Donnerstag, 28. Mai 2020
Navigation öffnen

Medizin

24. April 2019 Wundheilung: Individuelle Implantate aus körpereigenem Material sollen Regeneration beschleunigen

Ein Schnitt im Finger, ein aufgeschürftes Knie oder auch nur ein Kratzer auf der Hautoberfläche – der menschliche Körper hilft sich selbst, kleinere Wunden schließen sich scheinbar von allein. Wie lassen sich diese Selbstheilungskräfte für die regenerative Medizin nutzen? Diese Frage steht im Mittelpunkt des Forschungsvorhabens „Patientenspezifische Implantate aus Eigenblutspenden“, das am Institut für Mehrphasenprozesse (IMP) an der Fakultät für Maschinenbau angesiedelt ist.
Anzeige:
Individuelle Implantate

„Bisherige Implantate retten den Menschen, aber sie regenerieren ihn nicht vollständig“, sagt Dr.-Ing. Marc Müller, Oberingenieur am IMP, der das Vorhaben betreut. Der Heilungsprozess des Körpers werde zwar unterstützt, trotzdem handele es sich in der Regel um körperfremde Werkstoffe, die eingesetzt würden und die nicht alle Menschen gleich gut vertragen. Die Vorteile eines individuellen Implantats liegen dabei klar auf der Hand: Die Prothese wäre kein Fremdkörper, wodurch Unverträglichkeiten so gut wie ausgeschlossen wären.

Verwendung von körpereigenem Material

Um dies zu erreichen – beispielsweise beim Ersatz von Blutgefäßen – will sich der Wissenschaftler die Eigenschaften des Gerinnungssystems des menschlichen Blutes zu Nutze machen und Implantate aus körpereigenem Material – in diesem Fall aus Blut – entwickeln. Wenn die Haut verletzt wird, schließt der Körper zunächst die Wunde, um den Blutverlust zu stoppen und zu vermeiden, dass Fremdkörper eindringen. Die Thrombozyten ändern dabei ihre Form. Aus einer winzig kleinen, flachen Scheibe wird ein Gebilde, dessen Form einem Seeigel gleicht: eine Kugel, aus deren Oberfläche lange, gespinstartige Fäden wachsen.

Verbindung aktivierter Thrombozyten

Diese aktivierten Thrombozyten verbinden sich miteinander, es entsteht zunächst ein gerüstartiges Gebilde. In einem zweiten Schritt wird dieses Gebilde durch spezifische Bluteiweiße verfestigt. Diese Eiweiße legen sich um das gerüstartige Gebilde und verkleben es, vergleichbar mit Mörtel, der eine Hauswand aus Steinen zusammenhält. Gleichzeitig mit ihrer Formänderung senden Thrombozyten spezifische Botenstoffe aus, die das Wachstums von Gefäßzellen fördern.

Vernetzung der Trägerstruktur

Die Idee ist nun, dieses Prinzip der Gerinnung sowie Gefäßregeneration gezielt anzuwenden und damit Prothesen herzustellen, beispielsweise Blutgefäßprothesen, die eingesetzt werden, um verletzte oder verschlossene Gefäße zu ersetzen. In ersten Versuchen mit Schweineblut ist es bereits gelungen, poröse Trägerstrukturen aus Blutproteinen herzustellen, welche gleichzeitig die aus Thrombozyten gewonnenen Wachstumsfaktoren beinhalteten. Nun geht es um den entscheidenden Schritt, die Konstruktion so zu verfestigen, dass sie im Körper über den gewünschten Zeitraum stabil ist. Dafür wollen die Wissenschaftler ein neuartiges Verfahren zur Vernetzung der Trägerstruktur entwickeln, welches auf den natürlichen Gerinnungsprozess zurückgreift.

Das Fernziel ist ein Konzept für eine Geräteentwicklung, mit der eine Herstellung von individuellen Implantaten aus Eigenblut möglich wird. Auf diese Weise können die Implantate direkt vor Operationen in Krankenhäusern hergestellt werden.

Quelle: Leibniz Universität Hannover


Anzeige:
Fachinformation

Das könnte Sie auch interessieren

Lymphknoten–Transplantation: Hilfe bei Lymphödemen

Lymphknoten–Transplantation: Hilfe bei Lymphödemen
© pixologic / fotolia.com

Neues Verfahren bietet erstmals Heilungschance bei Lymphstauungen. Vor allem Krebspatienten haben darunter zu leiden: Zwar ist der Krebs erfolgreich behandelt, doch zurück bleiben Folgen wie beispielsweise Lymphstauungen an Armen und Beinen. Meist handelt es sich um geschwollene, schmerzende Extremitäten, in denen die Lymphflüssigkeit nicht mehr abfließen kann, weil das feine System der dafür nötigen Kanäle beschädigt wurde. Bisher konnten nur die Symptome gelindert werden, oft eine unbefriedigende und lebenslang leidvolle Situation für die...

Arzneimittelbehörden rufen weltweit zur verstärkten Meldung von Nebenwirkungen auf

Arzneimittelbehörden rufen weltweit zur verstärkten Meldung von Nebenwirkungen auf
© nmann77 / fotolia.com

In einer gemeinsamen Kampagne fordern derzeit Arzneimittelbehörden weltweit Patientinnen und Patienten dazu auf, ihnen verstärkt Verdachtsfälle von Nebenwirkungen zu melden. Ein besonderer Fokus liegt in diesem Jahr auf dem Appell, Verdachtsfälle von Nebenwirkungen bei Kindern zu melden. Weitere Zielgruppen sind Schwangere sowie stillende Frauen, die eine sichere Anwendung von Arzneimitteln sowie die Meldung möglicher Nebenwirkungen sensibilisiert werden sollen. In Deutschland werden diese Meldungen durch das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte...

Vorsorgevollmacht: Auch für Jüngere relevant

Vorsorgevollmacht: Auch für Jüngere relevant
©Maridav - stock.adobe.com

„Im Moment mache ich mir große Sorgen. Aus den Medien habe ich erfahren, dass ein schwerer Verlauf der Covid-19-Erkrankung auch jüngere Menschen ohne Vorerkrankungen treffen kann. Schutzmaßnahmen wie regelmäßiges Händewaschenund Abstandhalten setze ich alle um. Aber wie regele ich meine Angelegenheiten, falls ich doch erkranke und das so schwer, dass ich meinen Willen nicht mehr äußern kann?“ Martin S., Hannover

Sie können folgenden Inhalt einem Kollegen empfehlen:

"Wundheilung: Individuelle Implantate aus körpereigenem Material sollen Regeneration beschleunigen "

Bitte tragen Sie auch die Absenderdaten vollständig ein, damit Sie der Empfänger erkennen kann.

Die mit (*) gekennzeichneten Angaben müssen eingetragen werden!

Die Verwendung Ihrer Daten für den Newsletter können Sie jederzeit mit Wirkung für die Zukunft gegenüber der rsmedia GmbH widersprechen ohne dass Kosten entstehen. Nutzen Sie hierfür etwaige Abmeldelinks im Newsletter oder schreiben Sie eine E-Mail an: info[at]rsmedia-verlag.de.


EILMELDUNGEN zu SARS-CoV-2 und COVID-19
  • Auch Bayern lockert „Corona“-Beschränkungen – Ab dem 15. Juni sollen auch in Bayern unter Einhaltung der Abstands- und Hygieneregeln Kinos und Theater wieder öffnen (dpa, 26.05.2020).
  • Auch Bayern lockert „Corona“-Beschränkungen – Ab dem 15. Juni sollen auch in Bayern unter Einhaltung der Abstands- und Hygieneregeln Kinos und Theater wieder öffnen (dpa, 26.05.2020).

Cookies

Diese Webseite benutzt Cookies, um den Nutzern das beste Webseiten-Erlebnis zu ermöglichen. Ausserdem werden teilweise auch Cookies von Diensten Dritter gesetzt. Weitere Informationen erhalten Sie in den Allgemeine Geschäftsbedingungen und in den Datenschutzrichtlinien.

Verstanden