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Medizin

22. Mai 2017 Zusammenhang zwischen Myalgischer Enzephalomyelitis, Chronischem Fatigue-Syndrom und Darmbakterien

Forscher des Center for Infection and Immunity haben abnormale Werte spezifischer Darmbakterien bei Patienten mit Myalgischer Enzephalomyelitis bzw. Chronischem Fatigue-Syndrom (ME/CFS) festgestellt. Dabei waren Personen mit und ohne Reizdarmsyndrom betroffen.
Bei ME/CFS handelt es sich um eine komplexe und sehr beeinträchtigende Erkrankung, die neben extremer Erschöpfung nach einer Anstrengung auch zu Muskel- und Gelenkschmerzen, Schlafstörungen und einer orthostatische Intoleranz führen kann. Bis zu 90% der Betroffenen leiden auch an einem Reizdarmsyndrom.

Die Forscher haben 50 Patienten begleitet und verglichen ihre Werte mit jenen 50 gesunder Kontrollpersonen. Sie führten Tests auf Bakterienarten in Stuhlproben und auf Immunmoleküle in Blutproben durch. Dabei zeigte sich, dass die Werte bestimmter Bakterienarten wie Faecalibacterium, Roseburia, Dorea, Coprococcus, Clostridium, Ruminococcus und Coprobacillus eng mit ME/CFS zusammenhingen.

Ihre kombinierte relative Häufigkeit schien eine entsprechende Diagnose vorherzusagen. Alle weiteren Forschungsergebnisse bestätigten den vermuteten Zusammenhang. Bei Teilnehmern mit ME/CFS entsprach die Schwere der Symptome inklusive Schmerzen und Erschöpfung der Häufigkeit bestimmter Arten von Bakterien und Stoffwechselwegen.

Charakteristisches Mikrobiom

Bei Immunmarkern konnten keine Veränderungen nachgewiesen werden. Dieses Ergebnis dürfte auf den Mangel an Studienteilnehmern zurückzuführen sein, die erst seit kurzem erkrankt waren. Frühere Studien wiesen darauf hin, dass derartige Veränderungen erst durch einen entsprechenden Vergleich sichtbar werden.

Laut Studienautorin Dorottya Nagy-Szakal verfügen Patienten mit ME/CFS über einen charakteristischen Mix von Darmbakterien und damit einhergehenden Störungen des Stoffwechsels, die die Schwere der Erkrankung beeinflussen. Forschungsleiter W. Ian Lipkin zufolge trägt die Identifizierung der beteiligten Bakterien entscheidend zur genaueren Diagnose und damit zu gezielteren Behandlungsmöglichkeiten bei.
 
Anm. d. Red.: Kommentar von PD Dr. med. Tim Hagenacker, Essen: "Beim ME/CSF handelt es sich um kein klar definiertes Krankheitsbild, wobei es viele Patienten mit ähnlichen Beschwerdenbildern gibt. Ob es sich um eine oder mehrere Krankheiten handelt, bleibt bis heute unklar. Entsprechend sind die Ergebnisse hier wichtig, aber mit Vorsicht zu interpretieren."

Quelle: pte

Literatur:

Nagy-Szakal D, Williams BL, Mishra N et al.
Fecal metagenomic profiles in subgroups of patients with myalgic encephalomyelitis/chronic fatigue syndrome.
Microbiome. 2017 Apr 26;5(1):44. doi: 10.1186/s40168-017-0261-y.
https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/28441964


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