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Medizin

04. Februar 2019 Typ-2-Diabetes: Früherkennung von kardiovaskulären Risiken

Im Vergleich zu Stoffwechselgesunden mit einer Herzgefäßerkrankung entwickelt sich bei Diabetes-Patienten eine Atherosklerose meist deutlich ausgeprägter und geht mit einer schnelleren Progression einher (1). Für die Prognose von Menschen mit Typ-2-Diabetes ist es daher entscheidend, Herz-Kreislauf-Risiken so früh wie möglich zu erkennen und zu behandeln.
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Der GLP-1 Rezeptor-Agonist (RA) Liraglutid (Victoza®) verknüpft eine effektive Stoffwechselkontrolle mit reduziertem HbA1c und Gewicht mit einer kardiovaskulären (CV) Risikoreduktion (2) und kann damit eine zentrale Rolle im Rahmen eines multifaktoriellen Therapieansatzes bei Typ-2-Diabetes spielen. Was das konkret für die Therapieentscheidung in der Praxis bedeutet und wie aktuelle Entwicklungen hier den evidenz-basierten Rahmen abstecken, erörterten Prof. Dr. Stephan Jacob, Villingen-Schwenningen, und Dr. Martin Grundner, Hainburg, bei einer Pressekonferenz von Novo Nordisk in Frankfurt am Main.

Senkung des kardiovaskulären Risikos

„Kardiovaskuläre Endpunktstudien (CVOT) (3-8) markieren einen Wendepunkt in der Therapie des Typ-2-Diabetes. Inzwischen gibt es umfassende Evidenz, die eine Therapie in den Fokus rückt, die nachweislich das kardiovaskuläre Risiko senken kann“, machte Prof. Jacob deutlich. Eine wegbereitende Rolle könnte hierbei Liraglutid einnehmen: Als erster GLP-1 Rezeptor-Agonist (RA) konnte Liraglutid in der LEADER Studie (8) eine Prävention von schweren kardiovaskulären Ereignissen bei Patienten mit Typ-2-Diabetes und hohem CV-Risiko bestätigen (2). „Bei der zukünftigen Therapiegestaltung zählt ein frühzeitiges Management der mikro- und makrovaskulären Aspekte eines Typ 2 Diabetes“, führte Prof. Jacob aus. „Wir bewegen uns weg von einer Fokussierung auf glykämische Parameter hin zu einer multifaktoriell orientierten Therapie mit kardiovaskulärem Fokus.“

Dass die Beachtung des CV-Risikos mehr und mehr Einzug in die Therapiestrategien bei Typ-2-Diabetes hält, spiegelt sich in aktuellen Empfehlungen auf internationaler (9-11) und nationaler (12) Ebene wider: „Der ADA-EASD Consensus Report (9) macht den CV-Status des Patientend zu einem zentralen Entscheidungskriterium für die weitere Behandlung der Stoffwechselerkrankung“, erklärt Dr. Grundner. „Neu ist auch die Empfehlung einer Therapieeskalation auf Substanzen mit erwiesener CV-Risikoreduktion sowie verringerter Mortalität unabhängig von der erreichten HbA1c-Einstellung.“

Kardiovaskuläre Prävention

An erster Stelle der Evidenz-Gewichtung der GLP-1 RA steht dabei Liraglutid. In der LEADER-Studie (8) konnte Liraglutid bei Patienten mit Typ-2-Diabetes und hohem kardiovaskulärem Risiko das Risiko für schwere kardiovaskuläre Ereignisse (MACE) um insgesamt 13% (p = 0,01) gegenüber Placebo (jeweils kombiniert mit einer Standardtherapie) reduzieren (8). Zusätzlich waren die Gesamtmortalität und das Risiko für kardiovaskuläre Todesfälle signifikant um 15% (p = 0,02) bzw. 22% (p = 0,007) verringert (8). Wie eine Subgruppen-Analyse der LEADER-Studie zeigt, konnte die kardiovaskuläre Risikoreduktion zudem unabhängig von der Gabe einer Insulintherapie nachgewiesen werden (13). Auch die Nieren profitierten, wie eine präspezifizierte Analyse der Studie zeigte: Durch die zusätzliche Gabe von Liraglutid verlängerte sich die Zeit bis zum ersten renalen Ereignis gegenüber der alleinigen Standardtherapie signifikant (Hazard Ratio 0,78; 95%-KI 0,67–0,92; p=0,003) (14).

Komorbiditäten entscheidend

„Für die spätere Prognose und den Erhalt der Lebensqualität des an Typ-2-Diabetes Erkrankten spielt die Beachtung von Komorbiditäten eine entscheidende Rolle“, so Dr. Grundner. Auch im ADA-EASD Consensus Report (9) wird die Wichtigkeit eines individuellen, patientenorientierten, multifaktoriell ausgerichteten Therapiemanagements bei Typ-2-Diabetes hervorgehoben. Die Basis hierbei bildet eine gründliche Anamnese, die individuelle Besonderheiten erfasst und regelmäßig im Behandlungsverlauf überprüft wird. „Dabei ist der Austausch der beteiligten Fachgruppen von großer Relevanz“, betonte Dr. Grundner. „Durch eine interdisziplinäre Zusammenarbeit von Diabetologen, Kardiologen und Nephrologen kann die Behandlung von Patienten mit hohem kardiovaskulärem bzw. renalem Risiko bestmöglich und vor allem rechtzeitig erfolgen.“

„Es ist an der Zeit, die Empfehlungen der Fachgesellschaften in der Praxis zu realisieren und dem Typ-2-Diabetes mit einem multifaktoriellen Therapiekonzept zu begegnen“, schloss Prof. Jacob.

Quelle: Novo Nordisk

Literatur:

(1) Nicholls SJ et al. J Am Coll Cardiol 2008; 52: 255-262.
(2) Fachinformation Victoza®, aktueller Stand.
(3) Green JB et al. N Engl J Med 2015; 373: 232-242.
(4) Scirica BM et al. N Engl J Med 2013; 369: 1317-1326.
(5) White WB et al. N Engl J Med 2013; 369: 1327-1335.
(6) Zinman B et al. N Engl J Med 2015; 373: 2117-2128.
(7) Mahaffey KW et al. Circulation 2018; 137: 323-334.
(8) Marso SP et al. N Engl J Med 2016; 375: 311-322.
(9) Davies MJ et al. Diabetes Care 2018; 41: 2669-2701.
(10) Das SR et al. J Am Coll Cardiol 2018; 72: 3200-3223.
(11) ADA Diabetes Care 2019;42(Suppl. 1): S115-S123.
(12) Landgraf R et al. Diabetologie 2018;13(Suppl. 2): S144-S165.
(13) Tack CJ et al.: ADA 2018, Poster #438.
(14) Mann JFE et al. N Engl J Med 2017; 377: 839-848.


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