Freitag, 9. Dezember 2022
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Medizin

Botenstoff APRIL schützt vor atherosklerotischen Herzerkrankungen

Botenstoff APRIL schützt vor atherosklerotischen Herzerkrankungen
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Atherosklerose ist eine chronisch entzündliche Gefäßerkrankung, die ursächlich für die Entstehung von Herzinfarkten und Schlaganfällen verantwortlich und damit die weltweit häufigste Todesursache ist. Die Entstehung der Atherosklerose wird in erster Linie durch die Ablagerung von LDL-Cholesterin und die Ansammlung von Entzündungszellen in der Innenwand der Gefäße verursacht, was in weiterer Folge zum Aufbau atherosklerotischer Plaques führt. Forschende des Klinischen Institutes für Labormedizin der Medizinischen Universität Wien in Zusammenarbeit mit der Universität Lausanne (Schweiz) und der Universität Cambridge (England) haben nun entdeckt, dass ein Botenstoff namens „A Proliferation Inducing Ligand (APRIL)“ einen wesentlichen Schutz vor der Entstehung atherosklerotischer Plaques bietet. Die Studie wurde nun im Top-Journal „Nature“ publiziert.

APRIL – mögliche Zielstruktur zur Therapie von Autoimmunerkrankungen

Die Forschenden fanden im Tiermodell heraus, dass Mäuse, die APRIL nicht exprimieren, mehr Atherosklerose entwickelten. In weiterer Folge konnten sie auch zeigen, dass die Injektion von APRIL-neutralisierenden Antikörpern zur Entstehung größerer atherosklerotischer Plaques führt. Erstautor Dimitros Tsiantoulas von der MedUni Wien erklärt: „APRIL bindet an Immunrezeptoren, die hauptsächlich an der Oberfläche von B- Lymphozyten exprimiert werden und reguliert dadurch die Produktion von Antikörpern und das Überleben Antikörper-produzierender Zellen.“ Aus diesem Grund wird APRIL auch als mögliche Zielstruktur zur Therapie von Autoimmunerkrankungen untersucht.
 
 

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„Adaptive Toleranz“ balanciert Autoimmunreaktion aus

Erschienen am 08.09.2021Immunologen der Ulmer Universitätsmedizin haben ein neuartiges Modell entwickelt, das die Behandlung von Autoimmunerkrankungen oder die Impfstoff-Entwicklung revolutionieren könnte. Gemäß der „adaptiven Toleranz“ sind autoreaktive Antikörper keineswegs Krankheitstreiber, die der gesunde Organismus frühzeitig beseitigt. Vielmehr lösen sie die Bildung einer Antikörper-Klasse aus, die körpereigene Strukturen schützt. Die Ulmer Forschenden um Prof. Hassan Jumaa haben diesen Paradigmenwechsel zuerst im renommierten EMBO Journal beschrieben.

Erschienen am 08.09.2021undefined

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Protektive Wirkung von APRIL: Bindung der Proteoglykane

„Unsere ursprüngliche Hypothese war, dass APRIL aufgrund seiner Fähigkeit, die Eigenschaften von B-Lymphozyten – die eine wesentliche Rolle bei der Atherosklerose spielen zu regulieren, vor der Entstehung atherosklerotischer Plaques schützt. Diese Hypothese stellte sich jedoch als falsch heraus. Wir haben uns daher einer anderen – weniger bekannten nicht-immunologischen Eigenschaft von APRIL zugewandt, nämlich dessen Eigenschaft, Proteoglykane zu binden“ sagt der Forschungsgruppenleiter am Klinischen Institut für Labormedizin der MedUni Wien. Die Autoren und Autorinnen fanden zudem heraus, dass APRIL in großen Mengen von Arterien selbst produziert wird und dort das Proteoglykan Perlecan (oder Heparan Sulfate Proteoglycan 2) bindet. Perlecan ist ein großes Molekül, das einen wesentlichen Bestandteil der inneren Schicht von Arterien darstellt. Es konnte gezeigt werden, dass die Verabreichung eines APRIL-neutralisierenden Antikörpers in Mäusen, die eine Form von Perlecan exprimieren, welche APRIL nicht bindet, keinen Effekt mehr auf die Entstehung atherosklerotischer Plaques hatte. „Diese Daten zeigen eindeutig, dass die protektive Wirkung von APRIL in der Atherosklerose durch seine Eigenschaft, Proteoglykane in Arterien zu binden, vermittelt wird“, sagt Prof. Christoph Binder, MedUni Wien.
 
 

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Autoimmunhepatitis: Forschung an zellulärer Therapie

Erschienen am 15.09.2020Die Autoimmunhepatitis (AIH) ist eine seltene und chronisch verlaufende Erkrankung. Aufgrund einer Fehlregulierung des Immunsystems zerstört es die eigenen Leberzellen und löst so eine Hepatitis, eine Leberentzündung, aus. Im schlimmsten Fall kommt es zu einer Leberfibrose. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) unterstützt das Forschungsvorhaben der Klinik für Gastroenterologie und Hepatologie zur Entwicklung neuer zellulärer Therapien an der Medizinischen Fakultät der UDE zum Thema über zunächst 3 Jahre mit rund 340.000 Euro.

Erschienen am 15.09.2020undefined

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Neuer Ansatz in Behandlung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen?

Zuvor war bereits gezeigt worden, dass Perlecan die Ablagerung von LDL-Cholesterin in der Gefäßwand fördert, was dieser Studie zufolge durch APRIL reduziert wird. In weiterer Folge konnten die Studienautoren und -autorinnen einen spezifischen Antikörper identifizieren, der die Bindung von APRIL an Proteoglykane verstärkt und dadurch die Entstehung von Atherosklerose in Mäusen hemmte. „Die Entwicklung von Therapien, die die Bindung von APRIL an Proteoglykane erhöhen, könnte einen neuartigen Ansatz zur Behandlung atherosklerotischer Herz-Kreislauf-Erkrankungen darstellen“, betont Tsiantoulas.
 
 

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CME-Modul: Impfen bei Immundefizienz

Erschienen am 09.06.2021Das neue Online-CME-Modul zum Thema „Impfen bei Immundefizienz“ ist ab sofort verfügbar. Das kostenlose Modul entstand in Zusammenarbeit des Infektiologen Dr. Benjamin T. Schleenvoigt vom Universitätsklinikum Jena mit Pfizer. Es klärt darüber auf, was beim Impfen von immundefizienten Risikopatienten zu beachten ist.

Erschienen am 09.06.2021undefined

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Entdeckung bisher unbekannter Form „nc-APRIL“

Darüber hinaus untersuchten die Forschenden auch die Bedeutung von APRIL bei atherosklerotischen Gefäßerkrankungen im Menschen. Mithilfe verschiedenster Methoden, entwickelt von Pascal Schneider, Senior Researcher an der Universität Lausanne und Studien-Co-Autor, entdeckten sie eine weitere, bisher unbekannte Form von APRIL im menschlichen Blut, die sie „non-canonical APRIL“ (nc-APRIL) nannten. Im Unterschied zur bekannten Form von APRIL, welche sie nun als “canonical APRIL“ (c-APRIL) bezeichneten, bindet nc-APRIL ausschließlich Proteoglykane und nicht Immunrezeptoren. „Durch die Analyse von mehr als 3.000 Patientenproben konnten wir zeigen, dass die Blutspiegel von nc-APRIL das Risiko der Mortalität aufgrund kardiovaskulärer Erkrankungen vorhersagen. Das ist ein starker Hinweis dafür, dass die Bindung von APRIL an Proteoglykane auch eine wesentliche Rolle bei atherosklerotischen Herz-Kreislauf-Erkrankungen beim Menschen spielt“, so Binder.

Quelle: Universität Wien



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