hirnstimulation: Weiterentwicklung bietet Chancen bei der Behandlung neurodegenerativer Erkrankungen "

Bitte tragen Sie auch die Absenderdaten vollständig ein, damit Sie der Empfänger erkennen kann.

Die mit (*) gekennzeichneten Angaben müssen eingetragen werden!

Die Verwendung Ihrer Daten für den Newsletter können Sie jederzeit mit Wirkung für die Zukunft gegenüber der rsmedia GmbH widersprechen ohne dass Kosten entstehen. Nutzen Sie hierfür etwaige Abmeldelinks im Newsletter oder schreiben Sie eine E-Mail an: info[at]rsmedia-verlag.de.


EILMELDUNGEN zu SARS-CoV-2 und COVID_19
  • Japans Regierungschef verhängt Ausnahmezustand – Japans Regierungschef Shinzo Abe hat wegen der Ausbreitung des Coronavirus den Notstand für Tokio und 6 weitere Provinzen ausgerufen. Ab morgen werden Schulen und andere Einrichtungen geschlossen. Die Behörden dürfen die Bürger anweisen, in ihren Häusern zu bleiben (dpa, 07.04.2020).
  • Japans Regierungschef verhängt Ausnahmezustand – Japans Regierungschef Shinzo Abe hat wegen der Ausbreitung des Coronavirus den Notstand für Tokio und 6 weitere Provinzen ausgerufen. Ab morgen werden Schulen und andere Einrichtungen geschlossen. Die Behörden dürfen die Bürger anweisen, in ihren Häusern zu bleiben (dpa, 07.04.2020).

Cookies

Diese Webseite benutzt Cookies, um den Nutzern das beste Webseiten-Erlebnis zu ermöglichen. Ausserdem werden teilweise auch Cookies von Diensten Dritter gesetzt. Weitere Informationen erhalten Sie in den Allgemeine Geschäftsbedingungen und in den Datenschutzrichtlinien.

Verstanden