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Medizin

18. Juni 2019 Typ-2-Diabetes: Basalinsulin nach Versagen oraler Antidiabetika

Wenn bei Patienten mit Typ-2-Diabetes eine Veränderung des Lebensstils und orale Antidiabetika (OAD) alleine nicht mehr ausreichen, um individuelle Therapieziele zu erreichen, kann der Einsatz eines Basalinsulins in Erwägung gezogen werden (1). Wie die Hypoglykämierate bei neu auf ein Basalinsulin eingestellten Patienten mit Typ-2-Diabetes möglichst gering gehalten werden kann, erörterten Experten anlässlich des Kongresses der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG) in Berlin.
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Im Fokus stand das Basalinsulin Insulin degludec (Tresiba®), das in Studien eine geringere Hypoglykämierate im Vergleich zu Insulin glargin 100 E/ml bei bestimmten Patientenpopulationen mit Typ-2-Diabetes gezeigt hatte (2-5).

Risikoreduktion von Hypoglykämien

„Das Risiko von Hypoglykämien möglichst gering zu halten, ist seit jeher ein erklärtes Ziel in der Weiterentwicklung von Basalinsulinen. Mit Insulin degludec sind wir diesem Ziel aus meiner Sicht ein Stück näher gekommen“, erklärte Prof. Dr. Sebastian Schmid, Lübeck. Möglich wird dies durch die spezifische Pharmakokinetik. Nach der subkutanen Injektion bildet Insulin degludec lösliche Multihexamere. Es entsteht ein Depot, aus dem langsam und gleichmäßig Insulin degludec-Monomere in den Blutkreislauf resorbiert werden (2). Daraus resultiert eine flache und stabile blutzuckersenkende Wirkung. Im Steady State, der nach 2 bis 3 Tagen der Anwendung erreicht wird, zeigt die blutzuckersenkende Wirkung von Insulin degludec eine rund 4-mal niedrigere tägliche Variabilität im Vergleich zu Insulin glargin 100 E/ml und auch 300 E/ml (6,7). „Diese Eigenschaft erscheint günstig, zumal eine geringere glykämische Variabilität Einfluss auf die Entstehung von Hypoglykämien haben kann“, kommentierte Schmid aktuelle Studiendaten (8). Die Wirkdauer von Insulin degludec liegt im therapeutischen Dosierungsbereich bei über 42 Stunden (2). „Durch das flache Wirkprofil und die lange Wirkdauer kann bei Bedarf der Injektionszeitpunkt von Insulin degludec variiert werden, was die Anwendung für die Patienten erleichtert“, so Schmid. Zwischen 2 Injektionen müssen immer mindestens 8 Stunden liegen (2).

Reduzierung der Hypoglykämierate in DEVOTE Studie

Studienergebnisse bieten weitere Daten zu Vorteilen des Basalinsulins Insulin degludec: In der kardiovaskulären Endpunktstudie DEVOTE3 wurden zwei Basalinsulin-Analoga bei Menschen mit Typ-2-Diabetes und einem erhöhten Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse verglichen. Die kardiovaskuläre Sicherheit von Insulin degludec wurde bestätigt. Die Rate schwerer Hypoglykämien war zudem unter Insulin degludec im Vergleich zu Insulin glargin 100 E/ml signifikant um 40% und die Rate schwerer nächtlicher Hypoglykämien um 53% geringer (jeweils p<0,001) – bei vergleichbarer glykämischer Kontrolle.

Hypoglykämien und Mortalität

Eine hohe Variabilität des Nüchternblutzuckers von Tag zu Tag war laut einer sekundären Analyse der DEVOTE Studie signifikant assoziiert mit einem höheren Risiko für das Auftreten schwerer Hypoglykämien, so Schmid (9). Bei Patienten mit einer schweren Hypoglykämie konnte in einer weiteren sekundären Analyse der DEVOTE Studie wiederum im Vergleich zu Patienten ohne schwere Hypoglykämien eine erhöhte Mortalität jeglicher Ursache festgestellt werden (10).

„Die Wirksamkeit und Sicherheit von Insulin degludec bei Menschen mit Typ-2-Diabetes, die erstmals auf ein Basalinsulin eingestellt wurden, wurde schon zuvor in der Treat-to-Target-Studie BEGIN ONCE LONG untersucht“, erläuterte Schmid. Mit oralen Antidiabetika vorbehandelte Patienten mit Typ-2-Diabetes erhielten zusätzlich entweder Insulin degludec oder Insulin glargin 100 E/ml einmal täglich (11). Zum Ende der 104-wöchigen gesamten Studienphase reduzierte Insulin degludec im Vergleich zu Insulin glargin 100 E/ml die Rate nächtlicher Hypoglykämien signifikant (-43%, estimated rate ratio: 0,57 (0,40–0,81), p=0,002) (4).

Therapiewahl in der Praxis

„Wie die Praxis zeigt, befürchten viele Patienten durch eine Insulintherapie Einschränkungen in Alltag und Beruf“, berichtete Prof. Dr. Werner Kern, Ulm. „Bei der Therapieausweitung mit einem Basalinsulin ist es wichtig, eventuelle Ängste der Patienten ernst zu nehmen und sie gezielt aufzuklären. Hier kann es hilfreich sein, die Insulintherapie von vornherein nicht als letzte Option darzustellen, sondern als einen wichtigen Therapiebaustein zu definieren“, erklärte Kern. Eine weitere Hürde bei Patienten kann die Angst vor Hypoglykämien sein. Ein wichtiges Therapieziel ist daher auch die Vermeidung von schweren Hypoglykämien (1). „Entsprechend sollte – wird eine Insulintherapie notwendig – ein Basalinsulin mit einem möglichst geringen Hypoglykämierisiko angewendet werden. Hier ist Insulin degludec für mich eine vielversprechende Therapieoption, die sich aufgrund der bei Bedarf flexiblen Anwendung gut in den Alltag vieler Patienten integrieren lässt“, so Kern.

Quelle: NovoNordisk

Literatur:

(1) Landgraf R et al. Diabetologie 2018; 13 (Suppl 2): 144-165.
(2) Fachinformation Tresiba®, aktueller Stand.
(3) Marso SP et al. N Engl J Med 2017; 377: 723-732.
(4) Rodbard HW et al., Diabet Med 2013; 30: 1298-1304.
(5) Wysham C et al. JAMA 2017; 318: 45-56.
(6) Heise T et al. Diabetes Obes Metab 2012; 14: 859-864.
(7) Heise T et al. Diabetes Obes Metab 2017; 19: 1032-1039.
(8) De Vries JH et al. Diabetes Obes Metab 2019; 21: 622-630.
(9) Zinman B et al. Diabetologia 2018; 61: 48-57.
(10) Pieber TR et al. Diabetologia 2018; 61: 58-65.
(11) Zinman B et al. Diabetes Care 2012; 35: 2464-2471.


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