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Medizin

09. Oktober 2015 Wirksamkeit und Verträglichkeit von Eslicarbazepinacetat im deutschen Praxisalltag

Mit einer Prävalenz von 0,7-0,8% gehören Epilepsien zu den sehr häufigen neurologischen Erkrankungen, wobei etwa ein Drittel der Fälle erstmals im Kindesalter und ein weiteres Drittel mit wachsender Wahrscheinlichkeit im höheren Lebensalter - jenseits des 60. Lebensjahres - auftreten (1). Am häufigsten sind lokalisationsbezogene, d.h. fokale (auch: partielle) Anfälle mit einem Anteil von etwa 70% (2). Primäres Therapieziel ist das Erreichen von Anfallskontrolle bzw. Anfallsfreiheit: Bis zu 50% der erwachsenen Patienten erreichen mit der ersten antiepileptischen medikamentösen Therapie sowie weitere 15% mit Änderung des Medikaments Anfallsfreiheit (3).

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Für die Behandlung fokaler Epilepsien sind mehr als 20 Antiepileptika (AEDs: Anti-Epileptic Drugs) zugelassen (3). Antiepileptika wirken anfallshemmend und erhöhen beim Epilepsie-Patienten die chronisch erniedrigte "Anfallsschwelle" des Gehirns.1 Die Therapiewahl wird für jeden Patienten individuell vorgenommen, da die AEDs bei weitgehend vergleichbarer Wirksamkeit Unterschiede in ihrer Verträglichkeit und Handhabung aufweisen (1). Zudem variiert das Therapieansprechen auf ein AED interindividuell sehr stark (3). "In der Praxis müssen wir die Behandlung patientenindividuell ausrichten und häufig nach pragmatischen Kriterien und Erfahrungswerten entscheiden. Umso wertvoller sind Real-World-Studien wie die EPOS-Studie4, da sie uns wichtige zusätzliche Hinweise aus der Praxisroutine liefern", erklärte Prof. Dr. Martin Holtkamp, Klinische und experimentelle Epileptologie an der Klinik für Neurologie der Charité, Universitätsmedizin Berlin, auf einem Eisai-Fachpresse-Roundtable im Rahmen des 88. Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN).

Hohe Retentionsraten unter Alltagsbedingungen: deutsche EPOS-Subgruppenanalyse

Im Rahmen der europaweit durchgeführten offenen, multizentrischen, nicht-interventionellen Studie EPOS (Eslicarbazepine acetate in Partial-Onset Seizures) wurde die Behandlung mit Eslicarbazepinacetat (Zebinix®) als alleinige Zusatztherapie bei erwachsenen Patienten evaluiert, die an fokalen Anfällen mit oder ohne sekundäre Generalisierung erkrankt waren und unter der bisherigen AED-Monotherapie keine ausreichende Anfallskontrolle erreicht hatten (n = 219). Die Studiendauer umfasste 6 Monate, mit Visiten bei Studienbeginn sowie nach 3 und 6 Monaten. Die Entscheidung zur Zusatztherapie mit Eslicarbazepinacetat erfolgte unabhängig von der Studienteilnahme, die Dosierung richtete sich nach der Fachinformation und der lokalen Verschreibungspraxis. Als primärer Endpunkt der Studie wurde die Retentionsrate von Eslicarbazepinacetat nach 6 Monaten definiert.

Auf dem Fachpresse-Roundtable wurde eine deutsche Post-hoc-Subgruppenanalyse der EPOS-Studie vorgestellt: Demnach waren die deutschen Studienteilnehmer (n=104) durchschnittlich 46,5 Jahre alt (±15,6 Jahre), häufiger männlichen Geschlechts (58,7%) und im Median seit 8,7 Jahren an Epilepsie erkrankt. Keiner der Patienten war bei Studieneintritt (Baseline) anfallsfrei. Bei den deutschen EPOS-Patienten wurden hohe Retentionsraten erreicht: Auf der Zusatztherapie mit Eslicarbazepinacetat waren nach 3 Monaten 92,3% (95 %-KI: 85,4-96,6%) sowie nach 6 Monaten 86,5% (95%-KI: 78,4-82,4%) der deutschen Studienteilnehmer verblieben. Nach 6 Monaten berichteten 86,2 % eine Verringerung der Anfallshäufigkeit um ≥50 % gegenüber der Baseline, 44,7% sogar vollständige Anfallsfreiheit.

Über ein Drittel der Patienten wurde zum Zeitpunkt der Baseline mit Levetiracetam (37,5%) in Monotherapie behandelt, ein knappes Drittel mit Lamotrigin (29,8%) sowie 14,4% mit Valproat. Die angestrebte Zieldosis von Eslicarbazepinacetat 800 bzw. 1200 mg einmal täglich wurde nach einer medianen Dauer von 15 Tagen mehrheitlich (89,4%) erreicht. Als häufigste unerwünschte Ereignisse wurden Schwindel und Kopfschmerzen (jeweils 3,8%) sowie Fatigue und Hyponatriämie (jeweils 2,9%) berichtet.

"Niedrige Abbruchraten und ein hoher Anteil von Patienten mit Anfallsfreiheit machen deutlich, dass die Mehrzahl der Patienten unter einer einzigen Add-on-Therapie mit Eslicarbazepinacetat von einer Verbesserung der Anfallsraten profitierte, die auch unter Praxisbedingungen nicht auf Kosten von Verträglichkeit und Lebensqualität ging", fasste Prof. Dr. Martin Holtkamp die Ergebnisse der deutschen Analyse zusammen.

Neue klinische Daten von 18 Zentren in Deutschland

Weitere klinische Ergebnisse zum Einsatz von Eslicarbazepinacetat in Zusatztherapie liegen jetzt aus einer retrospektiven Datensammlung vor, die an 18 neurologischen Behandlungszentren in Deutschland erhoben wurden. Die Daten wurden zwischen Januar bis Oktober 2014 an neun spezialisierten Kliniken und neun neurologischen Spezialpraxen erfasst und beschreiben 125 Epilepsie-Patienten, die auf eine Zusatztherapie mit Eslicarbazepinacetat eingestellt wurden.6 Ähnlich wie in der EPOS-Analyse wurde Eslicarbazepinacetat auch in dieser Patientenpopulation am häufigsten mit Levetiracetam, Lamotrigin oder Valproat kombiniert.

Die Anzahl weiterhin eingesetzter Antiepileptika lag im Median bei 1 (Spanne: 1-4). Insgesamt waren die Patienten im Laufe ihrer Erkrankung im Median bereits mit 4 Antiepileptika (Spanne 1-14) behandelt worden. Als primäres Ziel der Behandlung wurden die Verbesserung der Anfallskontrolle (70,4%) sowie der Verträglichkeit (20,8%) angegeben. Wie die retrospektive Auswertung zeigte, nahm der Anteil der Responder unter Eslicarbazepinacetat in Zusatztherapie im Zeitverlauf zu: Nach 12 Monaten lag der Anteil der Responder (Anfallsreduktion um ≥50 %) bei 55,3% bzw. zum Zeitpunkt der letzten Visite bei 65%. Anfallsfrei waren 37,4% bzw. 46,7% der Patienten. Die behandelnden Ärzte stuften sowohl die Wirksamkeit (61,6%) als auch die Verträglichkeit (70,4%) der Behandlung für die Mehrheit der Patienten als „gut“ oder „sehr gut“ ein. Entsprechend hoch waren die Retentionsraten mit 87,0% nach 6 Monaten und 77,0% nach 12 Monaten.

Eslicarbazepinacetat als Zusatztherapie bei CBZ-Versagen

In einer Subgruppenanalyse von Patienten, für die zuvor auf Carbamazepin (CBZ) ein Nicht-Ansprechen dokumentiert worden war (n=33), erreichten nach 3 Monaten 41,3% der Patienten unter der Zusatztherapie mit Eslicarbazepinacetat eine Anfallsreduktion um ≥50%. Der Anteil an Respondern stieg nach 6 Monaten auf 48,3% bzw. nach 12 Monaten auf 55,2% (ausgehend von n = 29). Die Verträglichkeit in dieser Subgruppe wurde von den behandelnden Ärzten für 60,7% der Patienten als "gut" oder "sehr gut" bewertet. Die Retentionsraten lagen bei 86,0% nach 6 Monaten und 68,0% nach 12 Monaten.

Eslicarbazepinacetat: Besonderheiten beim Wirkmechanismus

Eslicarbazepinacetat (Zebinix®) ist ein Carboxamid-Derivat, das im Unterschied zu Carbamazepin nicht zu einem 10,11-Epoxid verstoffwechselt und nahezu vollständig zum wirksamen Metaboliten Eslicarbazepin hydrolisiert wird. Eslicarbazepinacetat und seine Metaboliten stabilisieren spannungsabhängige Natriumkanäle im inaktivierten Zustand, verhindern die Rückführung in den aktiven Zustand und wirken somit wiederholten neuronalen Entladungen entgegen. Zudem konnte die selektive Inhibition von aktiven, schnell feuernden Neuronen unter Eslicarbazepin nachgewiesen werden. Experimentellen Studiendaten zufolge verfügt Eslicarbazepin möglicherweise auch über Eigenschaften, die zur Überwindung eines zellulären Pharmakoresistenz-Mechanismus gegenüber konventionellen AEDs beitragen könnten.

Literaturhinweise:
(1) Elger C. Erster epileptischer Anfall und Epilepsien im Erwachsenenalter, S1-Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN); Stand: September 2012. AWMF-Registernummer: 030/041.
(2) French JA, Pedley TA. Initial management of epilepsy. N Engl J Med 2008; 359 (2): 166-76.
(3) Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Epileptologie (DGfE) zur medikamentösen Behandlung fokaler Epilepsien im Erwachsenenalter, ergänzend zu den Leitlinien‚ Erster Epileptischer Anfall und Epilepsien im Erwachsenenalter‘ der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN) von 2012.

Quelle: Eisai


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