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Medizin
26. März 2021

Chronische Schmerzen: Verbesserte Lebensqualität unter dauerhafter Opioidtherapie

Welche Faktoren sind bei der Behandlung chronischer Schmerzen mit Opioiden besonders zu beachten? Neben dem Ziel einer langanhaltenden und schnellen Analgesie steht auch die Lebensqualität der Patienten, beispielsweise durch schmerzfreien Schlaf, im Vordergrund. Wie dies in der Behandlung, zum Beispiel durch einen leicht umsetzbaren Therapiealgorithmus, besser erreicht werden kann und wie eng dies mit der Opioidwahl verknüpft ist, erklärte Dr. Johannes Horlemann, Kevelaer, im virtuellen Symposium „Opioide im multimodalen Konzept“ anlässlich des Deutschen Schmerz- und Palliativtags.
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Um dem Ziel einer konstanten Analgesie der Patienten näherzukommen, ist auch eine entsprechende Galenik von Bedeutung, erläuterte DGS-Präsident Dr. Horlemann: „Nicht nur die Substanz, sondern auch die Darreichungsform stellt eine wichtige Größe in der Verordnung von Opioiden dar.“ Eine zuverlässige Therapieoption bei starken (Tumor-)Schmerzen ist Hydromorphon in der 24-Stunden-Retardierung wie z.B. Hydromorphon Aristo® long. So vereinfacht der Wirkstoff durch ein schnelles Erstansprechen den Beginn der Behandlung: Dem DGS-PraxisRegister Schmerz mit Datensätzen von 16.726 Tumorpatienten nach, konnten von den 29% der mit Morphin Behandelten nur 22,3% ein erfolgreiches Ansprechen aufweisen, während von den 9,8% der Patienten, die ein Hydromorphon-24-Stunden-Retard erhielten, 66% erfolgreich therapiert wurden (1).

 
Abb. 1: Übersicht der Verordnungen von oralen WHO-Stufe-3-Retardopioiden und erfolgreichem Ansprechen (MOR=Morphin, OXY=Oxycodon, HYD=Hydromorphon, HAL= 24h-Hydromorphon-Retard, OTH=Others) (1)
Abb. 1: Übersicht der Verordnungen von oralen WHO-Stufe-3-Retardopioiden und erfolgreichem Ansprechen


Hydromorphon Präferenzsubstanz in der DGS Praxisleitlinie Tumorschmerz

Aufgrund pharmakologischer Eigenschaften und guter Verträglichkeit wurde Hydromorphon bereits in der DGS Praxisleitlinie Tumorschmerz (2) als Präferenzsubstanz aufgeführt. Da klinisch relevante Interaktionen mit dem Wirkstoff nicht stattfinden, ist die Substanz auch bei Multimedikation und Begleiterkrankungen wie Niereninsuffizienz geeignet.


Gute Compliance und Suchtprävention durch Einnahme von 1 Tablette für 24 Stunden

Die Frequenz der Medikamenteneinnahme kann sich sowohl auf die Adhärenz als auch vorbeugend auf eine mögliche Abhängigkeit auswirken. Die einmal tägliche Einnahme erleichtert die verschreibungsgemäße Compliance und bietet so größere Chancen für einen Erfolg der Therapie. Ergänzend unterstrich Dr. Jan-Peter Jansen, Berlin, in der Symposiumsdiskussion, dass die Möglichkeit, Tabletten zu teilen, den Einsatz in der Praxis erleichtert: „Wir setzen gerne eine halbierte Tablette, also halbierte Dosis, ein – dann hat der Patient auch das Gefühl, nur halb so krank zu sein.“ Die regelmäßige Tabletteneinnahme (by the clock) sorgt zusammen mit einer konstanten und langfristigen Wirkstofffreisetzung für ein geringeres Risiko, eine Sucht zu entwickeln. „Wichtig ist, dass wir schnelles Anfluten vermeiden und möglichst retardierte Optionen einsetzen“, betonte Horlemann in seinem Vortrag die Rolle der Retardpräparate in der Suchtprävention.


Schmerzspitzen reduzieren für durchgehenden Schlaf

Eine lang anhaltende Wirkung von Opioiden zeigt jedoch auch positive Effekte bei der Vermeidung von End-of-dose-failure (EOD). Diese Schmerzspitzen, die bei einem vorzeitigen Schwinden der analgetischen Wirkung der Basisschmerzmedikation auftreten, wurden im PraxisRegister Schmerz unter Morphingabe bei 31,4% der Patienten festgestellt, bei der Oxycodoneinnahme betrug der Patientenanteil mit Schmerzspitzen 26,2% (1). Mit Abstand am geringsten fiel End-of-dose-failure bei der Verabreichung von Hydromorphon als 24-Stunden-Retard mit 7,4% aus (1). Dies ist vor allem für den durchgängigen Schlaf von Patienten bedeutsam, der bei kurzfristig wirkenden Mitteln durch schmerzbedingtes Erwachen gestört werden kann.

 

Abb. 2: Unterschiede in der Häufigkeit von End-of-dose-failures der untersuchten Opioide (1)
Abb. 2: Unterschiede in der Häufigkeit von End-of-dose-failures der untersuchten Opioide


Fazit

Wird ein 24-Stunden-Hydromorphon-Retard als long acting opioid (LAO) eingesetzt, können mehrere Schlüsselfaktoren des Alltags wesentlich erleichtert werden. Bei der Gabe des 24-Stunden-Präparats haben Patienten Dr. Horlemann nach eine höhere Chance, eine volle Schafperiode ohne Schmerzspitzen zu erreichen, ein geringeres Risiko einer möglichen Opioidabhängigkeit, kann nach der Einstellungsphase die Verkehrstüchtigkeit erhalten werden und die Patienten mobil, beispielsweise für einen Arztbesuch mit dem Auto, bleiben. Entsprechend fasste Dr. Peter Besuch, Dessau, den abgestimmten Einsatz von Opioiden für eine verbesserte Lebensqualität der Patienten zusammen: „Zur Verfügung stehende Arzneiformen mit unterschiedlicher Galenik bieten die Möglichkeit der bedarfsadaptierten und schonenden Applikation.“

Quelle: Aristo

Literatur:

(1) Überall MA et al. Differenzialtherapie tumorbedingter Schmerzen mit typischen Opioiden. Schmerzmedizin, Mai 2020, Jg. 36, Nr. 3, Seite 24-31
(2) Horlemann D, PraxisLeitlinie Tumorschmerz V2.0 (2014). Deutsche Gesellschaft für Schmerztherapie (DGS) e.V. Verfügbar im Internet https://dgs-praxisleitlinien.de/application/files/9814/6399/5856/ PLL_tumor_fk_Normalansicht.pdf (Abgerufen am 15.03.2021).


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