Donnerstag, 25. April 2019
Navigation öffnen

Medizin

10. April 2019 Typ-2-Diabetes: Paradigmenwechsel in den neuen Leitlinien

Bei den aktuellen internationalen Leitlinien zum Typ-2-Diabetes hat ein Paradigmenwechsel stattgefunden. Erstmalig werden nach Metformin und Lebensstiländerung ganz konkrete Empfehlungen zur Therapiewahl bei bestimmten Risikogruppen gegeben. Dabei steht nicht mehr der HbA1C-Wert im Vordergrund, sondern die Prognose der Patienten.
Anzeige:
Fachinformation
Grundlage der neuen Empfehlungen sind Studien, die erstmals nach langer Zeit wieder Prognoseverbesserungen bei Patienten mit Typ-2-Diabetes gezeigt haben. So wurde für den subkutan zu verabreichenden GLP-2-Rezeptor-Agonisten Liraglutid bei Patienten mit Typ-2-Diabetes und erhöhtem kardiovaskulären Risiko eine signifikante Reduktion des kombinierten Endpunkts aus kardiovaskulärem Tod, Myokardinfarkt und Schlaganfall gezeigt (1), berichtete Prof Dr. Helmut Schühlen von der Abteilung für Innere Medizin am Vivantes Auguste-Viktoria-Klinikum in Berlin.

Empagliflozin reduziert Sterblichkeit

Der SGLT2-Inhibitor Empagliflozin (Jardiance®) ist das einzige orale Antidiabetikum, für das eine Prognoseverbesserung belegt wurde.  In der EMPA-REG Outcome Studie (2) wurden ebenfalls Patienten mit erhöhtem kardiovaskulärem Risiko behandelt  – auch hier zeigte sich im Vergleich zu Placebo eine deutliche Reduktion des kombinierten Endpunkts von kardiovaskulären Tod, Myokardinfarkt und Schlaganfall. Das Risiko für einen kardiovaskulären Tod wurde um rund ein Drittel gesenkt, die Gesamtsterblichkeit um etwa 30%. Darüber hinaus zeigte sich ein deutlich besserer Erhalt der Nierenfunktion sowie eine Reduktion der Krankenhausaufenthalte aufgrund Herzinsuffizienz, berichtete Schühlen.

Therapieempfehlungen in neuen Leitlinien

In den neuen internationalen Leitlinien wurde dieser veränderten Studienlage jetzt Rechnung getragen, wie Prof. Dr. Matthias Weber von der I. Medizinischen Klinik und Poliklinik der Universitätsmedizin der Johannes Gutenberg-Universität Mainz erläuterte. Wenn der HbA1C nach Lebensstilmodifikation und Metformin nicht im Zielbereich liegt, werden jetzt konkrete Therapieempfehlungen gegeben. Sind bei dem Patienten arteriosklerotische Vorerkrankungen wie KHK bekannt, sollten sie als Therapie der ersten Wahl entweder Liraglutid oder Empagliflozin erhalten. Stehen Herzinsuffizienz oder chronische Niereninsuffizienz im Vordergrund, wird an erster Stelle die Gabe von Empagliflozin empfohlen – bei Unverträglichkeit oder Kontraindikationen Liraglutid. Auch wenn der HbA1C-Wert bei diesen Risikopatienten schon mit anderen Medikamenten einschließlich Insulin im Zielbereich ist, wird eine Umstellung auf diese prognoserelevanten Medikamente empfohlen, erklärte Weber (2).

Der therapeutische Zusatznutzen von Empagliflozin bei Typ-2-Diabetikern mit Gefäßerkrankungen wurde anerkannt und die Verschreibung des Medikaments gilt in jeder KV ohne zusätzlichen Antrag als Praxisbesonderheit.

 

Maria Weiß

Quelle: Pressegespräch „Innovationen in der Diabetestherapie – Jardiance® richtungsweisend in seiner Disziplin“, 02.04.2019, Berlin; unterstützt von: Lilly und Boehringer Ingelheim

Literatur:

(1) Clagetti B et al; Circulation (2018); 138: 1599-160.
(2) Davies MJ et al; Diabetes Care (2018); 41(12): 2669-2701.


Das könnte Sie auch interessieren

Oft unerkannt: Frauenkrankheit Lipödem

Oft unerkannt: Frauenkrankheit Lipödem
© vanillya / fotolia.com

Etwa jede zehnte Frau in Deutschland leidet unter einem Lipödem, auch als Reiterhosenphänomen bekannt. Hierbei treten symmetrische schwammige Schwellungen an den Beinen und in 30 Prozent der Krankheitsfälle auch an den Armen auf. Die Ursache: eine Fettverteilungsstörung, die mit Wassereinlagerungen einhergeht. Lipödempatienten stehen aus mehreren Gründen unter einem sehr hohen Leidensdruck. Sie haben nicht nur sehr starke Berührungs- und Druckschmerzen, sondern auch Spannungsgefühle, sodass bereits einfache Tätigkeiten wie Haare föhnen oder...

Jeder vierte Patient erhält die Diagnose bereits als Kind

Jeder vierte Patient erhält die Diagnose bereits als Kind
© magicmine / Fotolia.com

„In Deutschland sind etwa 400.000 Menschen von den chronisch entzündlichen Darmerkrankungen (CED) Morbus Crohn und Colitis ulcerosa betroffen“, sagt der CED-Experte der niedergelassenen Magen-Darm-Ärzte, PD Dr. Bernd Bokemeyer. „Die Diagnose wird bei etwa einem Viertel der Patienten schon vor dem 18. Lebensjahr gestellt. Ein Viertel dieser erkrankten Jugendlichen hat seine Diagnose sogar schon vor dem zehnten Lebensjahr erhalten.“  

Weltnierentag 2017: Übergewicht geht an die Nieren!

Weltnierentag 2017: Übergewicht geht an die Nieren!
© pixologic / Fotolia.com

Am 09. März ist Weltnierentag: Ziel des weltweiten Aktionstags ist es, die Prävention von Nierenerkrankungen in den Vordergrund zu stellen. Derzeit sind über 100.000 Menschen in Deutschland auf ein Nierenersatzverfahren - Dialyse oder Transplantation – angewiesen. Ein Nierenversagen kann grundsätzlich jeden treffen, besonders gefährdet sind allerdings Menschen mit Übergewicht. Die Zahl der durch Übergewicht verursachten Nierengewebsschäden hat sich in den vergangenen 30 Jahren bereits verzehnfacht!

Sie können folgenden Inhalt einem Kollegen empfehlen:

"Typ-2-Diabetes: Paradigmenwechsel in den neuen Leitlinien "

Bitte tragen Sie auch die Absenderdaten vollständig ein, damit Sie der Empfänger erkennen kann.

Die mit (*) gekennzeichneten Angaben müssen eingetragen werden!

Die Verwendung Ihrer Daten für den Newsletter können Sie jederzeit mit Wirkung für die Zukunft gegenüber der rsmedia GmbH widersprechen ohne dass Kosten entstehen. Nutzen Sie hierfür etwaige Abmeldelinks im Newsletter oder schreiben Sie eine E-Mail an: info[at]rsmedia-verlag.de.