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Medizin

12. September 2018 Topische Psoriasis-Behandlung: Auf die Galenik kommt es an

Bei der topischen Therapie von Patienten mit Psoriasis vulgaris spielen nicht nur die Wirkstoffe eine Rolle, sondern auch deren Galenik (1). Das wurde bei einem Seminar im Rahmen der 26. Fortbildungswoche für praktische Dermatologie und Venerologie (FOBI) in München deutlich. Eine besondere Galenik weist Enstilar® Sprühschaum auf, der die Fixkombination aus Calcipotriol und Betamethason Dipropionat enthält (2). Diese Galenik ermöglicht eine stärkere Hautpenetration und führt – wie eine klinische Studie belegt – zu einer signifikant besseren Wirksamkeit im Vergleich zur wirkstoffgleichen Salbe (3,4). Aktuelle Praxisdaten bestätigen zudem eine hohe Zufriedenheit von Ärzten und Patienten mit dem Sprühschaum (5). Vermehrt gibt es auch gute Erfahrung mit der Anwendung von Enstilar auf der Kopfhaut. Patienten mit einer Psoriasis capitis leiden ungemein unter starkem Jucken (Pruritus). Auch hier kann Enstilar Abhilfe schaffen (6).
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Fachinformation
„Das Neueste in der topischen Psoriasis-Behandlung ist nach wie vor der Sprühschaum mit der Fixkombination aus Calcipotriol und Betamethason Dipropionat“, betonte Prof. Dr. Matthias Augustin, Hamburg, auf die Frage nach therapeutischen topischen Innovationen. „Dabei handelt es sich nicht einfach nur um eine neue Darreichungsform der bekannten Inhaltsstoffe. Vielmehr werden die Wirkstoffe auch auf eine ganz andere Weise vermittelt“, erläuterte er. „Das schlägt sich in einer verbesserten Wirkstärke gegenüber anderen Formulierungen nieder – sie ist sogar höher als wir erwartet hatten.“

Sprühschaum ist effektiver als die Salbe

Der Dermatologe bezog sich dabei auf eine Studie von Koo et al., in der 376 Psoriasis-Patienten auf die Lokaltherapie mit Calcipotriol/Betamethason Dipropionat in 2 Applikationsformen (Enstilar Sprühschaum vs. Daivobet® Salbe) randomisiert wurden. In 2 weiteren Studienarmen wurden Sprühschaum bzw. Salbe als wirkstofffreie Vehikel mitgeführt. Primärer Endpunkt waren der Therapieerfolg am Körper nach 4 Wochen (gemessen mittels Physician’s Global Assessment, PGA) sowie die absolute Veränderung des modified Psoriasis Area and Severity Index am Körper (mPASI). Das Ergebnis: 54,6% der mit Enstilar behandelten Patienten erreichten den vordefinierten Behandlungserfolg in Woche 4; bei den Daivobet Salben-Patienten betrug dieser Anteil 43,0%. Der Vorteil für den Sprühschaum war signifikant mit p=0,025 (3). Die Entwicklung des mPASI untermauert diesen Befund: Er wurde durch die 1x tägliche Anwendung des Sprühschaums auf einen mittleren Wert von 1,82 reduziert (ursprünglich 7,0), mit der Salbe lediglich auf 2,46 (ursprünglich 6,7) (p=0,005). Eine Verbesserung des mPASI um ≥ 75% erreichten 50,4% vs. 40,7% der Patienten. Die Verträglichkeit der Behandlung war in den beiden Verumarmen vergleichbar gut (3).

Erste Daten aus der täglichen Praxis
 
Eine aktuelle nicht-interventionelle Beobachtungsstudie zeigt eine hohe Zufriedenheit von Ärzten und Patienten mit der Sprühschaum-Therapie im Praxisalltag. In die offene, prospektive Studie waren 410 erwachsene Patienten aus 87 deutschen Therapiezentren eingeschlossen; die Mehrheit hatte zu Studienbeginn eine mittelschwere (50%) oder schwere Psoriasis (8%) (4). Die Vortherapie der eingeschlossenen Patienten bestand zu 80,2% aus Topika (70,5% topische Steroide und 36,1% Vitamin D3-Analoga), 15,6% erhielten eine systemische Vortherapie. Ohne jegliche Vortherapie waren 17,3% der Patienten.

Nach der vierwöchigen Behandlung mit Enstilar bewerteten die Ärzte bei fast jedem zweiten Patienten (49,5%) die Haut als „erscheinungsfrei“ oder „fast erscheinungsfrei“. Das war eine statistisch signifikante Verbesserung gegenüber Therapiebeginn (p<0,001). Auch die Patienten selbst berichteten über eine deutliche Linderung ihrer Symptome, die schon in der ersten Behandlungswoche einsetzte. Die meisten beschrieben den Schaum als „sehr“ oder „ziemlich“ kühlend (71,1%), jucklindernd (59,4%), hautberuhigend (66,5%) und einfach anwendbar (88,6%). Fast alle Patienten (94,8%) waren mit der Verträglichkeit des Schaums „sehr zufrieden“ oder „zufrieden“. Die Lebensqualität stieg signifikant an (5).
 
Wirkstoffe nur im Sprühschaum vollständig gelöst und supersaturiert

Ein Grund für den stärkeren Effekt des Sprühschaums ist seine besondere Galenik: Nach dem Auftragen auf die Haut verdunsten die Treibmittel rasch und vollständig. Die Wirkstoffe liegen dann in supersaturierter (übersättigter) Konzentration auf der Haut und können diese leichter penetrieren, wie in Studien gezeigt wurde. So gelangen bei Anwendung von Enstilar durch Diffusion mehr Wirkstoffe in die Haut, als dies mit Salbe oder Gel möglich wäre. Darüber hinaus wird eine Kristallbildung der Wirkstoffe – wie vor allem in der Salbe beobachtet – im Sprühschaum vermieden; hier sind beide Wirkstoffe vollständig gelöst (4).
 
Enstilar: Effektive Wirkung auch an der Kopfhaut

Bei bis zu 79% der Psoriasis-Patienten ist auch die Kopfhaut beteiligt. Läsionen in diesem Bereich jucken stark und sind nur schwer zu verbergen und beeinträchtigen die Lebensqualität im Besonderen (7). Generell ist es möglich, Enstilar auch auf betroffener Kopfhaut anzuwenden. Das Auftragen wird hier erleichtert, wenn zunächst Hautschuppen durch Kämmen des Haares entfernt werden. Das Haar sollte dann gescheitelt und eine adäquate Dosierung entsprechend Größe und Dicke der Plaques beachtet werden. Die betroffenen Areale sollten abends vor dem Schlafengehen mit Enstilar behandelt werden, sodass die Haare am nächsten Morgen bei Bedarf gewaschen werden können. Die Wirksamkeit einer Enstilar-Therapie bei psoriatischen Läsionen am Kopf wurde in einer Studie von Lebwohl et al. untersucht: Im direkten Vergleich von Enstilar mit einem Betamethason- oder Calcipotriol-Sprühschaum erreichten bereits nach einer Woche 26% der Patienten einen Behandlungserfolg mit Enstilar. Die Fixkombination war damit signifikant wirksamer als der Betamethason- oder der Calcipotriol-Sprühschaum (14% bzw. 8%; p=0,016 bzw. p>0,001) (8). Der Sprühschaum hinterlässt nach dem Einreiben einen leichten Film, der unter Umständen in den Haaren als fettig empfunden werden kann. In diesem Fall sollte weniger Schaum aufgetragen werden, indem der Sprühkopf kürzer betätigt wird (1 statt 2 Sekunden).

Quelle: Leo

Literatur:

(1) Wohlrab J et al. J Dtsch Dermatol Ges 2018;16(3):376-392.
(2) Fachinformation Enstilar®, Stand: Mai 2016.
(3) Koo J et al. J Dermatolog Treat 2016;27(2):120-127.
(4) Lind M et al. Dermatol Ther 2016;6:413-425.
(5) Gerdes S et al. Dermatology 2018; doi:10.1159/000486700 [Epub ahead of print]
(6) Blome C et al. Arch Dermatol Res 2016;308(2):69-78.
(7) Schlager JG et al. Cochrane Database of Systematic Reviews 2016;2:CD009687. doi:10.1002/14651858.CD009687.pub2.
(8) Lebwohl M et al. J Clin Aesthet Dermatol 2016;9(2):34-41.


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