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Medizin

10. Mai 2012 Viele Erwachsene haben keinen ausreichenden Impfschutz gegen Pertussis und Polio

Während die Impfraten bezüglich Pertussis und Polio bei Kindern bis zum Vorschulalter sehr gut sind, weisen Jugendliche und Erwachsene erhebliche Impflücken auf. Aktuelle Umfrage-Ergebnisse zeigen, dass nur etwa 31% einen vollständigen Polio-Impfschutz vorweisen können. Noch düsterer sieht es bei der Pertussis-Impfung aus. Nur 15% der Befragten konnten einen aktuellen Impfschutz nachweisen (1). „Dabei ist Pertussis längst nicht nur eine Kinderkrankheit.
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Inzwischen liegt das durchschnittliche Erkrankungsalter bei etwa 42 Jahren“ (2), erklärt Prof. Dr. Johannes Liese vom Universitätsklinikum Würzburg. Da der Krankheitsverlauf bei Erwachsenen oft untypisch ist, bleibt die Erkrankung häufig unentdeckt oder wird erst spät diagnostiziert. Dabei ist einer Untersuchung zufolge jeder zehnte Erwachsene mit länger anhaltendem Husten an Pertussis erkrankt. (3) Hierdurch besteht ein hohes Risiko für eine Übertragung ins direkte Umfeld, z. B. auf noch ungeschützte Säuglinge. Um die Impfraten zu erhöhen, ist ein konsequentes Impfmanagement wichtig. Die Ärzte sollten jede Chance nutzen, ihre Patienten aktiv auf das Thema aufmerksam zu machen und regelmäßig den Impfausweis überprüfen. Durch den Einsatz von Kombinationsimpfstoffen (z. B. Repevax®) können Impflücken auf einfache Weise geschlossen werden.
Keuchhusten ist weltweit eine der häufigsten und gefährlichsten bakteriellen Infektionskrankheiten: Nach Schätzungen der WHO gibt es jährlich weltweit zirka 50 Millionen Erkrankungen und rund 300.000 Todesfälle. (4) Die typische Keuchhusten-Erkrankung dauert mehrere Wochen bis Monate an. In der Regel verläuft sie in drei Stadien und beginnt zunächst mit grippeähnlichen Symptomen (Stadium catarrhale). Es folgt das Stadium convulsivum − charakterisiert durch anfallsartige Hustenattacken mit ziehender Inspiration und Hervorwürgen von zähem Schleim oder Erbrechen. Bis im letzten Stadium die Symptome allmählich wieder abklingen. Bei Jugendlichen und Erwachsenen verläuft die Erkrankung häufig untypisch und ist geprägt von einem lang andauernden Husten, der durchschnittlich sieben bis acht Wochen anhält. (3) Nächtliche Hustenattacken, oft begleitet durch Würgereiz, ziehen u.a. Schlafstörungen, Leistungsminderung und Appetitlosigkeit mit der Folge der Gewichtsabnahme nach sich. Etwa ein Viertel der erkrankten Erwachsenen ist von solchen und anderen Komplikationen betroffen, wie bakterielle Superinfektionen (z. B. Lungenentzündung) oder auch Leisten- und Rippenbrüche infolge der heftigen Hustenanfälle. Bei an Pertussis erkrankten Säuglingen besteht die Gefahr von lebensbedrohlichen Atemstillständen. „Gerade Säuglinge, die noch zu jung sind, um einen vollständigen Impfschutz zu erreichen, müssen vor der Ansteckung geschützt werden“, betont Liese. „In der Eltern- und Großeltern-Generation bräuchten wir höhere Impfraten, um Übertragungen zu vermeiden“, so Liese weiter.

Im Oktober und November 2011 wurden in Deutschland fast 2.000 Jugendliche und Erwachsene unter anderem zu ihrem aktuellen Tetanus-, Diphtherie-, Pertussis- und Polio-Impfstatus befragt (1). Bei 500 Personen konnte anhand des Impfpasses der tatsächliche Impfstatus gemäß Empfehlungen der Ständigen Impfkommission (STIKO) ermittelt werden. Vor allem bei der Pertussis- und Polio-Impfung bestehen erhebliche Lücken. Im Durchschnitt hatten nur 31% der Befragten einen vollständigen Polio-Impfschutz mit Grundimmunisierung und mindestens einer Auffrischimpfung und nur 15% der Befragten konnten einen aktuellen Impfschutz gegen Pertussis nachweisen. „Es wird deutlich, dass mit dem Alter auch die Impflücken größer werden. Beispielsweise hatten etwa 46% der Jugendlichen und nur 7% der über 70-Jährigen einen aktuellen Pertussis-Impfschutz“, schildert Prof. Dr. Klaus Wahle, niedergelassener Allgemeinmediziner aus Münster.

STIKO-Empfehlungen in die Praxis umsetzen
Die STIKO empfiehlt bei der nächst fälligen Tetanus-Diphtherie-Impfung, Erwachsene einmalig mit einem Tdap-Kombinationsimpfstoff* und bei entsprechender Indikation mit einem Tdap-IPV-Kombinationsimpfstoff** zu impfen. Vor allem gegen Pertussis sollten alle Frauen im gebärfähigen Alter und Kontaktpersonen zu Säuglingen (z. B. Großeltern, Tagesmütter, ErzieherInnen, Hebammen etc.) alle zehn Jahre eine Auffrischimpfung erhalten. Eine Indikation zur Polio-Impfung ist gegeben, wenn kein vollständiger Polio-Impfschutz – bestehend aus einer kompletten Grundimmunisierung und einer Auffrischimpfung – vorhanden ist. Zudem sollten Reisende in Regionen mit Infektionsrisiko eine Auffrischimpfung erhalten, sofern die letzte Auffrischimpfung länger als zehn Jahre zurückliegt (5). „Solange Polio irgendwo auf der Welt existiert, bleibt die Gefahr bestehen, dass auch in erklärten poliofreien Regionen durch eingeschleppte Viren wieder Polio-Ausbrüche auftreten, was beispielsweise 2010 in der WHO Region Europa passiert ist,“ erklärt Wahle.

Um die Impfraten zu steigern, ist die Initiative des Arztes gefragt. Grundlage des Beratungsgespräches sollten die Impfempfehlungen der STIKO sein, welche in der Praxis problemlos umgesetzt werden können. Der Impfausweis kann immer im Zusammenhang mit weiteren präventionsmedizinischen Maßnahmen, wie etwa der Jugendgesundheits-untersuchung, der Check-up 35-Untersuchung, dem Hautkrebs-Screening oder der Krebsfrüherkennung, kontrolliert werden. Das Impfmanagement ist immer dann erfolgreich, wenn das gesamte Praxisteam involviert ist und man die Organisation der Arbeitsabläufe festgelegt hat. Wichtig ist die aktive Patientenansprache, denn nur so können Impflücken identifiziert werden. Mit einem 4-fach-Kombinationsimpfstoff hat der Arzt die Chance, zum einen den Einsatz medizinischer Ressourcen zu optimieren und zum anderen die Impfraten in der Bevölkerung zu verbessern, da er seine Patienten mit nur einem Pieks gegen Tetanus, Diphtherie, Pertussis und Polio impfen kann (6).

Literaturhinweise:
(1) Sanofi Pasteur MSD, Interne Daten 2011.
(2) Robert Koch-Institut. Epidemiologisches Bulletin 2009;31:259–318.
(3) Riffelmann M et al. Deutsche Medizinische Wochenschrift 2006;131:2829–34.
(4) http://www.who.int/immunization_monitoring/diseases/pertussis_surveillance/en/index.html
(5) Robert Koch-Institut. Empfehlungen der Ständigen Impfkommission. Epidemiologisches Bulletin 2011;30:275–294.
(6) Sanofi Pasteur MSD. Fachinformation Repevax®; Stand: Dezember 2011.

* Tdap-Kombinationsimpfstoff = Tetanus-Diphtherie azellulärer Pertussis-Impfstoff
** Tdap-IPV-Impfung = Tetanus-Diphtherie azellulärer Pertussis-inaktivierter Poliomyelitis-Impfstoff

Quelle: Sanofi Pasteur MSD


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