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Medizin

19. Dezember 2019 Tofacitinib bei Colitis ulcerosa: Wann und für welche Patienten?

Die Häufigkeit der Colitis ulcerosa in westlichen Industrienationen steigt; etwa der Hälfte der Patienten benötigt Biologika. Jetzt wurde die S3-Leitlinie der DGVS (Deutsche Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten) zur Diagnostik und Therapie der chronisch-entzündlichen Darmerkrankung aktualisiert. Auf einer Presseveranstaltung des Herstellers Pfizer ordneten Experten den Stellenwert des JAK-Inhibitors Tofacitinib (Xeljanz®) ein.
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Fachinformation
Wie Prof. Dr. Torsten Kucharzik, Lüneburg, ausführte, sieht die DGVS in ihrer neuen Leitlinie Einsatzmöglichkeiten für Tofacitinib bei den komplizierten Verlaufsformen der Colitis ulcerosa, konkret bei Patienten mit mittelschwerer bis schwerer Colitits ulcerosa, die einen steroid-refraktären oder einen steroid-abhängigen Verlauf zeigen. Außerdem kann Tofacitinib laut DGVS bei Patienten mit primärem oder sekundärem Therapieversagen auf TNF-Antikörper eingesetzt werden. Schließlich wird der JAK-Inhibitor auch bei Patienten mit unkomplizierter Colitis ulcerosa und nicht ausreichendem Ansprechen auf eine Therapie mit Thiopurinen als eine mögliche Option aufgeführt. Kucharzik und auch Prof. Axel Dignaß, Frankfurt, stimmten überein, dass sie mit dem neuen Medikament zunächst noch vorsichtig umgehen es nicht als First-line-Biologikum einsetzen, sondern vielmehr bei Patienten, bei denen andere Therapien versagt haben. Auf diese Weise könnten wertvolle Erfahrungen gesammelt werden. Als Vorteile der Substanz nannte Dignaß den schnellen Wirkeintritt innerhalb weniger Tage sowie die Möglichkeit, dass die Therapie mit dem Small Molecule unterbrochen und später ohne Wirkverlust wieder aufgenommen werden kann.

Eine entscheidende Rolle spielt auch die Sicherheit: Hier hatte eine Untersuchung bei über 50-jährigen Patienten mit rheumatoider Arthritis und mindestens einem zusätzlichen kardiovaskulären Risikofaktor ergeben, dass unter der höheren Tofacitinib-Dosis von 10 mg 2x täglich das Risiko für Lungenembolien und Todesfälle höher war als unter Therapie mit einem TNF-alpha-Blocker. Laut einer im November 2019 veröffentlichten Stellungnahme des Ausschusses für Humanarzneimittel (CHMP) der europäischen Zulassungsbehörde EMA soll Tofacitinib daher generell bei allen Patienten mit hohem Risiko für Blutgerinnsel mit Vorsicht eingesetzt werden. Die Erhaltungsdosis von 10 mg 2x täglich soll nicht bei Patienten mit Colitis ulcerosa verwendet werden, die ein hohes Risiko für Blutgerinnsel haben, es sei denn, es gibt keine geeignete Behandlungsalternative. Schließlich sollen aufgrund des erhöhten Infektionsrisikos Patienten über 65 Jahre nur dann mit Tofacitinib behandelt werden, wenn es keine alternative Behandlung gibt. Wie Kucharzik erläuterte, bezieht sich letztere Warnung vor allem auf die beobachtete Reaktivierung von Herpes-Viren, der mit einer Impfung gegen Herpes zoster begegnet werden könne. Das Risiko für Thrombembolien müsse man im Auge behalten.

Dr. rer. nat. Anne Benckendorff

Quelle: Fachpressegespräch „Tofacitinib bei Colitis ulcerosa: Einzug des JAK-Inhibitors in die neue S3-Leitlinie der DGVS“, 10. Dezember 2019, Frankfurt am Main; Veranstalter: Pfizer


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