Montag, 13. Juli 2020
Navigation öffnen

Medizin

10. Mai 2012 Zielgerichtete Therapien für Rheumatoide Arthritis und weitere Autoimmunerkrankungen im Fokus der Forschung

Das in den internationalen EULAREmpfehlungen zur Behandlung der RA festgehaltene „Tight Control“-Konzept schreibt ein engmaschiges Monitoring der Krankheitsaktivität innerhalb von 12 Wochen und im Bedarfsfall eine Anpassung der Therapie vor.(1) Zudem konnte man in Studien zu Biologika feststellen, dass ein Therapieansprechen nach 12 Wochen mit der langfristigen Prognose korreliert – je besser das Ansprechen zu Woche 12, desto höher die Wahrscheinlichkeit einer niedrigen Krankheitsaktivität nach einem Jahr. (2)
Anzeige:
Basistext
Daten für Certolizumab Pegol (Cimzia®) aus der Zulassungsstudie RAPID 1 zeigten, dass ein DAS28-Ansprechen* mit Certolizumab Pegol für 72% der Patienten bereits nach 6 Wochen und für 87% der Patienten nach 12 Wochen möglich war. (3) Für diese „Responder“ besteht somit eine langfristig gute Prognose, wie eine post-hoc Analyse der RAPID 1-Studie belegte. (4) Dagegen sollte bei den 13% der Patienten, die zu diesem Zeitpunkt kein Ansprechen auf Certolizumab Pegol aufwiesen, die Therapie konsequent abgebrochen werden. Bei diesen „Non-Respondern“ sind die Chancen auf das Erreichen der Therapieziele* definiert als DAS28-Verbesserung ≥ 1,2 Remission oder niedrige Krankheitsaktivität äußerst gering. Aus klinischer Sicht sei damit die Grundlage für eine zuverlässige Therapieentscheidung nach 12 Wochen gegeben, schlussfolgerte Wollenhaupt.

Wie es damit in einem praxisnahen und realistischen Setting aussieht, stellte Wollenhaupt beim UCB-Kamingespräch anhand aktueller Daten aus der für 12 Wochen angelegten doppelblinden Phase-IIIb-Studie REALISTIC vor: „Im Gegensatz zur Zulassungsstudie RAPID 1 mit weitgehend homogener Patientenpopulation umfasste REALISTIC auch Patienten, die bereits mit ein oder zwei TNFα-Inhibitoren erfolglos vorbehandelt wurden“, führte Wollenhaupt, REALISTIC-Studienleiter in Deutschland,
aus. (5) Nach 12 Wochen zeigte sich eine statistisch signifikante Verbesserung des DAS28(CRP)-Ansprechens um -1,75 Punkte in der Gruppe der Patienten, die Certolizumab Pegol zusätzlich zu ihrer bestehenden Therapie (z.B. mit synthetischen
DMARDs) in der Studie erhielten. In der Kontrollgruppe betrug die DAS28(CRP)- Verbesserung -0,87 Punkte. Bereits zu Woche 2 war eine sprunghafte Abnahme der Krankheitsaktivität unter Certolizumab Pegol um -1,08 Punkte gegenüber -0,39 in der Placebo-Gruppe festzustellen. (5) „Ein schneller DAS28-Rückgang heißt für den Patienten ja im Grunde nichts anderes, als dass auch Entzündungsaktivität und Schmerzintensität rasch abnehmen – und genau das streben wir Rheumatologen als Therapieziel an“, stellte Wollenhaupt klar.

Schnelles Ansprechen für Arzt und Patient relevant

Anhand ausgewählter Patient-Reported Outcomes der REALISTIC-Studie führte Wollenhaupt weiter aus, dass ein schnelles Therapieansprechen unmittelbar für den Patienten spürbar sei. So nahmen körperliche Funktionseinschränkungen (gemessen am HAQ-DI-Score) analog zur Verringerung der Krankheitsaktivität innerhalb von 12 Wochen deutlich ab (um -0,43 Punkte gegenüber -0,21 Punkte in der Placebogruppe). (6) „Je weniger Gelenke entzündet sind, desto besser kann der Bewegungsapparat im Alltag genutzt werden“, erklärte Wollenhaupt.

Ein weiterer wichtiger Parameter für RA-Patienten sei Wollenhaupt zufolge der entzündungsbedingte Schmerz – denn Schmerzfreiheit ermögliche nicht nur eine bessere Teilhabe am sozialen Leben und einen erholsamen Schlaf, sondern reduziere auch die Komedikation. In der REALISTIC-Studie verringerten sich Arthritisschmerzen (gemessen über VAS) unter Certolizumab Pegol bereits nach zwei Wochen deutlich (-15,5 Punkte vs. -3,0 Punkte unter Placebo); die Schmerzabnahme setzte sich bis Woche 12 weiter fort (-21,1 Punkte vs. -7,9 Punkte). (7)

FαsT: Certolizumab Pegol im Praxistest

Die nicht-interventionelle Studie FαsT soll nun untersuchen, welche Relevanz ein schnelles Ansprechen mit Certolizumab Pegol im klinischen Alltag besitzt. Die von Wollenhaupt vorgestellte Interim-Analyse zeigte erste positive Daten: Bereits nach 12 Wochen war bei über der Hälfte der 104 Patienten aus deutschen Studienzentren der Zustand einer Remission (DAS(CRP)28 ≤ 2,6) oder niedrigen Krankheitsaktivität (DAS(CRP)28 ≤ 3,2) erreicht, nachdem diese mit Certolizumab Pegol gemäß der
Fachinformation behandelt wurden. (8)
Hinsichtlich der Verträglichkeit zeigten sich in REALISTIC und FαsT keine neuen Signale im Vergleich zu den Zulassungsstudien RAPID 1 und RAPID 2. Häufig beobachtete Nebenwirkungen waren Infektionen, z. B. der oberen Atemwege oder Harnwege, wie sie auch bereits in Studien mit anderen TNFα-Inhibitoren beobachtet wurden.

Ausblick: Certolizumab Pegol bei Erkrankungen aus dem Formenkreis der Spondyloarthritiden

Wie die Entwicklung für Certolizumab Pegol weitergehen könnte, erläuterte Professor Jürgen Braun, Rheumazentrum Ruhrgebiet, Herne, als Studienleiter zweier Phase-III-Studien mit dem anti-TNF in den Indikationen axiale Spondyloarthritis (axiale SpA) und Psoriasis Arthritis (PsA).§ „Dank der neuen ASAS-Klassifikationskriterien kann die axiale SpA nun in einem frühen Stadium diagnostiziert werden. Somit ist es möglich, auch im Rahmen von klinischen Prüfungen zu untersuchen, ob ein früher Therapiebeginn mit hoch-spezifischen Wirkstoffen wie TNFα-Inhibitoren langfristig eine bessere Prognose für Patienten mit axialer SpA ermöglichen kann“, erläuterte Braun. Eine Phase-III-Studie mit Certolizumab Pegol hat – erstmals unter Anwendung der neuen ASAS-Klassifikationskriterien – genau dies zum Ziel. In der 24-wöchigen Doppelblindphase werden zwei Dosierungsregime von Certolizumab Pegol getestet (200mg alle 2 Wochen und 400mg alle 4 Wochen, jeweils nach Anfangsdosis von 400 mg zu Woche (0, 2, 4). Primärer Endpunkt ist ASAS20-Response zu Woche 12, ein weiterer wichtiger Endpunkt ist die Beurteilung der radiographisch sichtbaren Veränderungen an der Wirbelsäule (SPARCC-Wert) nach 12 Wochen. Eine offene Erweiterungsstudie soll zudem die langfristige Behandlung mit Certolizumab Pegol bis zu Woche 158 untersuchen.
Ein ähnliches Studiendesign liegt der Phase-III-Studie zu PsA mit Certolizumab Pegol zugrunde. Als primäre Studienendpunkte sind hier die ACR20-Response zu Woche 12 sowie die Veränderung des mTSS-Radiologie-Scores zu Woche 24 festgelegt. Die langfristigen Ergebnisse einer Therapie mit Certolizumab Pegol bis zur Woche 158 soll auch hier eine offene Erweiterungsstudie liefern. Auf Basis erster Auswertungen ließ sich in dieser Indikation bereits feststellen, dass zu Woche 12 klinisch relevante und statistisch signifikante Verbesserungen bei Anzeichen und Symptomen der PsA unter der Therapie mit Certolizumab Pegol möglich waren. Zudem traten keine neuen Unverträglichkeitshinweise im Vergleich zu anderen Studien mit Certolizumab Pegol auf. Die Studie umfasste 409 Patienten mit Krankheitsbeginn der PsA im Erwachsenenalter.

Als Schwerpunkt der Forschungsanstrengungen von UCB gilt der Bereich Immunologie, wo derzeit neben Certolizumab Pegol die Wirkstoffe Epratuzumab, anti-Sclerostin, Olokizumab sowie ein CD40L-Antikörper untersucht werden, wie Dr. Hans-Joachim Kreutzenbeck, Leiter des Bereichs Medical Affairs Immunology der UCB Pharma GmbH, beim Kamingespräch erläuterte.

Epratuzumab wird derzeit in der Indikation Systemischer Lupus Erythematodes (SLE) in dem groß angelegten Phase-III Studienprogramm EMBODY untersucht. Der Wirkstoff ist gezielt gegen CD22 auf der Oberfläche der B-Zellen gerichtet, was einen neuen Ansatz in der SLE-Therapie darstellt. „Aufgrund der Schwere sowie der vielfältigen klinischen Ausprägungen der Erkrankung besteht weiterhin ein großer Bedarf, Wirkstoffe zur Behandlung von SLE zu entwickeln“, so Kreutzenbeck. Mit dem CD40LAntikörper wird zudem noch ein weiterer Wirkstoff zur Behandung von SLE untersucht (momentan in einer Phase-I-Studie).
Das Potential für einen Paradigmenwechsel in der Behandlung von Knochenerkrankungen wie der post-menopausalen Osteoporose (PMO) könnte der Wirkstoff anti-Sclerostin aufweisen: In einer Phase-I-Studie konnte eine erhöhte Knochenmineraldichte (Bone Mineral Density, BMD) festgestellt werden, die sowohl durch eine gesteigerte Knochenbildung als auch reduzierte Knochenresorption zustande kam. (9) „Wenn weitere Studien diese Beobachtung bestätigen, wäre anti-Sclerostin der erste Wirkstoff in der PMO-Behandlung, der sowohl osteoanabole als auch anti-resorptive Eigenschaften in sich vereinigt“, malte Kreutzenbeck aus. In einer 12-monatigen Phase-II-Studie mit etwa 400 post-menopausalen Frauen mit niedriger
Knochenmineraldichte zeigte sich ein signifikanter Anstieg der Knochenmineraldichte der Lendenwirbelsäule nach 12 Monaten mit anti-Sclerostin im Vergleich zur Placebo-Gruppe. Zudem war auch im Vergleich zu den zwei aktiven Vergleichssubstanzen Teriparatid und Alendronat eine positive Wirkung festzustellen. Der Sclerostin-Antikörper wird derzeit in einer Phase-III-Studie untersucht.
Abschließend wies Kreutzenbeck noch auf den IL-6-Antikörper Olokizumab hin, der in einer laufenden Phase-IIb-Studie gegen eine aktive Vergleichssubstanz (Tocilizumab i.v.) untersucht wird. Darin eingeschlossen sind etwa 220 Patienten mit aktiver RA und erfolgloser vorheriger TNFα-Inhibitor-Behandlung. Primärer Endpunkt ist die DAS28(CRP)-Veränderung zu Woche 12. Kreutzenbeck zeigte sich abschließend zuversichtlich, dass UCB durch die Forschungsbemühungen auf dem Gebiet der Immunologie zielgerichtete Therapien bei Rheumatoider Arthritis und weiteren schweren Autoimmunerkrankungen entwickeln kann, die das Potenzial haben, Patienten mit diesen Erkrankungen eine bessere Lebensqualität zu ermöglichen.

Patienten, die Placebo statt Certolizumab Pegol zusätzlich zur bestehenden Therapie erhielten
Patienten mit auswertbarem DAS28(CRP)-Wert zu Woche 0 und 12 der Interim-Analyse

Literaturhinweis:
(1) Smolen J et al. Ann Rheum Dis 2010;69(6):964-75
(2) Aletaha D et al. Arthritis & Rheumatism 2007; 56(10): 3226–3235
(3) UCB data on file
(4) Keystone E et al. J Rheum 2011;38(6):990–996
(5) Weinblatt M et al. Poster 1253, ACR 2011
(6) Weinblatt M et al. Poster Fri0214, Eular 201
(7) UCB data on file
(8) Burmester GR et al. Poster RA.45, DGRh 2011
9 Padhi D, et al. J Bone Miner Res. 2011; 26(1): 19–26

Quelle: UCB


Anzeige:
Fachinformation

Das könnte Sie auch interessieren

Jetzt gegen Grippe impfen lassen

Jetzt gegen Grippe impfen lassen
© Eisenhans / Fotolia.com

Die vergangene Grippesaison 2016/2017 sorgte in Deutschland für rund sechs Millionen Infektionen. Wer sich diesen Winter vor einer Grippe schützen möchte, sollte sich jetzt impfen lassen. „Der Körper benötigt nach der Grippeimpfung rund zwei Wochen, bis ein ausreichender Virenschutz aufgebaut ist. Wer sich rechtzeitig auf das größte Ansteckungsrisiko vorbereiten will, sollte also jetzt zum Arzt gehen“, sagt Dr. Ursula Marschall, leitende Medizinerin bei der BARMER. Insbesondere ältere Menschen mit Risiko für einen schweren...

Lückenschluss zwischen ambulanter und stationärer Versorgung

Lückenschluss zwischen ambulanter und stationärer Versorgung
© upixa - stock.adobe.com

Das Universitätsklinikum Leipzig (UKL) erweitert sein Angebot für Patienten mit chronischen Schmerzen durch die Eröffnung einer neuen Schmerztagesklinik. Die Patienten kommen jeden Morgen zur Behandlung und erhalten nach einem individuellen Behandlungsplan ihre Therapien. In Seminaren erfahren sie Wissenswertes über krankheits- und schmerzbezogene Themen. Am Nachmittag gehen die Patienten dann wieder nach Hause. Sie bleiben somit in ihrem häuslichen Umfeld integriert – mit allen Aufgaben und Belastungen – und können beispielsweise ihre...

Sie können folgenden Inhalt einem Kollegen empfehlen:

"Zielgerichtete Therapien für Rheumatoide Arthritis und weitere Autoimmunerkrankungen im Fokus der Forschung"

Bitte tragen Sie auch die Absenderdaten vollständig ein, damit Sie der Empfänger erkennen kann.

Die mit (*) gekennzeichneten Angaben müssen eingetragen werden!

Die Verwendung Ihrer Daten für den Newsletter können Sie jederzeit mit Wirkung für die Zukunft gegenüber der rsmedia GmbH widersprechen ohne dass Kosten entstehen. Nutzen Sie hierfür etwaige Abmeldelinks im Newsletter oder schreiben Sie eine E-Mail an: info[at]rsmedia-verlag.de.


EILMELDUNGEN zu SARS-CoV-2 und COVID-19
  • USA offiziell aus der Weltgesundheitsorganisation (WHO) ausgetreten – Der Austritt wird in einem Jahr gültig (dpa, 08.07.2020).
  • USA offiziell aus der Weltgesundheitsorganisation (WHO) ausgetreten – Der Austritt wird in einem Jahr gültig (dpa, 08.07.2020).

Cookies

Diese Webseite benutzt Cookies, um den Nutzern das beste Webseiten-Erlebnis zu ermöglichen. Ausserdem werden teilweise auch Cookies von Diensten Dritter gesetzt. Weitere Informationen erhalten Sie in den Allgemeine Geschäftsbedingungen und in den Datenschutzrichtlinien.

Verstanden