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Medizin
01. April 2021

Atopische Dermatitis, Asthma und CRSwNP – Typ-2-Erkrankungen interdisziplinär behandeln

„Atopische Dermatitis (AD), Asthma und chronische Rhinosinusitis mit Nasenpolypen (CRSwNP) – diese Erkrankungen haben nur auf den ersten Blick nichts gemeinsam. Bei genauerer Betrachtung zeigt sich, dass sie verschiedene Manifestationen einer Typ-2-Inflammation sein können“, erklärte Professor Dr. Tilo Biedermann, München, und ergänzte: „Das zunehmende Wissen um die Gemeinsamkeiten in der Pathophysiologie macht deutlich, wie wichtig die interdisziplinäre Zusammenarbeit bei der Behandlung von Typ-2-Erkrankungen ist.“ Um diese Zusammenarbeit zu unterstützen, referierten und diskutierten beim Jahressymposium ADVENT (Advances in Type 2 Inflammatory Diseases) hochrangige Experten aus der Dermatologie, Pneumologie, Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde und Pädiatrie.
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Die Interleukine 4 und 13 als Treiber der Typ-2-Inflammation

Eine Typ-2-Inflammation kann sich an verschiedenen Grenzflächen manifestieren – bei Asthma in den Atemwegen, bei AD in der Haut und bei CRSwNP in der Nasenschleimhaut (1-8). „Eine wichtige Rolle bei der Entwicklung einer Typ-2-Inflammation spielen neben den T-Helfer-Zellen vom Typ-2 (TH2) auch innate lymphoide Zellen vom Typ-2 (ILC2)“ (9), so Biedermann. Er unterstrich, dass die zentralen Vermittler der Immunantwort, die sich zu einer Typ-2-Inflammation steigern kann, unter anderem die Botenstoffe Interleukin(IL)-4 und IL-13 sind (8). „Die übermäßige Expression dieser Schlüsselmediatoren der Typ-2-Inflammation geht mit Barriereschwäche, Dysbiose, Gewebehyperplasie und einem Remodelling einher“, erklärte der Experte. Darüber hinaus spielen insbesondere bei Asthma IL-5 und Eosinophile im Gewebe eine wichtige Rolle (10, 11).
Der vollständig humane monoklonale Antikörper Dupilumab (Dupixent®) hemmt durch eine duale Rezeptorblockade die Signalwege von IL-4 und IL-13 und greift so gezielt in die Typ-2-Inflammation ein (8, 12, 13). Von diesem Therapieansatz können bereits Menschen mit atopischer Dermatitis, Asthma und CRSwNP profitieren (12, 13).
 

Atopische Dermatitis: Schnelle und nachhaltige Verbesserung von Juckreiz und Hautläsionen

Professorin Dr. Natalija Novak, Bonn, Professor Dr. Andreas Wollenberg, München, und Professor Dr. Stephan Weidinger, Kiel, unterstrichen die hohe Krankheitslast, die mit einer AD einhergehen kann – unter anderem bedingt durch den quälenden Juckreiz und die dadurch verursachte Schlaflosigkeit (14-16). Novak erklärte: „Soziale Isolation, Depressionen und Angststörungen können schwerwiegende Folgen einer ausgeprägten atopischen Dermatitis sein. Aktuelle Daten zeigen, dass 9,3% der Patienten, deren AD unzureichend kontrolliert ist, eine Depression aufweisen.“(17) Die aktualisierte Leitlinie zur Behandlung der AD sieht für Patienten, bei denen trotz adäquater topischer Therapie die Krankheit nicht ausreichend behandelbar ist, eine Systemtherapie – u.a. mit Dupilumab – vor (18).

Dupilumab wird angewendet zur Behandlung von mittelschwerer bis schwerer AD bei Erwachsenen und Jugendlichen ab 12 Jahren und bei Kindern ab 6 Jahren mit schwerer AD, die für eine systemische Therapie in Betracht kommen (12, 13). Dupilumab zeigte ein anhaltendes Ansprechen mit signifikanter Verbesserung von Hautläsionen, Juckreiz und Lebensqualität – direkt nach Initialdosis (12, 13, 19-23).
 

Asthma: Bessere Lungenfunktion und weniger Exazerbationen unter Dupilumab

Die Nationale Versorgungsleitlinie sowie die aktuellen GINA-Leitlinien zur Behandlung von Asthma sehen orale Kortikosteroide (OCS) aufgrund der möglichen schwerwiegenden unerwünschten Nebenwirkungen nur noch in begründeten Fällen vor (24, 25). „Trotzdem erhält in Deutschland immer noch ein hoher Anteil an Patienten eine OCS-Langzeittherapie von mehr als 180 Tagen pro Jahr,“ (26) beklagte Dr. Henrik Watz, Großhansdorf.

Eine verträgliche Alternative kann Prof.Dr. Klaus Rabe, Großhansdorf, zufolge eine Therapie mit Dupilumab sein. Der monoklonale Antikörper kann eingesetzt werden zur Add-on-Erhaltungstherapie bei Erwachsenen und Jugendlichen ab 12 Jahren mit schwerem Asthma mit Typ-2-Inflammation, gekennzeichnet durch eine erhöhte Anzahl der Eosinophilen im Blut und/oder eine erhöhte exhalierte Stickstoffmonoxid-Fraktion (FeNO), das trotz hochdosierter inhalativer Kortikosteroide plus einem weiteren zur Erhaltungstherapie angewendeten Arzneimittel unzureichend kontrolliert ist (12, 13). Basis der Zulassung von Dupilumab in dieser Indikation war unter anderem die QUEST-Studie, die für Patienten mit schwerem Asthma unter Dupilumab eine Verbesserung der Lungenfunktion und eine Senkung der Exazerbationsrate zeigte (27). Dabei profitierten insbesondere jene Patienten von der Therapie, deren Eosinophilen- und FeNO-Werte erhöht waren (28).
 

CRSwNP: signifikanter Rückgang von Nasenpolypen und Rückkehr des Geruchsinns

Neben atopischer Dermatitis und Asthma ist die chronische Rhinosinusitis mit Nasenpolypen eine weitere Indikation von Dupilumab (12, 13). Die davon betroffenen Patienten leiden Professorin Dr. Claudia Rudack, Münster, zufolge unter nasaler Obstruktion bzw. Kongestion, Rhinorrhoe, Geruchsverlust und Druckschmerz. Diese Symptome können mit einer erheblichen Krankheitslast einhergehen und die Lebensqualität der Betroffenen stark beeinträchtigen (29). Bei etwa 80% der CRSwNP-Fälle liegt der Erkrankung eine Typ-2-Inflammation zugrunde (30).

Basis der Zulassung von Dupilumab zur Behandlung von CRSwNP-Patienten waren die positiven Ergebnisse der Phase-III-Studien SINUS-24 (24 Wochen) und SINUS-52 (52 Wochen) (31). Rudack betonte: „Die Therapie mit Dupilumab ging mit beeindruckenden Verbesserungen einher: Die Schwere der nasalen Verstopfung/Obstruktion sowie Anzahl und Größe der Nasenpolypen verbesserten sich unter dem monoklonalen Antikörper schnell und anhaltend. Unter Dupilumab benötigte außerdem ein geringerer Anteil an Patienten orale Kortikosteroide oder eine Operation als unter Placebo“ (31).

Dupilumab wies dabei über alle Indikationen und Altersgruppen hinweg ein günstiges Sicherheits- und Verträglichkeitsprofil auf (12, 13).
 

Gemeinsam Komorbiditäten aufdecken und adäquat behandeln

„Die Vielfalt der Erkrankungen mit einer zugrundeliegenden Typ-2-Inflammation sowie die Tatsache, dass viele Menschen mehr als eine Ausprägung der Entzündung aufweisen, macht eine exakte Diagnosestellung ebenso wichtig wie eine interdisziplinäre Behandlung“, erklärte Biedermann. So leiden beispielsweise knapp 36% der Patienten mit schwerem Asthma auch unter einer atopischen Dermatitis und etwa die Hälfte der AD-Patienten auch an Asthma (32, 33). Fast jeder zweite CRSwNP-Patient weist gleichzeitig eine Asthma-Erkrankung auf und rund 43% jener mit schwerem Asthma haben zusätzlich eine CRSwNP (34, 35). „Gerade mit Blick auf die Typ-2-Inflammation kann der Austausch zwischen den verschiedenen Fachrichtungen dazu beitragen, die Lebensqualität der Patienten zu verbessern“, so Biedermann abschließend.

Quelle: Sanofi

Literatur:

(1) Schleimer RP et al. J Allergy Clin Immunol 2017; 139: 1752-1761
(2) Saatian B et al. Tissue Barriers 2013; 1: e24333
(3) Sugita K et al. J Allergy Clin Immunol 2018; 141: 300-310
(4) Leung DYM et al. J Clin Invest 2004; 113: 651-657
(5) Suárez-Fariñas M et al. J Allergy Clin Immunol 2011; 127: 954-964
(6) Gittler JK et al. J Allergy Clin Immunol 2012; 130: 1344-1354
(7) Biedermann T et al. Front Immunol 2015; 6: 353
(8) Gandhi NA et al. Nat Rev Drug Discov 2016; 15: 35-505
(9) Ebihara T et al. Cells 2020; 9: 1193; doi: 10.3390/cells9051193
(10) Hammad H et al. Nat Rev Immunol 2008; 8: 193–204
(11) Robinson D et al. Clin Exp Allergy 2017; 47: 161–175
(12) Fachinformation Dupixent® 200 mg, Stand Januar 2021
(13) Fachinformation Dupixent® 300 mg, Stand Januar 2021
(14) Simpson EL et al. J Am Acad Dermatol 2016; 74(3): 491-8
(15) Ramirez FD et al. JAMA Pediatrics 2019; 173(5):e190025. doi:10.1001/jamapediatrics.2019.0025
(16) Silverberg JM et al. Ann All Asthma Immunol 2018; Sep;121(3): 340-347
(17) Treudler et al. J Eur Acad Dermatol Venereol 2020; 34(4): 810-816
(18) Werfel et al. S2k AWMF Leitlinie Neurodermitis. 2015:013-027 mit Amendment zur Systemtherapie 2020 :013-027
(19) Silverberg JI et al. J Am Acad Dermatol 2020; 82(6):1328-1336
(20) Paller AS et al. Am J Clin Dermatol 2020; 21(1): 119–131
(21) Canonica GW et al. Poster Präsentation auf der 33. Annual Meeting of the Eastern Allergy Konferenz (EAC); Palm Beach, FL, USA; August 16–18, 2020
(22) Cork MJ et al. Journal of Dermatological Treatment. 2020; 31(6): 606-614
(23) Blauvelt A et al. Lancet 2017; 389: 2287–2303
(24) Nationale VersorgungsLeitlinie Asthma, 4. Auflage 2020, Version 1; https://www.leitlinien.de/nvl/asthma; letzter Zugriff Februar 2021
(25) Global Initiative for Asthma. Global Strategy for Asthma management and prevention, 2019. Available fromwww.ginasthma.org
(26) Taube C et al. ERJ Open Res 2019; 5: 00092-2019; doi: 10.1183/23120541.00092-2019
(27) Castro M et al. N Engl J Med 2018; 378(26): 2486-2496
(28) Bourdin A et al. Allergy. 2020 doi: 10.1111/all.14611. Epub ahead of print
(29) Fokkens WJ et al. Rhinology 2020; 58: 1-464
(30) Chaaban MR et al. Am J Rhinol Allergy 2013; 27(6): 473-478
(31) Bachert C et al. Lancet 2019; 394(10209): 1638-1650
(32) Silverberg JM et al. Ann Allergy Asthma Immunol 2018; 121(5): 604-612
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(34) Khan A et al. Rhinology 2019; 57: 32-42
(35) Heffler E et al. J Allergy Clin Immunol Pract 2019; 7(5): 1462-1468


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