Dienstag, 10. Dezember 2019
Navigation öffnen
Anzeige:

Medizin

22. September 2019 Typ-2-Diabetes: Insulin degludec vermindert Risikofaktor für Hypoglykämien

Auf dem 55. Jahrestreffen der European Association for the Study of Diabetes (EASD) wurden erstmals Daten der Studie CONCLUDE vorgestellt. In der Treat-to-Target Studie wurden Wirksamkeit und Sicherheit von Insulin degludec (Tresiba®) und Insulin glargin 300 E/ml bei mit Insulin vorbehandelten Menschen mit Typ-2-Diabetes verglichen, die mindestens einen Risikofaktor für Hypoglykämien aufwiesen (1). Obwohl das primäre Studienziel der Überlegenheit hinsichtlich der Anzahl hypoglykämischer Ereignisse insgesamt in der Erhaltungsphase (primärer Endpunkt) nicht erreicht wurde, zeigte sich ein Trend zugunsten von Insulin degludec gegenüber Insulin glargin 300 E/ml (1). Die sekundären Endpunkte zu hypoglykämischen Ereignissen zeigten einen statistisch signifikanten Unterschied zugunsten von Insulin degludec vs. Insulin glargin 300 E/ml. Insbesondere die Zahl nächtlicher schwerer oder bestätigter symptomatischer Hypoglykämien sowie die Zahl schwerer Hypoglykämien waren unter Insulin degludec gegenüber Insulin glargin 300 E/ml in der Erhaltungsphase statistisch signifikant geringer (1).
Hohe Belastung für Patienten und Angehörige

„Hypoglykämien sind eine sehr häufige Nebenwirkung der Insulintherapie“, so Prof. Thomas Pieber, Graz. „Sie können für Menschen mit Diabetes selbst sehr belastend sein, aber auch die Angehörigen der Patienten sind mitbetroffen.“ Wie eine aktuelle Umfrage unter 4.300 Familienangehörigen von Menschen mit Diabetes zeigte, sorgen sich 64% der Befragten um ihre Angehörigen in Bezug auf Hypoglykämien (2). 74% der Teilnehmer der Umfrage gaben dabei sogar an, weniger oder keine Zeit mehr für ihre Freizeitaktivitäten zu haben, weil sie ihren Angehörigen helfen müssen, mit Hypoglykämien zurecht zu kommen (2). „Das Risiko für Hypoglykämien sollte bei einer Insulintherapie möglichst gering gehalten werden. Deshalb spielt in der Praxis die Wahl des Basalinsulins eine wichtige Rolle. Mit der Studie CONCLUDE liegen uns jetzt neue Ergebnisse zu Insulin degludec in Bezug auf Hypoglykämien vor“, so Pieber.

CONCLUDE-Studie

Die CONCLUDE-Studie ist eine randomisierte, kontrollierte, multizentrische, offene, klinische Treat-to-Target Studie zum Vergleich der Wirksamkeit und Sicherheit von Insulin degludec mit Insulin glargin 300 E/ml bei Insulin-erfahrenen Erwachsenen mit Typ-2-Diabetes (HbA1c ≤ 9,5%, BMI ≤ 45 kg/m2), die mindestens einen Risikofaktor für Hypoglykämien aufwiesen (1). Insgesamt wurden 1.609 Patienten in die Studie eingeschlossen und 1:1 auf 2 Studienarme randomisiert. Sie erhielten entweder einmal täglich Insulin degludec ± OAD (Orale Antidiabetika) oder einmal täglich Insulin glargin 300 E/ml ± OAD für eine Behandlungsdauer von bis zu 88 Wochen (1).

Statistisch signifikante Unterschiede bei sekundären Hypoglykämie-Endpunkten beobachtet

„Primärer Endpunkt der Studie war die Rate schwerer oder bestätigter symptomatischer Hypoglykämien während der 36-wöchigen Erhaltungsphase (1) – also die Rate der Hypoglykämien insgesamt“, so Pieber. Es zeigte sich ein Trend zu weniger Ereignissen unter Insulin degludec gegenüber Insulin glargin 300 E/ml (RR: 0,88; 95%-KI: 0,73; 1,06) (1). Eine statistisch signifikante Überlegenheit von Insulin degludec zu Insulin glargin 300 E/ml konnte jedoch nicht gezeigt werden, der primäre Endpunkt wurde damit nicht erreicht (1). „Bei der Zahl nächtlicher schwerer oder bestätigter symptomatischer Hypoglykämien in der Erhaltungsphase zeigte CONCLUDE einen statistisch signifikanten Unterschied zugunsten von Insulin degludec im Vergleich zu Insulin glargin 300 E/ml“, erläuterte Pieber. Unter Insulin degludec ergab sich bei diesem sekundären Studienendpunkt eine um 37% geringere Rate an hypoglykämischen Ereignissen gegenüber Insulin glargin 300 E/ml (RR: 0,63; 95%-KI: 0,48; 0,84) (1). Ebenso war auch die Rate schwerer Hypoglykämien während der Erhaltungsphase bei den mit Insulin degludec behandelten Patienten statistisch signifikant geringer im Vergleich zu Insulin glargin 300 E/ml – mit einer statistisch signifikant um 80% geringeren Rate an schweren hypoglykämischen Ereignissen (RR: 0,2; 95%-KI: 0,07; 0,57) (1). Zudem konnten unter Insulin degludec im Vergleich zu Insulin glargin stärkere HbA1c-Reduktionen beobachtet werden, worauf eine Post-hoc-Analyse hinweist (ETD: -0,10%; 95%-KI: -0,18; -0,02) (1).

Wirksamkeit und Sicherheit unter Insulin degludec

Die Wirkdauer von Insulin degludec liegt im therapeutischen Dosierungsbereich bei über 42 Stunden (3). „In der Praxis können Patienten durch das flache Wirkprofil und die lange Wirkdauer von Insulin degludec nach meiner Ansicht profitieren, da diese ihnen eine große Flexibilität beim Injektionszeitpunkt erlauben. Wichtig ist aber, dass mindestens 8 Stunden zwischen den Injektionen liegen müssen“, so Pieber.
In der Gesamtschau klinischer Studien zu Insulin degludec in verschiedenen Patientenpopulationen mit Typ-2-Diabetes im Vergleich zu Insulin glargin 100 E/ml zeigte sich, dass Insulin degludec bei vergleichbarer glykämischer Kontrolle helfen kann, Hypoglykämien zu reduzieren (4). Die CONCLUDE Studie bietet nun darüber hinaus klinische Daten zu einem Vergleich von Insulin degludec mit Insulin glargin 300 E/ml bei mit Insulin vorbehandelten Erwachsenen mit Typ-2-Diabetes und mindestens einem Risikofaktor für Hypoglykämien, die trotz des Nichterreichens des primären Studienziels Hinweise auf die Reduktion bestimmter hypoglykämischer Ereignisse geben.

Über Insulin degludec

Insulin degludec ist ein lang wirksames Basalinsulin, das zur Behandlung des Diabetes mellitus bei Erwachsenen mit Typ-1- oder Typ-2-Diabetes sowie zur Behandlung des Diabetes mellitus bei Jugendlichen und Kindern ab dem Alter von 1 Jahr zugelassen ist. Es wird einmal täglich angewendet. Insulin degludec verfügt über eine flache und stabile blutzuckersenkende Wirkung, die über 42 Stunden hinaus im therapeutischen Dosierungsbereich liegt (3). In einer klinischen, multizentrischen kardiovaskulären Endpunktstudie mit 7.637 Teilnehmern (DEVOTE Studie) mit Typ-2-Diabetes mit hohem kardiovaskulären Risiko wurde die kardiovaskuläre Sicherheit von Insulin degludec bestätigt. Zudem zeigte sich eine 40%-ige Reduktion der Rate schwerer Hypoglykämien im Vergleich zu Insulin glargin 100 E/ml bei vergleichbarer glykämischer Einstellung (4).

Quelle: NovoNordisk

Literatur:

(1) Philis-Tsimikas A et al. Reduced risk of hypoglycaemia and lower HbA1c with degludec compared to glargine U300 in insulin-treated patients with type 2 diabetes, EASD 2019.
(2) Harris SB et al. Family members: the forgotten players in the diabetes care team (The TALK-HYPO Study), Diabetes Ther, https://doi.org/10.1007/s13300-019-00687-y (zuletzt aufgerufen am 10.09.2019).
(3) Fachinformation Tresiba®, aktueller Stand.
(4) Marso SP et al. N Engl J Med 2017; 377: 723-732.


Das könnte Sie auch interessieren

17. Patientenforum Lunge in Stuttgart

17. Patientenforum Lunge in Stuttgart
© adimas / Fotolia.com

Am 25. März veranstaltet der Lungeninformationsdienst zusammen mit dem Deutschen Zentrum für Lungenforschung in Stuttgart sein 17. Patientenforum Lunge. Das Thema: „Aktuelles zu klinischen Studien in der Lungenforschung – Wie nützen sie den Patienten?“ Erstmals findet die Veranstaltung im Rahmen des Jahreskongresses der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin statt. Ein weiterer Kooperationspartner ist der Deutsche Lungentag.

Mit Online-Selbsthilfe von Selfapy Wege aus der Trauer finden

Mit Online-Selbsthilfe von Selfapy Wege aus der Trauer finden
© DREIDREIEINS Foto / Fotolia.com

Der Verlust eines geliebten Menschen – ganz gleich ob unvermittelt oder nach einem schweren Leidensweg – reißt Hinterbliebenen den Boden unter den Füßen weg. Nicht selten wird der Schmerz zur unerträglichen Belastung, die Trauer nimmt überhand und ein Gefühl von Hoffnungslosigkeit und Leere stellt sich ein, während der Alltag unerträglich wird. Das Online Selbsthilfe Portal Selfapy nimmt sich der Hilflosigkeit Betroffener an und zeigt Wege aus dem Kummer auf. Individuelle Kursangebote und das Erlernen spezieller Bewältigungsmechanismen helfen...

Wissen ist das beste Beruhigungsmittel – Das Blog zur Migräne- und Kopfschmerz-App M-sense

Wissen ist das beste Beruhigungsmittel – Das Blog zur Migräne- und Kopfschmerz-App M-sense
© Newsenselab GmbH

Nur wer die wesentlichen Vorgänge von Migräne- und Kopfschmerz-Attacken in seinem Körper versteht, erlangt genug Orientierung und Kompetenz im Umgang mit seiner Krankheit. Darum haben wir von der Migräne und Kopfschmerz-App M-sense ein Blog gestartet, in dem wir unsere Expertise teilen und diskutieren: von aktuellen Studien bis zur weiterführenden Link-Sammlung, von Erfahrungen, Rückschlägen und Hilfe. Doch vor allem möchten wir hier Wissen, Kompetenz und Verständnis vermitteln. Die M-sense-Nutzer sollen ebenfalls zu Wort kommen,...

Herzrhythmusstörungen: Wann Herzstolpern gefährlich wird

Herzrhythmusstörungen: Wann Herzstolpern gefährlich wird
© psdesign1 - stock.adobe.com

Schlägt das Herz unregelmäßig und „stolpert“, sprechen Herzmediziner von Palpitationen. Das Stolperherz umfasst verschiedene Herzrhythmusstörungen, die ohne Vorwarnung auftreten können. Schlägt das Herz plötzlich anders als gewohnt, wird das von den meisten als beängstigend empfunden. „Ist mein Herz in Gefahr?“, fragen sich Betroffene, wenn kräftiges Herzklopfen, Herzrasen oder Aussetzer des Herzschlags wie aus dem Nichts kommen. „Herzstolpern beschreibt das unangenehme Wahrnehmen des Herzschlags, der...

Sie können folgenden Inhalt einem Kollegen empfehlen:

"Typ-2-Diabetes: Insulin degludec vermindert Risikofaktor für Hypoglykämien"

Bitte tragen Sie auch die Absenderdaten vollständig ein, damit Sie der Empfänger erkennen kann.

Die mit (*) gekennzeichneten Angaben müssen eingetragen werden!

Die Verwendung Ihrer Daten für den Newsletter können Sie jederzeit mit Wirkung für die Zukunft gegenüber der rsmedia GmbH widersprechen ohne dass Kosten entstehen. Nutzen Sie hierfür etwaige Abmeldelinks im Newsletter oder schreiben Sie eine E-Mail an: info[at]rsmedia-verlag.de.