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Medizin

03. Mai 2013 Typ-2-Diabetes: Bedeutung der Glukosetriade - Nüchternblutzucker, postprandialer Blutzucker und HbA1c

Für ein erfolgreiches Diabetesmanagement ist die richtige Einstellung der Blutzuckerwerte besonders wichtig. Die Leitlinie der International Diabetes Federation (IDF) empfiehlt, den Nüchternblutzucker (NBZ), den postprandialen Blutzucker (PBZ) und den Langzeitblutzucker (HbA1c) zu kontrollieren (1). Die Gesamtheit dieser drei Werte wird als Glukosetriade bezeichnet und dient bei Typ-2-Diabetes zur Überprüfung der individuellen Wirksamkeit der Therapie (2).

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Ziel der Diabetestherapie ist die Vermeidung von Komorbiditäten und damit eine Verbesserung der Lebensqualität, was durch normnahe Blutzuckerwerte, einen HbA1c < 6,5% und eine Normalisierung des Körpergewichts unter Vermeidung von Hypoglykämien erreichbar ist (3). Eine optimierte antihyperglykämische Therapie kann langfristig mikro- und makrovaskulären Komplikationen vorbeugen und somit die Mortalität senken (4). So sank in der UKPD-Studie bei neu diagnostizierten Typ-2-Diabetikern das Risiko für einen Myokardinfarkt, die Haupttodesursache bei Typ-2-Diabetikern, um 14% je Prozentpunkt der HbA1c-Reduktion (5).

HbA1c - glykiertes Hämoglobin: Goldstandard zur Therapiekontrolle

Normalwert: < 5,7%
Grenzbereich: 5,7 - 6,4%
Diabeteserkrankung: ≥ 6,5%(6)
• Glykohämoglobin entsteht durch die irreversible Bindung von Glukose an das Hämoglobin (Hb) der Erythrozyten: Je mehr Glukose sich im Blut befindet, desto mehr HbA1c wird gebildet (7).
• Die Lebensdauer der Erythrozyten beträgt ca. 17 Wochen. Der Langzeit-HbA1c-Wert spiegelt die durchschnittliche Glukosekonzentration der vergangenen 8-10 Wochen wieder (7).
• Zwischen dem HbA1c und mikro- sowie makrovaskulären Komplikationen besteht ein direkter Zusammenhang. Häufige mikrovaskuläre Komplikationen sind Retino-, Nephro- und Neuropathien (Nerven) (8, 9).
• Andere mögliche Ursachen für hohe oder niedrige Werte müssen ausgeschlossen werden (6).

Der Nüchternblutzucker (NBZ)

Normalwert: < 100 mg/dl
Grenzbereich: 100-125 mg/dl
Diabeteserkrankung: ≥ 126 mg/dl (6, 8-10)
• Der NBZ wird vor der ersten Mahlzeit bzw. acht Stunden nach der letzten Mahlzeit bestimmt (8).
• Bei einem Wert zwischen 100-125 mg/dl wird ein oraler Glukosetoleranztest (OGTT) empfohlen (9).

Der postprandiale Blutzucker (PBZ)

Normalwert: < 140 mg/dl
Grenzbereich: 140-199 mg/dl
Diabeteserkrankung: ≥ 200 mg/dl (6, 8-10)
• Der PBZ wird meistens zwei Stunden nach einer Mahlzeit bestimmt (1).
• Postprandiale Hyperglykämien kommen schon in der Frühphase eines Typ-2-Diabetes vor (1).
• Postprandiale Blutzuckerspitzen sind schädlich für die Gefäße. Daher korreliert der PBZ eher mit diabetischen Spätschäden und kardiovaskulären Komplikationen als der NBZ (1, 11).

Feststellung der Erkrankung durch Messung aller drei Parameter der Glukosetriade

Zusätzlich zur Bestimmung des HbA1c ist der orale Glukosetoleranztest (OGTT) ein gängiger Test für die Feststellung von Diabetes. Bei diesem wird nach Messung des NBZ eine Nahrungsaufnahme imitiert: Der Proband nimmt 75 g in Wasser gelöste Glukose auf nüchternen Magen ein und nach zwei Stunden werden PBZ-Messungen durchgeführt (6). Ein Diabetes mellitus liegt vor,
• wenn der NBZ ≥ 126 mg/dl,
• wenn der 2-Stunden-PBZ beim OGTT ≥ 200 mg/dl beträgt,
• wenn der HbA1c ≥ 6,5% ist (6, 9).
Eine suffiziente Blutzuckerkontrolle, die alle drei Parameter der Glukosetriade bestehend aus Nüchternblutzucker, postprandialem Blutzucker und HbA1c umfasst, ist ein integraler Bestandteil der Therapie und trägt wesentlich zum Erfolg bei (11). Ein ideales Antidiabetikum sollte in der Lage sein, alle drei Parameter der Glukosetriade signifikant zu senken.

Positive Wirkung von Saxagliptin auf die Glukosetriade

Wird der HbA1c-Zielwert von < 6,5% durch Diät, Bewegung und Metformin-Therapie nach drei bis sechs Monaten nicht erreicht, empfiehlt die Leitlinie zur Behandlung des Diabetes mellitus Typ 2 von der Deutschen Diabetes Gesellschaft eine frühe Kombination von zwei oralen Antidiabetika (OAD) (4). Der DPP-4-Inhibitor Saxagliptin führte zu einer klinisch relevanten Verbesserung aller drei Parameter der Glukosetriade im Vergleich zu Placebo, in der Kombination mit Metformin, Sulfonylharnstoff, Glitazon und Insulin (mit oder ohne Metformin), ohne das Risiko für Hypoglykämien und Gewichtszunahme zu erhöhen (12-16). Er bietet damit eine Therapieoption für erwachsene Patienten, die nach drei bis sechs Monaten Monotherapie mit Metformin ihr HbA1c- Ziel nicht erreicht haben (4, 15, 16).

Literaturhinweise:
(1) International Diabetes Federation. Guideline for Management of Postmeal Glucose. 2007. www.idf.org
(2) Monnier L et al. Continuous Glucose Monitoring in Diabetes. Diabetes, Stoffwechsel und Herz: Supplement 1, 2008:17-22
(3) Matthaei S et al. Behandlung des Diabetes Mellitus Typ 2. Diabetologie und Stoffwechsel: Supplement Praxisempfehlungen der Deutschen Diabetes Gesellschaft. 2011;6:131-136
(4) Matthaei et al. Medikamentöse antihyperglykämische Therapie des Diabetes mellitus Typ 2: Update der Evidenzbasierten Leitlinie der Deutschen Diabetes-Gesellschaft. Diabetologie 2009;4:32-64
(5) Stratton IM et al. Association of glycaemia with macrovascular and microvascular complications of type 2 diabetes (UKPDS 35): prospective observational study. BMJ 2000;321:405-412
(6) Kerner W, Brückel J Definition, Klassifikation und Diagnostik des Diabetes mellitus. Supplement Praxisempfehlungen der Deutschen Diabetes-Gesellschaft. Diabetologie 2011;6:107-110
(7) Bob A, Bob K (Hrsg.) Duale Reihe: Innere Medizin, 2. Auflage. Thieme Verlag 2009:671
(8) Baenkler HW et al. Kurzlehrbuch Innere Medizin. Georg Thieme Verlag, 2007;372-379
(9) American Diabetes Association. Diagnosis and Classification of Diabetes mellitus. Diabetes Care 2011, 34(Suppl.1):62-69
(10) Garber AJ et al. Diagnosis and management of prediabetes in the continuum of hyperglycemia: When do the risks of diabetes begin? A consensus statement from the American College of Endocrinology and the American Association of Clinical Endocrinologists. Endocr Pract 2008;14(7):933-936
(11) Hanefeld M. Postprandial hyperglycaemia: noxious effects on the vessel wall. Int J Clin Pract Suppl. 2002(129): 45-50
(12) Chacra AR et al. Saxagliptin added to a submaximal dose of sulphonylurea improves glycaemic control compared with uptitration of sulphonylurea in patients with type 2 diabetes: a randomised controlled trial. Int J Clin Pract 2009;63(9):1395-1406
(13) Hollander P et al.Saxagliptin Added to a Thiazolidinedione Improves Glycemic Control in Patients with Type 2 Diabetes and Inadequate Control on Thiozolidinedione Alone. J Clin Endocrinol Metab 2009;94(12):4810-4819
(14) Barnett AH et al. Effect of saxagliptin as add-on therapy in patients with poorly controlled type 2 diabetes on insulin alone or insulin combined with metformin. Curr Med Res Opin 2012;28(4):513–523
(15) Fachinformation Onglyza®; Dezember 2011
(16) Fachinformation Komboglyze®; Oktober 2012

Quelle: BMS, AstraZeneca


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