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Medizin

26. März 2020 Trendwende in der Corona-Krise: Politik sucht nach alternativen Lösungswegen

Die massiven Eingriffe in das öffentliche und private Leben der deutschen Bundesbürger als Reaktion auf die Corona-Pandemie können nicht über einen längeren Zeitraum erfolgen – vor allem nicht in Hinblick auf die freiheitlich-demokratische Grundordnung Deutschlands, die Wirtschaft und die psychischen Folgen für die Bevölkerung. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn will daher zeitnah ein Konzept für einen Weg aus den massiven Alltagseinschränkungen wegen der Corona-Krise erarbeiten. „Die Frage, wie wir diesen Krisenmodus wieder verlassen, wird jeden Tag wichtiger“, sagte der CDU-Politiker. Es gehe darum, öffentliches Leben in Zeiten der Epidemie wieder möglich zu machen. „Bis spätestens Ostern will ich darauf eine gute Antwort geben können.“ Dabei müsse auch über neue Lösungswege nachgedacht werden.
 
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Spahn erläuterte: „Ich denke an Beschleunigen und Bremsen, an eine sorgfältige Balance zwischen Eigenverantwortung und staatlicher Kontrolle.“ Das Virus sei da, und es werde bleiben. „Vielleicht müssen wir uns darauf einstellen, dass es über Wochen bestimmte Ausgangsbeschränkungen immer mal wieder und zeitlich begrenzt geben wird, je nachdem, wie sich das Virus regional ausbreitet.“

Schutz Älterer und chronisch Kranker ermöglicht normalen Alltag

Gebraucht würden zudem Konzepte, die speziell auf Ältere und chronisch Kranke zugeschnitten seien. „Wenn wir sie schützen, können wir gleichzeitig an anderen Stellen wieder normales Alltagsleben ermöglichen. Wir werden die Älteren also möglicherweise über mehrere Monate bitten müssen, ihre Kontakte stark einzuschränken und im Zweifel zu Hause zu bleiben.“ Dafür wären dann aber auch solidarische Lösungen zu finden, die Betroffene unterstützen, Versorgung und soziales Miteinander über neue Kanäle zu organisieren.

Frage der Verhältnismäßigkeit

Spahn betonte, die Einschränkungen mögen jetzt noch breit mitgetragen werden. „Aber wir müssen uns die Frage der Verhältnismäßigkeit immer wieder neu stellen.“ In einem freiheitlichen Rechtsstaat würden diese Einschränkungen auf Dauer nicht hingenommen. Wer nach Auswegen suche, komme auch um eine digitale Nachverfolgung von Kontakten nicht herum. Auch wenn Spahn betonte, ein solches Handy-Tracking müsse zeitlich auf den absoluten Krisenfall einer Pandemie begrenzt und an strikte Bedingungen geknüpft sein, üben Datenschützer und Oppositionspolitiker heftige Kritik. Eine solche Maßnahme sei ein „Blankoscheck“ zur Überwachung und zudem ein unververhältnismäßiger Eingriff in die Grundrechte. Auch Andrea Herrmann und Bernhard C. Witt von der Gesellschaft für Informatik warnten, „dass einmal begründet herbeigeführte Einschränkungen sukzessive, ebenfalls jeweils wohlbegründet, ausgeweitet werden.“ Auch stellt sich die Frage nach der Nützlichkeit – die Nähe zu einer anderen Person alleine lässt den Rückschluss auf ein Infektionsrisiko nicht zu.

Schrittweise Aufhebung der Beschränkungen

Auch Kanzleramtschef Helge Braun spricht sich für eine schrittweise Lockerung der bestehenden Einschränkungen aus. Nach Brauns Aussage will die Bundesregierung die strengen Kontaktbeschränkungen zunächst für junge und gesunde Menschen wieder lockern. Der CDU-Politiker sagte am Mittwoch in der Social-Media-App Jodel: „Die nächste Phase lautet natürlich: Junge Menschen, die nicht zu den Risikogruppen gehören, dürfen wieder mehr auf die Straße.“ Aktuell hänge viel davon ab, ob die Infektionskurve mit den beschlossenen Maßnahmen flach gehalten werden könne. „Das zeigt sich in den nächsten 2 Wochen“, sagte Braun. Dann könne man hoffentlich auch die Frage nach einem Ende der Einschränkungen beantworten.

Quelle: dpa


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