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Medizin

08. November 2019 DSO unterstützt zügige Umsetzung der Strukturreformen in den Klinikalltag

Zur Eröffnung des 15. Jahreskongresses der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO) appelliert der Medizinische Vorstand, Dr. med. Axel Rahmel, an die über 400 Transplantationsbeauftragten, Ärzte und Pflegekräfte, gemeinsam die Gesetzesvorgaben zügig in den Klinikalltag zu integrieren. „Seit zwei Jahrzehnten basteln wir an den Symptomen des anhaltenden Organmangels, ohne dass sich für die Patienten auf den Wartelisten etwas verbessert hat. Jetzt hat die Politik die Notwendigkeit erkannt, dass an den Rahmenbedingungen etwas grundlegend verändert werden muss. Sie hat in Rekordzeit zum 1. April 2019 ein Gesetz verabschiedet, das mit seinen Maßnahmen genau an den strukturellen Mängeln im System ansetzt. Der Weg ist geebnet, jetzt müssen wir ihn zügig und konsequent gemeinsam gehen. Den Patienten auf den Wartelisten läuft die Zeit davon“, betont Rahmel.
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Die Chancen und Herausforderungen, die das Gesetz zur Verbesserung der Zusammenarbeit und der Strukturen bei der Organspende (GZSO) beinhalten, beherrschen den diesjährigen Kongress neben aktuellen medizinischen Themen zur Empfängersicherheit und Spenderbeurteilung. Die hohe Zahl der Kongressteilnehmer dokumentiert das große Interesse an diesem wissenschaftlich-medizinischen Austausch.
 
DSO unterstützt GZSO und Initiativplan

In der Unterstützung zur Umsetzung der Strukturreformen sieht die DSO eine ihrer wichtigen Aufgaben. Dazu gehört eine Stärkung der Transplantationsbeauftragten und eine verbindliche Ausgestaltung ihrer Tätigkeiten sowie eine aufwandsgerechtere Vergütung der Entnahmekrankenhäuser. „Durch die neuen gesetzlichen Regelungen ist gewährleistet, dass das Engagement der Transplantationsbeauftragten und die Tätigkeiten des Entnahmekrankenhauses im Organspendeprozess adäquat vergütet werden“, unterstreicht der Kaufmännische DSO-Vorstand Thomas Biet. Im Gegenzug bedeutet das neue Gesetz aber auch mehr Verbindlichkeit für die Kliniken und die Transplantationsbeauftragten. Dazu gehören umfassende Schulungen, die die DSO durch Beteiligung an der ärztlichen und pflegerischen Weiterbildung sowie verschiedene E-Learning-Programme unterstützt. Auch bei der Analyse der Todesfälle in den Kliniken, als Grundlage für eine Qualitätssicherung beim Erkennen möglicher Spender, bietet die DSO ihre Hilfe an, z.B. durch das hierfür speziell angepasste Softwareprogramm „DSO Transplantcheck für Excel“. Erstmals wurde auch die Betreuung der Angehörigen in das Gesetz mit aufgenommen und der DSO übertragen. Ein Austausch von anonymen Dankesbriefen zwischen Organempfänger und Spenderfamilie ist ebenfalls seit dem 1. April gesetzlich geregelt und den Transplantationszentren und der DSO zugeordnet. DSO-Vorstand Rahmel sieht dies als ein wichtiges Zeichen der Wertschätzung: „Für den Organempfänger und die Spenderfamilie sind diese Briefe von immenser Bedeutung. Die Transplantierten können Danke sagen und die Angehörigen des Spenders daraus neue Kraft und Zuversicht schöpfen.“
 
Um die gesetzlichen Rahmenbedingungen in die Praxis zu überführen, wurde unter Federführung der DSO und mit Unterstützung des Bundesgesundheitsministeriums und weiterer Partner ein Gemeinschaftlicher Initiativplan erarbeitet. Hier sollen insbesondere die Transplantationsbeauftragten bei der praktischen Umsetzung ihrer Aufgaben unterstützt werden, z.B. mit Schulungen, beim Umgang mit Patientenverfügungen und einer besseren Vernetzung untereinander. Eine stärkere gesellschaftliche Verankerung und Wertschätzung der Organspende in der Öffentlichkeit soll über Multiplikatoren wie Ärzte und Lehrer sowie eine differenziertere Aufklärungsarbeit nach Zielgruppen erreicht werden.
 
Engagement der Kliniken steigt

Erfreulich ist, dass die organspendebezogenen Kontakte der Kliniken mit der DSO im Vergleichszeitraum von Januar bis Oktober von 2.341 im Jahr 2018 auf derzeit 2.522 weiter angestiegen sind. Das Erkennen und Melden möglicher Organspender an die DSO ist ein zentraler erster Schritt im Organspendeprozess. Allerdings sind in den ersten 10 Monaten des laufenden Jahres die Zahlen der Spender und der gespendeten Organe gegenüber 2018 nicht weiter angestiegen: Die DSO zählte bundesweit bis Oktober 775 postmortale Organspender, im Vergleich zum Vorjahreszeitraum mit 787 Organspendern. Die Anzahl der gespendeten Organe liegt aktuell bei 2.507 gegenüber 2.566 im Vergleichszeitraum des letzten Jahres. Insofern ist derzeit schwer absehbar, inwieweit die strukturellen Veränderungen ausreichen, um eine deutliche und nachhaltige Verbesserung der Organspendezahlen in Deutschland zu bewirken.

DSO sieht Widerspruchslösung als zusätzliche Chance

Die derzeit viel diskutierte doppelte Widerspruchslösung könnte die strukturellen Prozesse in den Krankenhäusern zusätzlich stärken, ist DSO-Vorstand Rahmel überzeugt. Die Prüfung der Möglichkeit einer Organspende würde von der Ausnahme zur Regel und auf eine positive Basis gesetzt, die den gesellschaftlichen Willen zur Organspende und Transplantation klar zum Ausdruck bringt. Professor Dr. jur. Hans Lilie, stellvertretender Vorsitzender des DSO-Stiftungsrates, erklärt: „Vor dem Hintergrund der bekannten breiten Befürwortung der Organspende innerhalb der Bevölkerung und des Willens, Transplantationen für schwerkranke Menschen zugänglicher zu machen, wäre die Widerspruchslösung letztendlich ein Ausdruck einer gesellschaftlich konzertierten Zustimmung.“ Jeder Bürger bleibe frei in seiner Entscheidung und könne einer Organspende ohne Angabe von Gründen jederzeit widersprechen. Die DSO-Vorstände Rahmel und Biet sehen in der Widerspruchslösung zusätzliches Potenzial für eine positive Entwicklung: „Jetzt haben wir die Chance, gemeinsam eine Kultur der Organspende in Deutschland zu fördern, die das Denken an die Organspende zur Selbstverständlichkeit macht, Organspender und ihre Angehörigen stärker wertschätzt und die unser gesellschaftliches Prinzip der Solidarität auch in der Organspende widerspiegelt.“
 
Sina wartet seit 6 Jahren

Wie es sich anfühlt, täglich auf ein neues Organ zu warten, zu hoffen und auch mit Ängsten umzugehen, weiß Sina Jürgensen. Ihre Nieren funktionieren aufgrund einer Erkrankung nicht wie bei gesunden Menschen und so ist die 35-Jährige drei Mal pro Woche auf die Dialyse angewiesen. „Ich hoffe, dass möglichst viele Menschen erkennen, wie wichtig es ist, sich darüber klar zu werden, ob man seine Organe nach dem Tod spenden möchte oder nicht. Mit mir warten rund 9.400 Patienten auf eine Transplantation. Ich wünsche mir, dass jeder Mensch zumindest einmal darüber nachdenkt, was er tun würde, wenn er selbst oder ein geliebter, ihm nahestehender Mensch, auf eine Transplantation angewiesen wäre“, betont Sina Jürgensen.

Quelle: Deutsche Stiftung Organtransplantation


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