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Medizin

20. Mai 2019 Typ-2-Diabetes: Lebensstilintervention und Bariatrische Chirurgie in der Diskussion

Weltweit leiden rund 425 Millionen Erwachsene an Diabetes mellitus. 95% der rund 7 Millionen Menschen mit Diabetes in Deutschland sind an einem Typ-2-Diabetes erkrankt. Hochrechnungen aus den Daten der gesetzlichen Krankenversicherung lassen eine Zunahme um mehr als 50% innerhalb der nächsten 20 Jahre erwarten. Forschende des Deutschen Diabetes Zentrums (DDZ) in Düsseldorf und des Robert Koch-Instituts (RKI) in Berlin prognostizieren, dass im Jahr 2040 bis zu 12 Millionen Menschen in Deutschland von Typ-2-Diabetes betroffen sein könnten. Bereits jetzt werden hierzulande 12% der Gesundheitsausgaben für die Behandlung der Stoffwechselerkrankung aufgewendet.
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Prävention, Remission und Heilung?

Angesichts dieser steigenden Zahlen diskutieren Experten international neben Maßnahmen zur Diabetes-Prävention auch die Möglichkeiten zur Remission oder gar Heilung. In der Vorab-Pressekonferenz zum Diabetes Kongress am Donnerstag, den 23. Mai 2019, stellt Kongresspräsident Prof. Dr. Michael Roden aktuelle Aspekte dazu vor. Vom 29. Mai bis 1. Juni 2019 bilden sich rund 7000 Ärzte, Wissenschaftler und nichtärztliche Mitglieder des Diabetes-Behandlungsteams im Rahmen der 54. Jahrestagung der DDG in Berlin fort.

Medikamentenverzicht vielleicht möglich

„Bis vor kurzem wurde der Typ-2-Diabetes als eine chronisch fortschreitende Erkrankung angesehen, die aufgrund einer zunehmend versagenden Insulinproduktion letztlich lebenslang mit Medikamenten bzw. Insulin behandelt werden muss“, erklärt Roden. „Während die Insulintherapie für den Typ-1-Diabetes lebenslang erforderlich ist, gibt es aber nun zunehmend Hinweise, dass sowohl Lebensstilinterventionen als auch Bariatrische Chirurgie den Verzicht auf Medikamente bei Typ-2-Diabetes ermöglichen können.“

Formula-Nahrung und Bariatrische Chirurgie

Ergebnisse der britischen DiRECT-Studie zeigten, dass eine mittels Formula-Nahrung stark kalorienreduzierte Kost und die damit vebundene deutliche Gewichtsabnahme eine Remission des Typ-2-Diabetes ermöglichen könnten: An der Studie nahmen 298 übergewichtige Patienten teil. Der Hälfte gelang es, ihren Blutglukosewerte wieder zu normalisieren und auf Medikamente zu verzichten. Je mehr sie abnahmen, desto größer war der Behandlungserfolg: Bei Patienten, die mehr als 15 Kilogramm verloren, kam es bei etwa 85% zu einer Diabetes-Remission. „Studienleiter Professor Roy Taylor von Universität Newcastle-Upon-Tyne wird auf dem Diabetes Kongress sein strukturiertes Gewichtsreduktionsprogramm darstellen“, berichtet Roden. „Dabei werden wir auch diskutieren, warum sich nach 2 Jahren nur mehr etwa ein Drittel der Teilnehmer noch in Remission befanden und wie kosteneffizient das Programm ist“. Eine andere zunehmend häufige angewandte Strategie ist die Bariatrische Chirurgie, deren Erfolge bei Typ-2-Diabetes Professor Francesco Rubino vom Kings College London erörtern wird. Derzeit sind der Magen-Bypass und die Sleeve-Gastrektomie sehr erfolgreiche Operationsmethoden, mittels denen bei stark übergewichtigen Betroffenen eine Normalisierung der Blutglukosedwerte erreicht werden kann. Bei beiden Operationstechniken wird der Magen verkleinert, beim Magen-Bypass zudem noch ein Teil des Dünndarms „ausgeschaltet“.

Eine Remission ist allerdings nicht gleichbedeutend mit einer Heilung. „Remission ist definiert als nichtdiabetischer Zustand ohne glukosesenkende Medikamente – dieser kann eventuell nur vorübergehend sein“, betont Roden, der auch Direktor der Klinik für Endokrinologie und Diabetologie am Universitätsklinikums Düsseldorf ist. „Entscheidend für den Vergleich der verschiedenen Interventionen werden die langfristigen Erfolge und vor allem die Verhinderung beziehungsweise Verringerung von Diabetes-bedingten Folgeerkrankungen und Komplikationen sein.“ Das Symposium „Curing diabetes – dream or reality” findet im Rahmen des Diabetes Kongresses am Freitag, den 31. Mai 2019 statt. Alle Informationen zum Diabetes Kongress 2019 sind im Internet unter www.diabeteskongress.de zu finden.

Quelle: Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG)


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