Dienstag, 23. Juli 2019
Navigation öffnen

Medizin

07. Dezember 2016 World Congress on Lung Cancer: Tabak tötet

„Tabakkonsum hat mehr Leben gekostet als beide Weltkriege zusammen“, sagte der Tabaré Vázquez, Präsident von Uruguay, auf der Pressekonferenz im Rahmen des World Congress on Lung Cancer in Wien. „11 Millionen Menschen sterben  pro Jahr an den Folgen des Tabakkonsums, und nicht nur an Lungenkrebs sondern auch an Krebsarten außerhalb des respiratorischen Trakts oder an kardiovaskulären Krankheiten, Schlaganfällen, COPD usw.
Anzeige:
In Uruguay ist das Rauchen in Restaurants und auf öffentlichen Plätzen verboten, es besteht ein Werbeverbot, Zigarettenpackungen sind mit Warnhinweisen versehen und die Tabaksteuer wurde erhöht. Dies begann in Vázques erster Amtszeit zwischen 2005 und 2010.

Im Jahr 2010 hatte Philip Morris daraufhin Uruguay, ein Land mit etwa 3 Millionen Einwohnern, auf 25 Millionen Dollar Schadenersatz verklagt. Vor kurzem erst ist der amerikanische-schweizerische Tabakkonzern mit seiner Klage gescheitert.

Die Antiraucherkampagne in Uruguay kann schon erste Erfolge aufweisen. Der Anteil an Rauchern unter den 30-70-Jährigen fiel zwischen 2006 und 2015 von 25% auf 10%. Der Einfluss auf die Lungenkrebshäufigkeit werde sich zwar erst in 10-20 Jahren zeigen, doch der Einfluss auf die Herzinfarktrate zeigt sich früher und innerhalb von nur 5 Jahren nahm sie um 25% ab, sagte Vázques. Besonders ausgeprägt war der Abfall der Herzinfarktrate bei den unter 40-jährigen Männern.

„Tabakkonsum verursacht eine internationale Pandemie“, so Vázques. „Unsere Aufgabe ist es, diese Pandemie zu bekämpfen und Uruguay wird weiterhin daran arbeiten“, betonte der Staatschef, der gleichzeitig Onkologe ist.
 
„Rauchen ist kein Recht, sondern eine Abhängigkeit, sagte Vera da Costa e Silva, Head of Secretariat of the WHO Framework Convention on Tobacco Control (WHO FCTC). Tabakpreise sollten möglichst hoch sein, aromatisierte Zigaretten sollten verboten werden ebenso wie Werbung für Tabak. Es kommen neue Produkte auf den Markt warnte sie, „und wir müssen sehr aufmerksam und vorsichtig sein, um den Verbraucher zu schützen“.
 
Eine Gefahr für die öffentliche Gesundheit durch Tabak sieht Dr. Zarahah Zain, Lincoln University College Malaysia, bei den Freihandelsabkommen. Tabak dürfe nicht wie andere Waren gehandelt werden, denn es bestehe ein hohes Suchtpotential und Tabak tötet die Hälfte der Konsumenten.

Verqualmte Hotels in Österreich – zielführend horrende Zigarettenpreise in Irland

Irland war 2004 das erste Land in Europa, welches das Rauchen an allen öffentlichen Plätzen verboten hat. Sehr enttäuschend und unverständlich findet der irische Onkologe Luke Clancy daher, dass in einem hoch entwickelten Land wie Österreich, das wegen seiner Kultur, Kunst und Musik bewundert wird, der Geruch von Zigarettenrauch selbst eines der besten Hotels durchsetzt.

Dabei seien wirksame Interventionen bekannt und einfach umzusetzen. Ein Mittel ist der Preis. In Irland kostet eine Packung mit 20 Stück Zigaretten 11 Euro. Die Interventionen führten in Irland zu einer dramatischen Veränderung. „Früher rauchten 45% unserer Kinder und Jugendlichen“, sagte Clancy, „heute nur noch 8%. Wir haben etwas getan, das gut wirkt und fordern Österreich auf, gleiche Maßnahmen zu ergreifen“.
 
Viele Pensionskassen und Versicherer investieren in die Tabakindustrie. „Die meisten Arbeiter weltweit besitzen Anteile an Tabakindustrien und haben meisten gar keine Ahnung davon“, informierte Bronwyn King aus Australien, Gründerin und CEO der „Tobacco Free Portfolios“. Inzwischen sind in Australien 35 Pensionskassen, dies entspricht einem Anteil von rund 40%, „tabakfrei“ und investieren nicht mehr in die Tabakindustrie. Weltweit trennen sich immer mehr Investoren von dieser Anlage.
 
as

Quelle: IASLC 17th World Conference on Lung Cancer (WCLC), 5.12.2016.


Das könnte Sie auch interessieren

Orthopäden und Unfallchirurgen setzen sich für aktiven Lebensstil ein

Orthopäden und Unfallchirurgen setzen sich für aktiven Lebensstil ein
@ Von Schonertagen / Fotolia.com

Jedes Jahr verletzen sich 1,25 Millionen Bundesbürger beim Sport so schwer, dass sie ärztlich versorgt werden müssen (1). Überbelastung, hohe Risikobereitschaft und eine mangelnde Vorbereitung auf das Training führen immer wieder zu Unfällen. Gleichzeitig leben in Deutschland viele Millionen Menschen, die sich aufgrund einer Erkrankung nicht mehr schmerzfrei bewegen können. Auf dem Deutschen Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie (DKOU) stellen Experten vom 24. bis 27. Oktober Therapien vor, mit denen sie Beweglichkeit bis ins hohe Alter...

Rauchstopp lohnt sich – trotz zusätzlicher Kilos auf der Waage

Rauchstopp lohnt sich – trotz zusätzlicher Kilos auf der Waage
© Oleg / fotolia.com

Wer darüber nachdenkt, mit dem Rauchen aufzuhören, sollte sich von einer möglichen Gewichtszunahme nicht abhalten lassen. Denn obwohl auch Übergewicht mit Gesundheitsrisiken verbunden ist, überwiegt der gesundheitliche Nutzen durch einen Nikotinverzicht noch immer deutlich. Das ist das Ergebnis einer umfangreichen US-Studie, die kürzlich in der renommierten Fachzeitschrift „New England Journal of Medicine“ erschienen ist. Die Deutsche Gesellschaft für Innere Medizin e. V. (DGIM) nimmt den Forschungsbericht zum Anlass, einmal mehr auf die...

Wenn Verwandte von Krankheitserregern Gutes tun

Wenn Verwandte von Krankheitserregern Gutes tun
© science photo / fotolia.com

Es gibt Bakterien, die Wasserstoff und Naturstoffe produzieren, was sowohl für die Umwelt als auch für die Medizin wichtig ist. In Jena hat ein Forschungsteam nun die Fähigkeit zur Wasserstoff- und Naturstoffproduktion in einer Gruppe von Bakterien nachgewiesen, die bis dahin eher als Krankheitserreger bekannt waren. In Gemeinschaft mit einem methanproduzierenden Bakterium konnten diese Bakterien Milchsäure zu Methan umwandeln.

Grippeviren im Anmarsch - Tipps zum Schutz vor Ansteckung

Grippeviren im Anmarsch - Tipps zum Schutz vor Ansteckung
© ERGO Group

Jedes Jahr aufs Neue rollen gegen Ende des Jahres die ersten Grippewellen an: Laut dem Robert-Koch-Institut erkranken während einer saisonalen Grippewelle in Deutschland zwischen zwei und zehn Millionen Menschen. Dr. Wolfgang Reuter, Gesundheitsexperte der DKV Deutsche Krankenversicherung, erklärt den Unterschied zwischen Erkältung und echter Grippe, der sogenannten Influenza. Zudem gibt er Tipps zu Schutzmaßnahmen gegen Grippeviren.

Rückenschmerzen: Ein Drittel der Deutschen geht mehrfach im Jahr nicht zur Arbeit

Rückenschmerzen: Ein Drittel der Deutschen geht mehrfach im Jahr nicht zur Arbeit
© Sebastian Kaulitzki / Fotolia.com

Laut einer aktuellen GfK-Umfrage hat mehr als die Hälfte aller Deutschen mindestens zehnmal im Jahr Rückenschmerzen. Die von der Medserena AG beauftragte GfK-Umfrage zeigt, dass 34,5 Prozent aller Deutschen an bis zu sieben Tagen im Jahr aufgrund von Rückenschmerzen nicht ihren alltäglichen Aufgaben nachgehen. Betrachtet man die befragten Berufsgruppen genauer, so liegt der höchste Anteil bei den Angestellten (36,7 Prozent). Das verursacht Jahr für Jahr einen hohen wirtschaftlichen Schaden für die Arbeitgeber. Nur durch verbesserte medizinische...

Sie können folgenden Inhalt einem Kollegen empfehlen:

"World Congress on Lung Cancer: Tabak tötet"

Bitte tragen Sie auch die Absenderdaten vollständig ein, damit Sie der Empfänger erkennen kann.

Die mit (*) gekennzeichneten Angaben müssen eingetragen werden!

Die Verwendung Ihrer Daten für den Newsletter können Sie jederzeit mit Wirkung für die Zukunft gegenüber der rsmedia GmbH widersprechen ohne dass Kosten entstehen. Nutzen Sie hierfür etwaige Abmeldelinks im Newsletter oder schreiben Sie eine E-Mail an: info[at]rsmedia-verlag.de.