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Medizin
17. März 2021

AFFIRM-AHF: Eisensubstitution mit i.v. Eisencarboxymaltose

Bis zu 80% der Patienten mit akuter Herzinsuffizienz (HI) können gleichzeitig einen Eisenmangel aufweisen (2). Diese Komorbidität geht unabhängig vom Vorhandensein einer Anämie mit einer schlechten Lebensqualität (3, 4) sowie einem erhöhten Risiko für Hospitalisierung (5) und Tod (5) einher. In der AFFIRM-AHF-Studie wurde daher untersucht, welchen Nutzen die Eisensubstitution mit i.v. Eisencarboxymaltose (ferinject®) bei Patienten hat, die wegen einer akuten HI eingewiesen wurden und nach der Stabilisierung gleichzeitig einen Eisenmangel aufwiesen (1). Nach Publikation der Daten auf der Jahrestagung der American Heart Association AHA 2020 und in The Lancet (1) wurden die Ergebnisse heute der deutschen Fachpresse vorgestellt.
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Es konnte weiterhin gezeigt werden, dass Patienten, die Eisencarboxymaltose erhielten, signifikant seltener erneut auf Grund der HI stationär behandelt werden mussten: Nach 52 Wochen betrug die relative Risikoreduktion gegenüber Placebo 26% (1). Weitere Endpunkte, in denen sich Eisencarboxymaltose als überlegen erwies, waren die Zeit bis zur ersten HI-bedingten Hospitalisierung oder kardiovaskulärem Tod (p=0,030) (1). Außerdem profitierten Patienten der mit Eisencarboxymaltose behandelten Gruppe von weniger verlorenen Tagen aufgrund HI-bedingter Hospitalisierung oder kardiovaskulärer Mortalität (p=0,035) (1). Beide dieser Gegebenheiten sind sehr stark miteinander verwoben: so steigt die Sterblichkeit von herzinsuffizienten Patienten mit der Anzahl ihrer HI-bedingten Krankenhauseinweisungen an (6). Ein Anstieg der Mortalität wurde in der AFFIRM-AHF-Studie nicht beobachtet, die Inzidenz des kardiovaskulären Todes in den beiden Armen war vergleichbar (HR=0,96;
95%-KI: 0,70-1,32; p=0,809) (1).

COVID-19-Sensitivitätsanalysen untermauern Effekte von Eisencarboxymaltose

AFFIRM-AHF verfehlte beim primären Endpunkt – die Kombination aus kardiovaskulärem Tod und Rehospitalisierung aufgrund einer Herzinsuffizienz – die statistische Signifikanz knapp (RR=0,79; 95%-KI: 0,62-1,01; p=0,059) (1). Allerdings überlappte die Nachbeobachtungszeit der Studie zeitlich mit der ersten Welle der COVID-19-Pandemie. Es ist bekannt, dass die Hospitalisierungen in der Kardiologie im Jahr 2020 im Vergleich zu 2019 europaweit zurückgingen (7). Internationale Fachgesellschaften und Behörden empfehlen daher, Sensitivitätsanalysen durchzuführen, um den potenziell verzerrenden Effekt der COVID-19-Pandemie auf Studienergebnisse zu eliminieren (1). Eine entsprechende präspezifizierte Analyse der AFFIRM-AHF-Daten, in der Ereignisse nach Beginn der Pandemie zensiert wurden, ergab auch für den primären Endpunkt eine signifikante Risikoreduktion durch Eisencarboxymaltose um 25% (RR=0,75; 95%-KI: 0,59–0,96; p=0,024) (1). Bei den anderen bereits signifikanten Effekten stieg in der Sensitivitätsanalyse das Signifikanzniveau an (1). 

Eisenmangel bei HI-Patienten unterdiagnostiziert

Eisencarboxymaltose wurde insgesamt gut toleriert, neue sicherheitsrelevante Signale traten nicht auf. Schwere unerwünschte Ereignisse waren in Anzahl und Art in beiden Behandlungsarmen vergleichbar (45% (Verum-Arm) vs. 51% (Placebo-Arm) (1).
Obwohl ein Eisenmangel bei ca. 50% der HI-Patienten vorliegt (8), wird er noch viel zu selten diagnostiziert (9). Daher sollten HI-Patienten regelmäßig auf einen Eisenmangel untersucht werden, damit ihnen im Fall der Fälle der Nutzen einer Eisensubstitution nicht vorenthalten wird und rechtzeitig gegengesteuert werden kann.

Quelle: Vifor

Literatur:

(1) Ponikowski P, et al. AFFIRM-AHF investigators. Ferric carboxymaltose for iron deficiency at discharge after acute heart failure: a multicentre, double-blind, randomised, controlled trial. Lancet. 2020; 396(10266): 1895–1904.
(2) Cohen-Solal A, et al. High prevalence of iron deficiency in patients with acute decompensated heart failure. Eur J Heart Fail. 2014; 16(9): 984–991.
(3) Comin-Colet J, et al. Iron deficiency is a key determinant of health-related quality of life in patients with chronic heart failure regardless of anaemia status. Eur J Heart Fail 2013;15(10):1164–1172.
(4) Enjuanes C, et al. Iron deficiency and health-related quality of life in chronic heart failure: results from a multicenter European study. Int J Cardiol. 2014; 174(2): 268–275.
(5) Martens P, et al. Impact of iron deficiency on exercise capacity and outcome in heart failure with reduced, Mid-Range and preserved Ejection Fraction. Acta Cardiol. 2018; 73(2): 115–123.
(6) Lin AH, et al. Repeat Hospitalizations Predict Mortality in Patients With Heart Failure. Mil Med. 2017; 182(9): e1932-e1937.
(7) Sokolski M, et al. Impact of Coronavirus Disease 2019 (COVID-19) Outbreak on Acute Admissions at the Emergency and Cardiology Departments Across Europe. Am J Med. 2020; doi: 10.1016/j.amjmed.2020.08.043 [Epup ahead of print].
(8) Klip IT et al. Iron deficiency in chronic heart failure: an international pooled analysis. Am Heart J 2013; 165(4): 575–582. (Internationale, multizentrische, prospektive Beobachtungsstudie)
(9) Mistry R, et al. Iron deficiency in heart failure, an underdiagnosed and undertreated condition during hospitalization. Ann Hematol. 2019; 98(10): 2293–2297.


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