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06. November 2019
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Chronischer Schmerz: Präventionsprojekt PAIN2020

Nach eineinhalbjähriger Aufbauzeit sind bundesweit rund 20 schmerzmedizinische Zentren dem von der Deutschen Schmerzgesellschaft e.V. und der BARMER ins Leben gerufenen Projekt PAIN2020 beigetreten. Ab sofort können Patienten, die schon längere Zeit an Schmerzen leiden, an dem Forschungsprojekt teilnehmen. Interessierte erhalten beim Teledoktor der BARMER unter der Telefonnummer 0800 8484 333 weitere Informationen. „Handeln, bevor Schmerzen chronisch werden – das ist der Grundgedanke des bundesweiten Projekts PAIN2020, dessen innovativer Untersuchungsansatz und dessen Behandlungsmodule nun getestet werden“, sagt Thomas Isenberg von der Deutschen Schmerzgesellschaft e.V. anlässlich des Deutschen Schmerzkongresses 2019 in Mannheim.
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Die Deutsche Schmerzgesellschaft e.V. und die BARMER haben gemeinsam ein Programm entwickelt, das speziell auf Patienten mit Schmerzen zugeschnitten ist. Es richtet sich an Menschen, die bereits eine längere Zeit Schmerzen haben. „Wenn Schmerzen langanhaltend sind, sprechen wir von chronischen Schmerzen, die sich stark auf alle Belange des Lebens auswirken. Neben dem Dauerschmerz können Depressionen, Angst- und Schlafstörungen sowie Konzentrationsschwierigkeiten auftreten“, weiß Prof. Dr. med. Claudia Sommer, Präsidentin der Deutschen Schmerzgesellschaft e.V. und Leitende Oberärztin und Schmerzforscherin an der Neurologischen Klinik und Poliklinik des Uniklinikums Würzburg. Lange Krankschreibungen infolge der herabgesetzten Arbeitsfähigkeit folgen häufig. PAIN2020 (Patientenorientiert. Abgestuft. Interdisziplinär. Netzwerk) setzt früher an und ermöglicht eine interdisziplinäre Diagnostik und individuelle Therapieempfehlung für Risikopatienten.
 
Ein Risiko für eine Chronifizierung von Schmerzen besteht, wenn diese beispielsweise länger als 6 Wochen andauern oder immer wieder zurückkehren, obwohl der Patient in fachspezifischer Behandlung ist“, erklärt Sommer. Auch wenn die Lebensqualität durch den Schmerz beeinträchtigt sei oder aufgrund der Schmerzen schon eine Arbeitsunfähigkeit bestehe, kann es sich um einen Risikopatienten handeln.
PAIN2020 wird vom Innovationsfonds des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) mit 7 Millionen Euro gefördert und läuft über 3 Jahre. Rund 20 Kliniken, Schmerzzentren und Schmerzambulanzen sind bereits PAIN2020-Zentren und haben die ersten Patienten in das Projekt aufgenommen. Weitere Zentren kommen in den nächsten Wochen hinzu. Insgesamt sollen 6.000 Patienten in das Programm aufgenommen werden.
Am Anfang der Behandlung steht ein Assessment. Der Patient wird umfassend von einem Team aus Ärzten, Psychologen und Physiotherapeuten untersucht, die im Anschluss eine interdisziplinäre multimodale Empfehlung geben. Das Team informiert und berät den Patienten gemeinsam, welche Therapie ambulant, stationär oder in einer Tagesklinik für ihn angemessen ist.
 
In dem Forschungsprojekt werden 2 verschiedene, jeweils interdisziplinäre und multimodale (Schmerz) Therapiemodule erprobt, die die üblichen Therapieformen in der ambulanten Versorgung ergänzen sollen: Beim Therapiemodul „Edukation (E-IMST)“ handelt es sich um eine einmalige Schulung: Der Patient erhält in einer 3 Stunden dauernden Gruppenschulung Basisinformationen zu Ursachen und Formen sowie zur Bewältigung von Schmerzen und über die Bedeutung von Eigenverantwortung in der Anwendung schmerzreduzierender Strategien. Das Therapiemodul „Begleitende Therapie (B-IMST)“ umfasst 30 Stunden, verteilt über 10 Wochen. In Gruppen von 8 Patienten werden die Teilnehmer ebenfalls über die Erkrankung und die Methoden der Schmerzbewältigung informiert sowie dabei unterstützt, selbstverantwortlich mit körperlichen und psychischen Bedürfnissen umzugehen und Strategien im Umgang mit Schmerzen und anderen Belastungen zu entwickeln.

Thomas Isenberg, Geschäftsführer der Deutschen Schmerzgesellschaft e. V. betont: „Mit PAIN2020 werden neue Wege beschritten: Noch bevor die Schmerzen chronisch werden und ein langer Leidesweg beginnt, wird interveniert. Das Forschungsprojekt erprobt, was der Chronifizierung am besten entgegenwirkt. Und das kann dann spätestens im Jahr 2021 allen Patienten zu Gute kommen, wenn die Behandlungsansätze von PAIN2020 in die Regelversorgung übernommen werden.“

Quelle: Deutsche Schmerzgesellschaft


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