Montag, 14. Oktober 2019
Navigation öffnen
Anzeige:

Medizin

14. August 2019 Typ-2-Diabetes: Stärkere HbA1c-Senkung unter Sitagliptin bei geriatrischen Patienten

Bei Typ-2-Diabetikern ≥ 65 Jahre mit leicht eingeschränkter Nierenfunktion senkte der zusätzlich zur Standardtherapie gegebene DPP-4-Hemmer Sitagliptin den HbA1c-Wert im Vergleich zum Ausgangswert stärker als der SGLT-2-Hemmer Dapagliflozin. Unter Sitagliptin erreichten auch mehr Patienten den HbA1c-Zielwert von < 7,0%. Dies zeigten die Ergebnisse eine Post-hoc-Analyse der CompoSIT-R-Studie, die kürzlich auf der Jahrestagung der American Diabetes Association in San Francisco vorgestellt wurde (1).
Anzeige:
Komorbidität: Eingeschränkte Nierenfunktion

Ein Diabetes mellitus Typ 2 tritt meist bei älteren Patienten auf, in den USA sind beispielsweise rund 45% der Typ-2-Diabetiker 65 Jahre oder älter. Fast die Hälfte dieser Patienten (48%) weist eine leichte Einschränkung der Nierenfunktion mit einer errechneten glomerulären Filtrationsrate zwischen ≥ 60 und < 90 ml/min pro 1,73 m² auf.

Die CompoSIT-R-Studie

In die CompoSIT-R-Studie waren über 25 Jahre alte Patienten mit Typ-2-Diabetes aufgenommen worden, die eine eGFR zwischen ≥ 60 und < 90 mg/ml pro 1,73 m² hatten und deren HbA1c-Wert unter einer Therapie mit Metformin allein oder in Kombination mit Sulfonylharnstoff nicht ausreichend kontrolliert werden konnte (HbA1c-Wert ≥ 7,0 bis ≤ 9,5%). Randomisiert erhielten sie zusätzlich zu ihrer bisherigen Therapie doppelblind über 24 Wochen Sitagliptin (100 mg/Tag; n=307) oder Dapagliflozin (5 mg/Tag, nach 4 Wochen 10 mg/Tag; n=306). Im primären Wirksamkeitsendpunkt der Studie war Sitagliptin (JANUVIA®) nach 24 Wochen signifikant besser als Dapagliflozin: Es senkte den HbA1c-Wert im Mittel (LS=Least Squares) im Vergleich zum Ausgangswert um 0,51 Prozentpunkte, während er unter Dapagliflozin um 0,36 Prozentpunkte abnahm. Der Unterschied von 0,15 Prozentpunkten war statistisch signifikant (p=0,006) (2).

Sitagliptin und Dapagliflozin bei älteren Patienten

Post hoc wurden nun die Daten aller randomisierten Teilnehmer der CompoSIT-R-Studie analysiert, die 65 Jahre oder älter waren. Dies waren 210 Teilnehmer (110 Männer, 100 Frauen) aus der Sitagliptin- und 200 Teilnehmer (119 Männer, 81 Frauen) aus der Dapagliflozin-Gruppe. Das Durchschnittsalter betrug rund 72 Jahre, der mittlere HbA1c-Ausgangswert lag bei 7,7%, die mittleren eGFR bei 79,2 bzw. 76,4 ml/min pro 1,73 m².
Nach 24 Wochen Therapie war der HbA1c-Wert in der Sitagliptin-Gruppe um 0,48 Prozentpunkte und in der Dapagliflozin-Gruppe um 0,36 Prozentpunkte im Vergleich zum Ausgangswert gesunken. Sitagliptin senkte den HbA1c-Wert im Vergleich zu Dapagliflozin um 0,12 Prozentpunkte stärker. Mit Sitagliptin erreichten 79 von 210 Patienten (41,1%) den HbA1c-Zielwert unter 7,0%, mit Dapagliflozin waren es 49 von 200 Patienten (28,2%).
Sitagliptin und Dapagliflozin wurden im Allgemeinen gut vertragen. Die Hypoglykämie-Rate war in beiden Gruppen ähnlich. In der Dapagliflozin-Gruppe kam es häufiger zu therapiebedingten Harnwegsinfektionen und Pilzinfektionen im Genitalbereich.

Fazit

Die Post-hoc-Analyse zeigte für Sitagliptin und Dapagliflozin bei älteren Typ-2-Diabetikern (≥ 65 Jahre) mit leichter Einschränkung der Nierenfunktion ähnliche Ergebnisse wie in der Gesamtgruppe der Patienten der CompoSIT-R-Studie: Die Behandlung mit Sitagliptin zusätzlich zur Standardtherapie senkte den HbA1c-Wert stärker als die zusätzliche Therapie mit Dapagliflozin – bei vergleichbarer Verträglichkeit beider Therapien.

Quelle: MSD

Literatur:

(1) Raji A, et al. Efficacy and safety of sitagliptin compared with dapagliflozin in people ≥ 65 years old with type-2-diabetes. Jahrestagung der American Diabetes Association, San Francisco, 7.-11. Juni 2019, Poster 1119-P https://plan.core-apps.com/tristar_ada19/abstract/b0c39592a407008776cc26b72d704320.
(2)  Scott R, et al. A randomized clinical trial of the efficacy and safety of sitagliptin compared with dapagliflozin in patients with type 2 diabetes mellitus and mild renal insufficiency: The CompoSIT-R study. Diabetes Obes Metab. 2018; 2876-2884.


Das könnte Sie auch interessieren

12. Diabetes Herbsttagung der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG) 34. Jahrestagung der Deutschen Adipositas-Gesellschaft (DAG)

12. Diabetes Herbsttagung der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG)  34. Jahrestagung der Deutschen Adipositas-Gesellschaft (DAG)
© Racle Fotodesign / fotolia.com

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt, pro Woche mindestens 2,5 Stunden an mäßig anstrengender Ausdaueraktivität sowie an mindestens zwei Tagen in der Woche muskelkräftigende Aktivitäten auszuführen. Laut Daten des Robert Koch-Instituts erreicht nur etwa ein Fünftel der Frauen (20,5%) und ein Viertel der Männer (24,7%) in Deutschland beide Empfehlungen. Mehr als die Hälfte der erwachsenen Bevölkerung bewegt sich weniger als 2,5 Stunden pro Woche (1). Doch regelmäßige Bewegung schützt nicht nur vor Übergewicht...

Röntgeninstitut plant Mammografie mit audiovisueller Erlebniswelt

Röntgeninstitut plant Mammografie mit audiovisueller Erlebniswelt
© serhiibobyk - stock.adobe.com

Brustkrebs ist mit etwa 70.000 Neuerkrankungen im Jahr die häufigste onkologische Erkrankung bei Frauen. Daher wird der einst von der „American Cancer Society“ ausgerufene Internationale Brustkrebstag am 1. Oktober weltweit zum Anlass genommen, anhand von Informations- und Aufklärungskampagnen Aufmerksamkeit auf die Erkrankung zu lenken und speziell das Thema Vorsorge ins Bewusstsein der Bevölkerung zu rücken. „Werden bösartige Tumoren frühzeitig entdeckt, sind die Heilungschancen von Brustkrebs äußerst gut“, weiß Dr....

Pilotprojekt: Stuhlkarten-Screening mit einfacher Farbkarte

Pilotprojekt: Stuhlkarten-Screening mit einfacher Farbkarte
© jolopes / Fotolia.com

Genial einfach: Anfang Dezember 2016 wurden 100.000 so genannte Stuhlkarten zur Früherkennung der Gallengangatresie an alle stationären niedersächsischen Geburtskliniken verschickt und dort von Kinderärzten, Gynäkologen und Hebammen in das „Gelbe Heft“ eingelegt. „Dieses Projekt ist ein wunderbares Beispiel dafür, wie mit einfachen Mitteln und ohne großen technischen Aufwand ein maximaler Erfolg erzielt werden kann. Mit übersichtlich gestalteten Karten wird es Eltern leicht gemacht, sich über die Gesundheit ihres neugeborenen...

Rauchen ist Hauptursache für chronische Lungenkrankheit, die nicht heilbar ist

Rauchen ist Hauptursache für chronische Lungenkrankheit, die nicht heilbar ist
© Eric Limon / Fotolia.com

COPD – diese vier Buchstaben stehen für eine chronische Lungenkrankheit (chronic obstructive pulmonary disease). Sie stehen gleichzeitig auch für die weltweite Nummer Drei unter den Todesursachen. Bei 90 Prozent aller Fälle hierzulande ist die Hauptursache ziemlich klar bestimmt: das Rauchen. Zum Welt-COPD-Tag am 15. November weist Prof. Hubert Wirtz, Leiter der Abteilung für Pneumologie am UKL, auf unangenehme Wahrheiten rund um diese Krankheit hin: "COPD verkürzt die Lebenserwartung. Es ist nicht heilbar."

Sie können folgenden Inhalt einem Kollegen empfehlen:

"Typ-2-Diabetes: Stärkere HbA1c-Senkung unter Sitagliptin bei geriatrischen Patienten "

Bitte tragen Sie auch die Absenderdaten vollständig ein, damit Sie der Empfänger erkennen kann.

Die mit (*) gekennzeichneten Angaben müssen eingetragen werden!

Die Verwendung Ihrer Daten für den Newsletter können Sie jederzeit mit Wirkung für die Zukunft gegenüber der rsmedia GmbH widersprechen ohne dass Kosten entstehen. Nutzen Sie hierfür etwaige Abmeldelinks im Newsletter oder schreiben Sie eine E-Mail an: info[at]rsmedia-verlag.de.