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Medizin

12. Februar 2020 Typ-2-Diabetes: Neuer langwirksamer GLP-1-Rezeptoragonist in Deutschland verfügbar

Seit 15. Januar 2020 ist der neue GLP(Glucagon-like Peptide 1)-Rezeptoragonist (GLP-1-RA) Semaglutid (Ozempic®) in Deutschland verschreibungsfähig. Nur einmal pro Woche müssen sich Patienten mit Typ-2-Diabetes das GLP-1-Analogon injizieren. Neben dem Blutzuckerspiegel senkt es effektiver das Körpergewicht als andere Therapieoptionen. Zusätzlich ist es der einzige GLP-1-RA mit einem durch den Gemeinsamen Bundesausschuss (1) anerkannten Zusatznutzen bei Patienten mit erhöhtem kardiovaskulärem Risiko.
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Zugelassen ist Semaglutid zur Behandlung von Erwachsenen, deren Typ-2-Diabetes trotz Diät und Bewegung nicht ausreichend eingestellt ist. Als Monotherapie kommt es infrage, wenn Patienten das Diabetesmedikament Metformin nicht vertragen, ansonsten kann es zusätzlich zu anderen Diabetes-Arzneimitteln angewendet werden (2).

Vorteilhaft für Patienten mit Herzerkrankungen oder kardiovaskulären Risikofaktoren

Besonders von Semaglutid profitieren Patienten mit hohem kardiovaskulärem Risiko, was sich in der Studie SUSTAIN 6 gezeigt hat (3). In der Nichtunterlegenheitsstudie erhielten 3.297 Typ-2-Diabetes-Patienten zusätzlich zur Standardbehandlung einmal wöchentlich Semaglutid oder Placebo. „Nach durchschnittlich 2,1 Jahren sind in der Placebogruppe 8,9% schwere kardiovaskuläre Ereignisse aufgetreten, während es in der Sematglutidgruppe 6,6% waren. Das entspricht einer absoluten Risikoreduktion von 2,3%“, erklärte Prof. Dr. Jens Arberle, Hamburg-Eppendorf, auf einer Pressekonferenz zum Launch der neuen Substanz. „Der Effekt war nicht nur sichtbar, wenn Patienten schon eine kardiovaskuläre Erkrankung hatten, sondern auch, wenn sie nur kardiovaskuläre Risikofaktoren aufwiesen“, ergänzte der Diabetologe.

Aktualisierte Leitlinien

Diese Daten führten dazu, dass der Gemeinsame Bundesausschuss im Frühjahr 2019 einen Zusatznutzen für Patienten mit kardiovaskulärem Risiko anerkannte. Inzwischen sind ebenso einige Leitlinien entsprechend aktualisiert, unter anderem der aktuelle Konsensusreport der „American Diabetes Association“ und der „European Association for the Study of Diabetes“ (4). „Bei Patienten mit hohem kardiovaskulärem Risiko bleibt Metformin zwar First-Line-Therapie, aber GLP-1-RA oder SGLT2 (Sodium dependent glucose co-transporter 2)-Inhibitoren können gleich hinzugegeben werden, und zwar unabhängig vom HbA1c-Wert“, sagte Aberle. Patienten mit atheriosklerotischer kardiovaskulärer Erkrankung sollen laut Konsensusreport vorzugsweise GLP-1-RA vor SGLT2-Inhibitoren und Semaglutid vor den anderen GLP-1-RA bekommen.

Patienten verlieren deutlich an Gewicht

Die SUSTAIN-6-Studie ist nur ein Teil eines ganzen Studienprogramms, in dem Semaglutid mit anderen Therapiemöglichkeiten verglichen wurde. „Semaglutid ist in allen Untersuchungen effizienter in Bezug auf die HbA1c-Wert-Reduktion und ganz ausgeprägt in Bezug auf die Reduktion des Körpergewichtes“, fasste Aberle zusammen. „Die SUSTAIN-7-Studie (5) ist besonders interessant, weil darin die 2 Medikamente miteinander verglichen werden, die einmal wöchentlich zu applizieren sind: der häufig verschriebene GLP-1-RA Dulaglutid und Semaglutid“, sagte Aberle. 79% der zuvor auf Metformin eingestellten Patienten erreichten mit Semaglutid (1 mg) einen HbA1c-Wert < 7%, mit Dulaglutid (1,5 mg) waren es 67%. Darüber hinaus zeigte sich eine fast doppelt so starke Gewichtsabnahme mit dem neuen GLP-Analogon. Als Ursache vermutete Aberle die Wirkungen von Semaglutid im zentralen Nervensystem, wie die Reduzierung des Appetits.

Engmaschige augenärztliche Kontrolle sinnvoll

Wie das natürlich im Körper vorkommende Peptidhormon GLP-1 bindet Semaglutid an den GLP-1-Rezeptor. Allerdings verhelfen strukturelle Veränderungen dem Molekül zu einer verlängerten Halbwertszeit von etwa 7 Tagen. Das Medikament braucht deshalb nur einmal pro Woche mit einem Pen der FlexTouch®-Technologie injiziert werden. Die Dosis steigert sich von einmal wöchentlich 0,25 mg über 0,5 mg auf 1 mg. „Alle GLP-RA führen zu einem leichten Anstieg der Pulsfrequenz und kurzfristig zu Durchfall, Erbrechen oder Übelkeit“, erläuterte Aberle. Häufig trete auch eine Verschlechterung der diabetischen Retinopathie auf. Dies sei allerdings kein substanzspezifischer Effekt, sondern wahrscheinlich dem schnellen Abfall des Blutzuckers geschuldet. Vor und während der Behandlung sei eine engmaschige augenärztliche Kontrolle nötig, empfahl Aberle.

Sabrina Kempe

Quelle: Fachpressekonferenz „Blutzucker, Gewicht und Herz: Typ 2 Diabetes mit Ozempic® umfassend therapieren“, 31.01.2020, Dresden; Veranstalter: NovoNordisk

Literatur:

(1) Beschluss des Gemeinsamen Bundesausschusses über eine Änderung der Arzneimittel-Richtlinie (AM-RL): Anlage XII – Beschlüsse über die Nutzenbewertung von Arzneimitteln mit neuen Wirkstoffen nach §35a SGB V – Semaglutid; 2019, https://www.g-ba.de/downloads/39-261-3776/2019-05-02_AM-RL-XII_Semaglutid_D-404_BAnz.pdf.
(2) Fachinformation Ozempic®, aktueller Stand.
(3) Marso SP et al. N Engl J Med 2016; 375: 1934-1844.
(4) Buse JB et al. Diabetologia 2020; 63: 221-228.
(5) Pratley RE et al. Lancet Diabetes Endocrinol 2018; 6: 275-286.


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