Donnerstag, 29. Juli 2021
Navigation öffnen
Anzeige:
Delstrigo/Pifeltro
Delstrigo/Pifeltro
Medizin
26. Juli 2017

Atemwegserkrankungen: Bewegung und physikalische Therapie helfen

Bewegungstraining und physikalische Therapie sind wichtige Säulen der pneumologischen Rehabilitation und können bei Patienten mit Atemwegserkrankungen wie COPD oder Asthma zur Steigerung der Leistungsfähigkeit und zu mehr Lebensqualität führen, so das Fazit der Experten beim Bad Reichenhaller Kolloquium am 23. Juni 2017 in Bad Reichenhall.
Anzeige:
Pneumovax
Pneumovax
Die nicht-medikamentöse Therapie von Atemwegserkrankungen besteht aus 3 Säulen: Patientenschulung, Bewegungs- und Trainingstherapie sowie der physikalischen Therapie mit dem Erlernen von Selbsthilfetechniken. „Bewegung verbessert die Prognose und steigert die Lebensqualität“, betonte Prof. Wolfgang Petro, Bad Reichenhall. Neben dem Bewegungstraining sei auch die physikalische Therapie wichtig. Die richtige Hustentechnik hilft unter anderem bei der Bronchialreinigung. Zur Lösung des festsitzenden Bronchialschleims (Mukosekretolyse) kommen auch Atemtherapiegeräte (beispielsweise GeloMuc®) zum Einsatz.

Anhand verschiedener Studien zeigten Experten beim Bad Reichenhaller Kolloquium, was Bewegung, beispielsweise Vibrationstraining, und Inspirationsmuskeltraining hinsichtlich Leistungssteigerung und Lebensqualität bewirken können.

Vibrationstraining als Add-on-Therapie: Leistungssteigerung ohne zusätzliche kardiopulmonale Belastung

In Untersuchungen zum Vibrationstraining im Rahmen der stationären Rehabilitation zeigte Dr. phil. Rainer Glöckl, Schönau, wie Vibrationstraining COPD-Patienten als Add-on-Therapie unterstützen kann. Die Patienten führten ein zusätzliches Training durch: Eine Gruppe macht Kniebeugen auf dem Boden, die andere auf einer Vibrationsplatte. Die Verbesserung der 6-Minuten-Gehstrecke war bei Patienten mit Vibrationstraining signifikant höher als in der Kontrollgruppe, mit einer Differenz von 27 Metern zwischen den Gruppen (95% CI, 1-53, p=0,046) (1). In einer weiteren Studie konnte gezeigt werden, dass sich die Balancefähigkeit mit dem zusätzlichen Vibrationstraining im Vergleich zum Training auf dem Boden signifikant verbesserte. „Als Add-on-Therapie kann das Vibrationstraining zu einem Leistungsgewinn führen, am effektivsten ist das Training bei Patienten mit niedriger Leistungs- und Balancefähigkeit“, fasste Glöckl zusammen. Das Vibrationstraining stellt keine höhere kardiopulmonale Belastung im Vergleich zu einem Training am Boden dar (2).

Inspirationsmuskeltraining ersetzt nicht Bewegung

Die RIMTCORE-Studie verglich die Standard-Rehabilitation bei COPD mit einer Rehabilitation plus zusätzlichem Inspirationsmuskeltraining. „Der maximale Inspirationsdruck PImax konnte durch ein zusätzliches Inspirationsmuskeltraining gesteigert werden, aber es gab keinen signifikanten Unterschied bei der Leistungsfähigkeit und der Gehstrecke zwischen den beiden Gruppen“, erläuterte Dr. med. Konrad Schultz, Bad Reichenhall, die Studienergebnisse. „Die Standard-Reha zeigte in der Studie insgesamt sehr gute Effekte, beispielsweise in Bezug auf die Dyspnoe. Diese hielten auch nach 1 Jahr noch an“, berichtete Schultz. Die Studie zeige zudem deutlich, wie wichtig Bewegung ist: Patienten, die im Jahr danach 2x pro Woche Sport getrieben haben, hatten laut Schultz eine bessere Lebensqualität.

Physikalische Therapie – in der Reha und zu Hause

„Neben dem Bewegungstraining ist die physikalische Therapie und das Erlernen von Selbsthilfetechniken bei Atemwegserkrankungen von zentraler Bedeutung“, sagte Prof. Wolfgang Petro. Dazu gehöre das Erlernen von Hustentechniken zur Bronchialreinigung, außerdem Lagerungsdrainage und Vibrationsmassage. Ziel ist dabei immer, den Thorax in Vibration zu bringen. Das lässt die Bronchien ebenfalls vibrieren und sorgt so für eine Mukosekretolyse des festsitzenden, zähen Schleims.

Atemtherapiegeräte funktionierten nach dem gleichen Prinzip: Die durch das Ausatmen entstehenden Druckschwankungen versetzen die Atemluft und die Bronchien in Vibration. Dadurch werde der festsitzende Bronchialschleim gelöst, erklärt Petro.
GeloMuc® ist ein rein physikalisch wirkendes Atemtherapiegerät zur Mobilisation von festsitzendem, zähem Bronchialschleim z.B. bei chronischer Bronchitis, COPD, Asthma, Lungenemphysem, Bronchiektasen und Mukoviszidose. Es führt zu einer substanziellen Symptomverbesserung, weniger Husten, Auswurf und Atemnot, einer Verbesserung der körperlichen Belastbarkeit bei Arbeit und Sport sowie der Verbesserung des Nachtschlafs (3, 4).

Quelle: Pohl-Boskamp

Literatur:

(1) Gloeckl R et al. Respir Med. 2012 Jan;106(1):75-83.
(2) Gloeckl R et al. Respir Med. 2017 May;126:17-24.
(3) Cegla UH, Retzow A. Pneumologie 1993;47:636-639
(4) Samransamruajkit R et al. Pediatr Asthma Allergy Immunol 2003;16:295-303


Anzeige:
Medical Cloud
Medical Cloud
 

Das könnte Sie auch interessieren

Lymphknoten–Transplantation: Hilfe bei Lymphödemen

Lymphknoten–Transplantation: Hilfe bei Lymphödemen
© pixologic / fotolia.com

Neues Verfahren bietet erstmals Heilungschance bei Lymphstauungen. Vor allem Krebspatienten haben darunter zu leiden: Zwar ist der Krebs erfolgreich behandelt, doch zurück bleiben Folgen wie beispielsweise Lymphstauungen an Armen und Beinen. Meist handelt es sich um geschwollene, schmerzende Extremitäten, in denen die Lymphflüssigkeit nicht mehr abfließen kann, weil das feine System der dafür nötigen Kanäle beschädigt wurde. Bisher konnten nur die Symptome gelindert werden, oft eine unbefriedigende und lebenslang leidvolle Situation für die Betroffenen. Die plastischen Chirurgen am...

Diabetes Typ 2: Informationen und Unterstützung trotz Kontaktbeschränkungen

Diabetes Typ 2: Informationen und Unterstützung trotz Kontaktbeschränkungen
©fotomek - stock.adobe.com

Sie kann sich schleichend entwickeln, jahrelang keine Symptome hervorrufen und trotzdem bereits unbemerkt Organe schädigen: Diabetes Typ 2 ist eine chronische Stoffwechselerkrankung, die häufig erst im Zusammenhang mit weiteren gesundheitlichen Beschwerden festgestellt wird, zum Beispiel am Herz-Kreislauf- oder Nervensystem. Über 90% der mehr als 8 Millionen Menschen mit Diabetes mellitus in Deutschland weisen den Typ 2 auf. Viele neudiagnostizierte Betroffene fühlen sich nach der Diagnose zunächst von der Komplexität der Erkrankung und ihrer Therapie überfordert. Aufgrund der...

Haustierbisse nicht unterschätzen - Mit Bissverletzungen immer zum Arzt gehen

Haustierbisse nicht unterschätzen - Mit Bissverletzungen immer zum Arzt gehen
©helga1981 - stock.adobe.com

Bissverletzungen von Haustieren dürfen keinesfalls unterschätzt werden. Darauf weist die Deutsche Gesellschaft für Unfallchirurgie (DGU) hin. Was manchmal zunächst harmlos aussieht, sollte trotzdem ernst genommen werden. Denn bei einem Biss werden Krankheitserreger des Tieres auf den Menschen übertragen. Die Eintrittspforte kann sich dabei sofort verschieben und somit verschließen. Unbehandelt können schwere Entzündungen entstehen, bei denen neben der Haut auch Muskeln, Sehnen, Nerven und Knochen dauerhaft geschädigt werden können. Daher...

Diabetes – eine unterschätzte Herausforderung in der Pflege

Diabetes – eine unterschätzte Herausforderung in der Pflege
© Robert Kneschke / fotolia.com

Die stetig steigende Zahl an pflegebedürftigen Menschen mit Diabetes stellt eine wachsende Herausforderung dar. Mit dem Kompaktkurs „Basisqualifikation Diabetes Pflege DDG“ bietet die DDG praktische Hilfe und vermittelt Sicherheit bei der Pflege von Patienten mit Diabetes. Von der DDG qualifizierte Trainer bieten diese Kurse überregional an. Eine Liste der Trainer ist auf der Website abrufbar. Die Trainerteams verfügen sowohl über diabetologisch-ärztliche als auch über Diabetes beratende und pflegerische Qualifikationen. Die Fortbildung für Pflegende umfasst 16 Stunden und kostet 275 Euro....

Urologen geben Entwarnung: Sorgen vor Zeugungsunfähigkeit sind unbegründet

Urologen geben Entwarnung: Sorgen vor Zeugungsunfähigkeit sind unbegründet
@ deagreez / Fotolia.com

Eine neue Studie zur männlichen Fruchtbarkeit, veröffentlicht in der Fachzeitschrift "Human Reproductive Update", sorgt derzeit für Aufsehen. Die Untersuchungen von Mediziner Hagai Levine und seinem Team der Hebräischen Universität Jerusalem zeigen, dass die Spermienanzahl von Männern aus westlichen Ländern immer weiter abnimmt. Laut den Wissenschaftlern ist die Spermienanzahl pro Milliliter Sperma um etwa 52 Prozent gesunken. Bei der Gesamtzahl der Spermien pro Samenerguss gaben die Forscher sogar einen Rückgang von nahezu 60 Prozent an....

Sie können folgenden Inhalt einem Kollegen empfehlen:

"Atemwegserkrankungen: Bewegung und physikalische Therapie helfen"

Bitte tragen Sie auch die Absenderdaten vollständig ein, damit Sie der Empfänger erkennen kann.

Die mit (*) gekennzeichneten Angaben müssen eingetragen werden!

Die Verwendung Ihrer Daten für den Newsletter können Sie jederzeit mit Wirkung für die Zukunft gegenüber der Medical Tribune Verlagsgesellschaft mbH - Geschäftsbereich rs media widersprechen ohne dass Kosten entstehen. Nutzen Sie hierfür etwaige Abmeldelinks im Newsletter oder schreiben Sie eine E-Mail an: info[at]rsmedia-verlag.de.


EILMELDUNGEN zu SARS-CoV-2 und COVID-19
  • CHMP empfiehlt SARS-CoV-2-Impfstoff von Moderna für Jugendliche von 12-17 Jahren (Quelle: PEI, 23.7.2021)
  • CHMP empfiehlt SARS-CoV-2-Impfstoff von Moderna für Jugendliche von 12-17 Jahren (Quelle: PEI, 23.7.2021)