Freitag, 14. Mai 2021
Navigation öffnen
Anzeige:
OFEV
OFEV
Medizin
01. Februar 2021
Seite 1/3

Altes Molekül im Aufwind – mRNA als Tumorvakzine

Derzeit dreht sich alles um SARS-CoV2, und mRNA-Impfstoffe werden immer wieder als Neuheit gepriesen. Doch an mRNA-Ansätzen für Prophylaxe und Therapie wird schon seit Jahrzehnten geforscht. Das alte Wirkprinzip kombiniert mit modernem Next Generation Sequencing (NGS) bietet neue Möglichkeiten bei der Entwicklung individualisierter Tumorvakzine.
Anzeige:
Pneumovax
Pneumovax
RNA – uraltes Molekül – neue Chancen

Messenger RNA (mRNA) ist das Bindeglied zwischen der Erbinformation in Form von DNA und den zellulären Proteinen. Sobald eine Zelle Signale zum Ablesen ihrer DNA erhält, wird mRNA gebildet, ins Zytoplasma der Zelle transportiert und als Matrize für die Proteinsynthese genutzt. mRNA ist ein ideales Transportmolekül für zelluläre Erbinformation, besitzt die Fähigkeit zum Self-Assembly und ist in Form von Ribozymen katalytisch aktiv (1).
Eine der Theorien zur Entstehung unseres Lebens, die RNA-Welt-Hypothese, geht sogar davon aus, dass unser Leben vor mehr als 3,5 Milliarden Jahren aus RNA entstand. Diese sich selbst reproduzierenden RNA-Moleküle haben sich laut Theorie zu Mikrotröpfchen zusammengefunden und so den Ursprung der heutigen Zellen gebildet. Als es später zur Entwicklung von DNA und Proteinen kam, blieb die RNA als Bindeglied zwischen beiden erhalten (2).

Erste Ansätze mit mRNA in der Medizin

Seit Paul Ehrlichs These, dass unser Immunsystem auch gegen Krebserkrankungen vorgeht, untersucht die Wissenschaft Möglichkeiten für die Therapie. So wurde in den 1990er Jahren immer deutlicher, dass T-Zellen tatsächlich in der Lage sind, Tumorzellen zu erkennen, was die Idee der Immuntherapie förderte (3). Seitdem wird auch untersucht, wie mithilfe von mRNA tumorspezifische T-Zell-Antworten induziert und verstärkt werden können. Im Jahr 2000 wurde dann von dem späteren Mitbegründer des Unternehmens CureVac erstmals publiziert, dass sowohl nackte als auch Liposomen-verpackte RNA-Protein-Komplexe spezifische T-Zellen und Antikörper induzieren (4). Nach diesen Experimenten im Mausmodell wurden 2008 die ersten Daten einer klinischen Phase-I/II-Studie mit Melanom-Patienten veröffentlicht, die Sicherheit und Machbarkeit des Verfahrens unter Einsatz von Gesamt-RNA aus Metastasen zeigten (5).
Seitdem wird weltweit an therapeutischen Tumorvakzine-Ansätzen gearbeitet, immer mit dem Ziel, eine spezifische T-Zell-Aktivität gegen Tumorantigene zu erwirken. Die verschiedenen Ansätze reichen von Antigen-beladenen dendritischen Zellen, Vektor-basiertem Antigen Delivery bis zu RNA-Nanopartikel-basierten Strategien (6, 7).

Von Tumor-assoziierten-Antigenen zu Neoantigenen

Tumor-assoziierte-Antigene wie überexprimierte Antigene, Differenzierungsantigene und Testisantigene, können zwar in Patienten nachgewiesen werden, zeigen aber unterschiedlich gute Tumorspezifität und sind damit weniger gut als Antigen zur Vakzinierung geeignet. Dagegen scheinen tumorspezifische Antigene wie onkovirale Antigene, allgemeine Neoantigene (shared neoantigens, durch onkogene Drivermutationen entstanden) und individuelle Neoantigene ideal. Die Identifizierung von Tumorantigenen erfolgt inzwischen mittels NGS auf unternehmenseigenen Technologieplattformen wie EDGE (gritstoneoncology.com), RECON (Neon Therapeutics), FixVac (BioNTech) u.a. auf der Basis von Maschinellem Lernen. Die Fähigkeit zur Stimulation spezifischer T-Zell-Antworten wird in-vitro und in-vivo verifiziert (6, 7).
 
Vorherige Seite

Anzeige:
FIASP
FIASP
 

Das könnte Sie auch interessieren

Falsches Sitzen im Homeoffice und zu wenig Bewegung: Klinikum Nürnberg gibt Tipps für einen gesunden Rücken!

Falsches Sitzen im Homeoffice und zu wenig Bewegung: Klinikum Nürnberg gibt Tipps für einen gesunden Rücken!
©Proxima Studio - stock.adobe.com

Statistiken zufolge ging im vergangenen Jahr jeder 12. Fehltag in Deutschland* auf das Konto von Rückenschmerzen. Spätestens seitdem rund ein Viertel der Berufstätigen mit dem Laptop im Esszimmer sitzt und „Homeoffice macht“, nimmt die Zahl der Menschen mit Beschwerden im Kreuz zu. Anlässlich des Tags der Rückengesundheit erklärt Dr. med. Sabine Rikart, Oberärztin der Abteilung für Physikalische Therapie im Klinikum Nürnberg, wie schon Kleinigkeiten Rückenschmerzen vermeiden oder zumindest lindern können.

Nüsse sind kein Ersatz für die Darmspiegelung

Nüsse sind kein Ersatz für die Darmspiegelung
© fredredhat / Fotolia.com

Magen-Darm-Ärzte mahnen zur Vorsicht bei Meldungen über bestimmte Nahrungsmittel, die vor Krebs schützen sollen. „Öffentliche Erklärungen wie gerade mal wieder von Ernährungswissenschaftlern der Uni Jena über den Schutzmechanismus von Nüssen sind eher irreführend als hilfreich“, betont Dr. Dagmar Mainz, die Sprecherin der niedergelassenen Magen-Darm-Ärzte. „Auch Nusskonsumenten sind vor Darmkrebs nicht gefeit. Sicherheit bietet nur die Darmspiegelung.“

Patiententag auf dem DKOU: Was Arthrose-Patienten wissen sollten

Patiententag auf dem DKOU: Was Arthrose-Patienten wissen sollten
© wavebreak3 - stock.adobe.com

Arthrose ist die häufigste Erkrankung der Gelenke. Ihre Häufigkeit nimmt mit dem Alter zu. Im 6. Lebensjahrzehnt weist nahezu jeder Fünfte im Röntgenbild eine Knie- oder Hüftgelenksarthrose auf. Doch nur 20 bis 30 % dieser Patienten haben zu diesem Zeitpunkt bereits Beschwerden. Die kürzlich aktualisierte Leitlinie Hüftarthrose zeigt auf, wann und wie Patienten mit und ohne Symptome behandelt werden sollten und was sie selbst zu einer gelungenen Therapie beitragen können. Auf dem Patiententag des Deutschen Kongresses für Orthopädie und...

Sie können folgenden Inhalt einem Kollegen empfehlen:

"Altes Molekül im Aufwind – mRNA als Tumorvakzine"

Bitte tragen Sie auch die Absenderdaten vollständig ein, damit Sie der Empfänger erkennen kann.

Die mit (*) gekennzeichneten Angaben müssen eingetragen werden!

Die Verwendung Ihrer Daten für den Newsletter können Sie jederzeit mit Wirkung für die Zukunft gegenüber der Medical Tribune Verlagsgesellschaft mbH - Geschäftsbereich rs media widersprechen ohne dass Kosten entstehen. Nutzen Sie hierfür etwaige Abmeldelinks im Newsletter oder schreiben Sie eine E-Mail an: info[at]rsmedia-verlag.de.


EILMELDUNGEN zu SARS-CoV-2 und COVID-19
  • Corona-Regeln werden für Geimpfte und Genesene gelockert
  • Corona-Regeln werden für Geimpfte und Genesene gelockert