Samstag, 25. Juni 2022
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Medizin

COPD: Neue Substanz zur bronchodilatatorischen Erhaltungstherapie

Auch für Patienten mit COPD ist die Inhalation gleichsam die Therapie der Wahl. Als Basismedikamente spielen dabei antiinflammatorisch wirksame Kortikosteroide und Bronchodilatatoren die zentrale Rolle. Weil sich seit einigen Jahren die Neuzulassungen erstmals in der langen Geschichte der Pneumologie häufen, dürfte der individuell maßgeschneiderten Medikation die Zukunft gehören. Zu den COPD- und Asthmamedikamenten neuerer Provenienz gehört auch der inhalative Wirkstoff Aclidinium (Bretaris®), der mit dem atemzugsgesteuerten Trockenpulver-Inhalator Genuair® appliziert wird. Bei Aclidinium handelt es sich um einen neuen und  langwirksamen muskarinischen Antagonisten (LAMA), der sich gut mit langwirksamen Beta-Agonisten (LABA) zur dualen Bronchodilatation kombinieren lässt.

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Sichtlich angetan von der Fülle der neuen therapeutischen Optionen zeigte sich Prof. Helgo Magnussen, Großhansdorf. Dennoch ist es nach wie vor nicht einfach, einen klaren therapeutischen Algorithmus zu finden, denn die je nach GOLD-Stadium vorliegende jeweilige Lungenfunktion kann einmal gut, ein andermal schlecht mit der Häufigkeit und dem Schweregrad der Exazerbationen korrelieren. Gesichert ist indessen, dass die LABA+LAMA-Fixkombinationen für die Lungenfunktion von Vorteil sind, versicherte Magnussen. Zudem sind intravenös verabreichte LAMA den LABA überlegen. Ob Fixkombinationen einmal oder zweimal täglich inhaliert werden, sollte von der COPD-Symptomatik abhängig gemacht werden. 

Signifikanter Rückgang der Exazerbationen

Wie es um Wirksamkeit und Verträglichkeit von Aclidinium bestellt ist, wurde in der doppelblinden und multizentrischen Phase-III-Studie ACCORD-COPD-1 unter die Lupe genommen. Teilnehmer der zwölfwöchigen Untersuchung waren 561 Frauen und Männer mit einem Durchschnittsalter von 63 Jahren. Darunter befanden sich aktive und Ex-Raucher mit mindestens zehn Packungsjahren. Stets signalisierte die Lungenfunktion eine mittelschwer bis schwer ausgeprägte COPD. Die Patienten wurden in drei Gruppen randomisiert und bekamen jeweils zweimal täglich 200 µg oder 400 µg Aclidinium oder Placebo, jeweils mit dem Inhalator Genuair®.

Primärer Studienendpunkt nach zwölf Wochen war der Trough-FEV1-Wert, der vor der morgendlichen Inhalation bestimmt und mit dem Ausgangswert verglichen wurde. Es stellte sich heraus, dass beide Verum-Dosierungen gegenüber Placebo zu einer hochsignifikanten Verbesserung der Lungenfunktion geführt hatten, berichtete Dr. Jutta Beier, Wiesbaden. Es zeigte sich ferner, dass die spirometrischen Daten jener Gruppe, die 400 µg Aclidinium bekommen hatte, deutlich besser ausfielen. So konnten unter täglich zweimal 400 µg Aclidinium ein Trough-FEV1 von 124 ml und ein Peak-FEV1 von 192 ml gemessen werden.

Bezogen auf alle COPD-Schweregrade pro Patient und Jahr betrug die Exazerbationsrate unter Placebo 0,79, aber unter zweimal täglich 400 µg Verum lediglich 0,41. Und das entspricht fast einer Halbierung. Zudem benötigten die Patienten unter Verum nach zwölf Wochen signifikant seltener eine Salbutamol-Notfallmedikation. Signifikante Verbesserungen wurden auch bei der krankheitsbezogenen Lebensqualität und dem Schweregrad der Dyspnoe festgestellt.

Effektive und sichere COPD-Dauerbehandlung

In der doppelblinden und randomisierten Phase-III-Studie ATTAIN, an der 828 Frauen und Männer mit mittelschwerer bis schwerer COPD teilnahmen, war die die 400-µg-Dosis der 200-µg-Dosis von Aclidinium ebenfalls überlegen. Die Patienten waren mindestens 40 Jahre alt und aktive oder ehemalige Raucher mit mindestens zehn Packungsjahren. Nach Applikation von Bronchodilatatoren lag ihr FEV1/FVC-Verhältnis unter 70%. Die Studie hatte eine Laufzeit von 24 Wochen.

Im Vergleich zu Placebo kam es unter zweimal täglich 400 µg Aclidinium zu einer signifikanten Verbesserung der Parameter der Lungenfunktion und zu einer Reduktion der Exazerbationsrate um 33%. Unter der genannten Dosierung stieg die Zahl der Tage signifikant an, an denen die Patienten auf eine Notfallmedikation verzichten konnten. Das  Nutzen/Risiko-Profil von zweimal täglich 400 µg Aclidinium wurde als überzeugend beurteilt. Selten zeigten sich Nebenwirkungen anticholinerger und anderer Art. Nach den Worten von Beier ist von Aclidinium eine effektive und sichere Dauertherapie zu erwarten.

Verzicht auf Kortison möglich

Befindet sich der COPD-Patient in einer stabilen Phase, kann er auf das inhalative Steroid verzichten, ohne mit einer Zunahme der Exazerbationen rechnen zu müssen. Dann reicht die duale Bronchodilatation allein aus. Das ist das überraschende Resultat einer internationalen Studie mit 2.488 Teilnehmern unter der Leitung von Magnussen, wie auf dem ERS-Kongress mitgeteilt wurde.   

Quelle: Medienseminar der Berlin-Chemie AG "COPD-Therapie heute - noch viel Luft nach oben?" anlässlich des Kongresses der European Respiratory Society (ERS), München, 6. September 2014


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