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Medizin

23. Mai 2012 Wie die Gene die Alterung des Gehirns beeinflussen

Der Hippocampus ist ein Bestandteil des Gehirns, dessen Volumen sich mit dem Alter verringert und so Gedächtnisstörungen hervorruft. Die Beschleunigung dieses Phänomens ist eines der Anzeichen für Alzheimer. Ein internationales Forscherteam, unter Mitwirkung französischer Wissenschaftler, hat die Genmutationen untersucht, die mit dieser Volumenverringerung zusammenhängen. Die Ergebnisse wurden am 15. April 2012 in der Fachzeitschrift Nature Genetics (1) veröffentlicht.
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Das internationale Team, in Frankreich unter der Leitung von Christophe Tzourio (2), führte weltweit epidemiologische Studien an insgesamt 9232 Patienten im Alter zwischen 56 und 84 Jahren durch. Es analysierte die Genome und die Bilder der Kernspintomographie des Gehirns. Allein in Frankreich wurden 2000 Kernspinbilder im Rahmen der Studie ″3 Cités″ erstellt. Die Forscher suchten nach einer möglichen Verbindung zwischen Genmutationen und der Volumenverringerung des Hippocampus. Die Daten der Teilnehmer (mit und ohne Demenz) stammten aus acht großen europäischen und nord-amerikanerischen Kohorten.

Zunächst wurden 46 Unterschiede in der DNA-Sequenz festgestellt, die a priori mit einer Volumenreduktion des Hippocampus einhergehen. 18 Mutationen auf unterschiedlichen Abschnitten des 12. Chromosoms sind bedeutsam für diese Verringerung. Eine Mutation befindet sich auf Chromosom 2. Auf Chromosom 9 wurde sogar eine Mutation entdeckt, die mit einer Reduktion des Hippocampus bei jüngeren Leuten in Zusammenhang steht. Diese Ergebnisse machen deutlich, dass "noch unbekannte" Faktoren Mutationen auf bestimmten Genabschnitten verursachen, die eine Volumenverringerung des Hippocampus und generell eine Alterung des Gehirns zur Folge haben.

Nachdem sie die Mutationen bestimmt hatten, suchten die Forscher nach den Ursachen für die Veränderung. Sie fanden heraus, dass die Mutationen die Struktur wichtiger Gene mit Mehrfachfunktionen verändern, die insbesondere beim Zelltod (HRK), der Embryonalentwicklung (WIF1), Diabetes (DPP) oder der Neuronenmigration (ASTN2) eine Rolle spielen.

Mit dieser neuen Herangehensweise, bei der die Forscher gezielt eine Hirnregion und nicht eine spezielle Krankheit untersuchten, wollten sie die Mechanismen der Alzheimer-Krankheit genauer entschlüsseln. Sie wollen nun exakter bestimmen, wie sich diese Genmutationen auf die Alzheimer-Krankheit auswirken. Obwohl klinische Anwendungen nicht sofort zu erwarten sind, wäre das ein wichtiger Fortschritt.

Literaturhinweise:
(1) Originalpublikation: "Common variants at 12q14 and 12q24 are associated with hippocampal volume", Nature Genetics – 15.04.2012 - http://www.nature.com/ng/journal/v44/n5/full/ng.2237.html
(2) Forscher für Neuroepidemiologie (Inserm U708 – Bordeaux Universität, C Tzourio), neurofunktionelle Bildgebung (CNRS/CEA/ Bordeaux Segalen Universität, B Mazoyer) und Genetik (UMR 744 Inserm, Lille Universität, P Amouyel).
(3) 3 Cités steht für "3 Städte": Bordeaux, Dijon, Montpellier, in denen seit 1999 eine Kohortenstudie mit 9000 Patienten im Alter von 65 Jahren durchgeführt wird. Weitere Informationen zur 3 Cités-Studie unter: http://www.three-city-study.com/

Quelle: Wissenschaftliche Abteilung, Französische Botschaft in der Bundesrepublik Deutschland


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