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Medizin

27. April 2017 Vorhofflimmern: Biomarker und Geschlechterunterschiede

Eine neue Studie identifiziert LDL, Gesamtcholesterin, Apolipoprotein B und andere Biomarker als mögliche Prädiktoren für Vorhofflimmern. Bei Frauen korreliert die Arrhythmie eher mit erhöhtem Gesamtcholesterin, bei Männern mit ungünstigem Body-Mass-Index und zu viel Alkohol.
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Biomarker scheinen geeignet, das Erkrankungsrisiko für Vorhofflimmern objektiv zu prognostizieren. Als guter Prädiktor ist das Protein Nt-proBNP bekannt. Eine neue Studie hat nun zusätzlich Biomarker aus anderen pathophysiologischen Signalwegen untersucht, die mit dem Auftreten von Vorhofflimmern in Zusammenhang stehen könnten, darunter Entzündungsprozesse, neurohumorale Aktivität und oxidativer Stress. Nachweislich korrelieren gleich mehrere Biomarker mit einer Neuerkrankung von Vorhofflimmern, und zwar neben Nt-proBNP auch LDL, Gesamtcholesterin, Apolipoprotein B, Cystatin C und hochsensitives Troponin. „Nt-proBNP scheint aber weiterhin der stärkste Biomarker für das Auftreten von Vorhofflimmern zu sein und könnte damit auch klinische Relevanz haben“, so Studienautorin Dr. Stephanie Schmidt vom Universitären Herzzentrum Hamburg.

Für die Analyse wurden bei mehr als 32.000 Personen 13 verschiedene Parameter erhoben, darunter Lipide, Inflammation, Nierenfunktion, myokardialer Stress und Vitamin D.  Die Biomarker wurden mit der 5-Jahres-Inzidenz von Vorhofflimmern in Beziehung gesetzt. Patienten mit bereits bestehendem Vorhofflimmern wurden von der Analyse ausgeschlossen. Das Durchschnittsalter der Teilnehmer lag zu Studienbeginn bei rund 53 Jahre. 893 Personen entwickelten während des Beobachtungszeitraums Vorhofflimmern.

Männerherzen flimmern wegen BMI und Alkohol, Frauenherzen wegen Cholesterin

Eine andere bei der DGK-Jahrestagung in Mannheim vorgestellte Studie widmete sich der Frage, welche Geschlechtsunterschiede es bei Biomarkern und Risikofaktoren für Vorhofflimmern gibt, ist doch die Prävalenz für Vorhofflimmern bei Männern im mittleren und höheren Alter fast zweimal so hoch wie bei Frauen. Die bekannten kardiovaskulären Risikofaktoren und Erkrankungen haben eine unterschiedliche Häufung in den beiden Geschlechtern, dasselbe gilt auch für die Biomarker C-reaktives Protein (CRP) und Nt-proBNP. Die Studie schloss Daten von fast 80.000 Männern und Frauen ohne Vorhofflimmern ein, die zu Studienbeginn durchschnittlich knapp 50 Jahre alt waren und an vier populations-basierten europäischen Studien (FINRISK, DanMONICA, Moli-Sani, Northern Sweden) des BiomarCaRE (Biomarker for Cardiovascular Risk Assessment in Europe) Konsortiums teilnahmen.

„Wie die Ergebnisse zeigen, ist die Gefahr einer Neuerkrankung unabhängig vom Geschlecht hoch und birgt ein hohes Mortalitätsrisiko. Bei einem mittleren Follow-up nach 13 Jahren hatten bereits 4,4% der Frauen und 6,4% der Männer ein Vorhofflimmern entwickelt“, so Studienautorin Dr. Christina Magnussen vom Universitären Herzzentrum Hamburg. Bei Männern zeigte sich insgesamt ein ausgeprägteres kardiovaskuläres Risikoprofil als bei Frauen. Nach dem 50. Lebensjahr stiegen die Neuerkrankungen bei Männern exponentiell an. Frauen zogen ab dem 60. Lebensjahr mit dieser Entwicklung nach. Bei beiden Geschlechtern stieg das Mortalitätsrisiko mit dem Auftreten von Vorhofflimmern um das 3,5-Fache.

Mit Ausnahme von Diabetes gab es eine Korrelation zwischen den üblichen kardiovaskulären Risikofaktoren und dem Neuauftreten von Vorhofflimmern: Übergewicht, Bluthochdruck, Fettstoffwechselstörung und Nikotin- und Alkoholkonsum. Bei Männern scheint ein ungünstiger Body-Mass-Index (BMI) eher ein Prädiktor für Vorhofflimmern zu sein als bei Frauen. Außerdem ließ sich beobachten, dass das Risiko, in den nächsten fünf Jahren neu an Vorhofflimmern zu erkranken, bei Frauen eher mit dem Gesamtcholesterin korreliert. Bei Männern sind es Alkoholkonsum und überstandene Myokardinfarkte. „Es lohnt sich, die Relevanz möglicher geschlechtsspezifischer Präventionsstrategien gegen erhöhtes BMI und Gesamtcholesterin in weiteren Studien zu evaluieren“, so Dr. Magnussen.

Quelle: Deutsche Gesellschaft für Kardiologie

Literatur:

- DGK 2017 Abstract Schmidt et al.
Biomarkers for Atrial Fibrillation in European Cohorts – BiomarCaRE. Clin Res Cardiol 106, Suppl. 1, April 2017;
- DGK 2017 Abstract Magnussen et al. Gender Differences in Cardiovascular Disease Risk Factor Associations with Atrial Fibrillation in Europe. Clin Res Cardiol 106, Suppl. 1, April 2017


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