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Medizin

17. Dezember 2020 COPD: Optimierung der Therapie

In der Therapie der chronisch-obstruktiven Lungenerkrankung (COPD) besteht trotz einer Vielzahl von Therapieoptionen Optimierungsbedarf. Zu diesem Schluss kam eine Expertenrunde am 25.11.2020 im Rahmen eines virtuellen Round-Tables. Unter dem Titel „Die Abwärtsspirale stoppen – COPD neu bewerten“ sprachen 3 Experten über aktuelle Daten aus der Versorgung, die psychologische Komponente der COPD und Erfahrungen aus dem Praxisalltag. Dabei trat ein Aspekt besonders hervor: Verschlechterungsschübe, sogenannte Exazerbationen, müssen verhindert werden, denn sie können den Verlauf der fortschreitenden und letztendlich tödlichen Erkrankung maßgeblich negativ beeinflussen.
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Unter dem Motto „Living well with COPD – everybody everywhere“ machte der diesjährige Welt-COPD-Tag auf die derzeitigen Standards der COPD-Therapie aufmerksam. Die COPD ist mit über 3 Millionen Todesfällen jährlich (1) die dritthäufigste Todesursache weltweit (2) – in Deutschland die sechsthäufigste (3, 4). Typisch für die Erkrankung ist ein chronisch-progredienter Verlauf, bei dem sich der Zustand – insbesondere die Lungenfunktion – der PatientInnen zunehmend und unumkehrbar verschlechtert. Dieses Fortschreiten wird besonders durch Exazerbationen, d.h. akute Verschlechterungen, vorangetrieben: Aktuelle Studiendaten zeigen, dass bereits eine mittelschwere Exazerbation zu einer beschleunigten Abnahme der Lungenfunktion führen kann. Zudem steigt das Hospitalisierungsrisiko um 21% (5). „Wir nennen dieses Phänomen auch ‚Drehtür-Effekt‘“, erklärt Prof. Dr. Claus Vogelmeier, Direktor der Lungenabteilung am Universitätsklinikum Marburg. „Die Wahrscheinlichkeit, dass PatientInnen nach einer stationären Behandlung erneut ins Krankenhaus müssen, steigt mit jeder Exazerbation. Die Erkrankung nimmt also an Fahrt auf.“

Das Dilemma der COPD-Therapie

Trotzdem werden solche schubhaften Verschlechterungen, den aktuellen Leitlinien (6, 7) entsprechend, häufig als Therapiemarker verwendet, was für ÄrztInnen ein Dilemma darstellt: Therapieoptionen zur Prävention entsprechender Ereignisse kommen vielfach erst dann zum Einsatz, wenn diese bereits eingetreten sind. So gaben 74% von 300 befragten Allgemeinmedizinern in einer Umfrage von AstraZeneca an, dass sie Exazerbationen als Anlass nehmen, die Therapie der PatientInnen anzupassen (8). Wie wichtig es jedoch ist, diese zu vermeiden und frühzeitig vorbeugend tätig zu werden, zeigt auch, dass laut Befragung der Verlust an Lebensqualität und die Angst vor dem Ersticken PatientInnen am meisten belastet (8). Beides wird durch Exazerbationen verstärkt. In einem zu Beginn des virtuellen Round-Tables gezeigten Films beschrieb ein Betroffener diese Erfahrung eindrücklich: Es fühle sich an, als ob sich Hände um seinen Hals legen würden. Eine weitere Patientin vergleicht plötzliche Symptomschübe mit einem Gefühl des Ertrinkens.

Agieren statt Reagieren: Exazerbationen früh erkennen

Über diese Thematik und die Probleme in der Versorgung von Menschen mit COPD sprachen auch die 3 Experten des Round-Tables. Die von Prof. Vogelmeier präsentierten Daten der AvoidEx-Studie (9) zeigten deutlich die Relevanz vorausgegangener Verschlechterungsschübe
für das weitere Fortschreiten einer COPD-Erkrankung. So erlitten PatientInnen mit einer moderaten Exazerbation zu Beginn der Studie im Schnitt 2 weitere Exazerbationen in den folgenden 3 Jahren. Diese Zahl ist bei PatientInnen mit zwei oder mehr mittelschweren bis schweren Exazerbationen sogar mehr als 3 Mal so hoch (9). Diese Zahlen zeigen unbestreitbar, dass jede Exazerbation vermieden werden muss. Darüber waren sich auch die Experten einig. „In der Praxis ist es jedoch nicht immer einfach Exazerbationen zu erkennen“, so Dr. Christian Geßner, niedergelassener Pneumologe aus Leipzig. „Solche akuten Verschlechterungen äußern sich sehr subjektiv und der damit einhergehende Symptomschub lässt irgendwann nach. Aus diesem Grund berichten PatientInnen nicht immer davon und Behandelnde können nicht reagieren.“

Kommunikation als Schlüssel – COPD-Therapie optimal gestalten

Die COPD-Therapie muss, aufgrund zahlreicher möglicher Komorbiditäten und unterschiedlichen Symptomausprägungen, unter Zuhilfenahme der bestehenden Therapieoptionen individuell gestaltet werden. Neben gängigen Untersuchungsmethoden ist daher ein offener Austausch mit PatientInnen unerlässlich, um zusätzliche Informationen zum Gesundheitszustand zu erhalten. Ansätze für eine gute Arzt-Patienten-Kommunikation brachte Prof. Dr. Nicola Stenzel, Dozentin für Psychologie und Psychotherapie an der psychologischen Hochschule in Berlin, ein. „Angst und Scham der PatientInnen führen dazu, dass sowohl der Informationsfluss als auch die Therapieadhärenz negativ beeinflusst werden“, so Prof. Stenzel „Mit der richtigen Gesprächsstrategie lassen sich Kommunikationsbarrieren im Patientengespräch umgehen und Kommunikationslücken verhindern.“ So können dank vollständiger Informationen individuelle Behandlungspläne bestmöglich erstellt oder angepasst werden.

Viele Herausforderungen, ein Konsens – 8 Kernthesen des virtuellen Round-Tables

1. COPD ist tödlich!
2. Duale Bronchodilatation ist die Grundlage der COPD-Therapie!
3. Drehtür-Effekt stoppen – Exazerbationen verhindern!
4. Es besteht ein großer Medical Need für Therapiemarker zur Exazerbationsprävention!
5. COPD ist eine kostspielige Krankheit!
6. COPD betrifft Körper und Seele!
7. Kommunikation ist ein Schlüssel zum Erfolg!
8. COPD-Therapie besteht nicht nur aus Medikamenten!

Quelle: AstraZeneca

Literatur:

(1) GBD 2015 Chronic Respiratory Disease Collaborators. Lancet Respir Med 2017;5:691-706.
(2) Lozano R et al. Lancet. 2012;380:2095-128.
(3) Pritzkuleit R et al. Pneumologie. 2010;64:535-40.
(4) https://www.rauchfrei-info.de/informieren/news/detail/news/welt-copd-tag-mehr-todesfaelle-durch-copd-in-deutschland/ (Zahlen Websiteangaben von destatis (Statistisches Bundesamt), 10/2019); (letzter Zugriff 10.12.2020).
(5) Rothnie KJ et al. Am J Respir Crit Care Med. 2018;198:464-471.
(6) Global Initiative for Chronic Obstructive Lung Disease, GOLD Report 2021. Online verfügbar unter: https://goldcopd.org/wp-content/uploads/2020/11/GOLD-REPORT-2021-v1.0-16Nov20_WMV.pdf (letzter Zugriff 10.12.2020).
(7) Nationale VersorgungsLeitlinie COPD, 2. Auflage 2020 (Konsultationsfassung). https://www.leitlinien.de/nvl/copd (letzter Zugriff 09.12.2020).
(8) docCheck Umfrage-Auswertung. Zielgruppenanalyse im Auftrag von MCG für AstraZeneca, Köln, November 2020.
(9) Vogelmeier C et al. „Risk of future exacerbations among COPD patients – a real-world register-based cohort study”. Poster präsentiert im Rahmen des ERS Virtual International Congress, 7-9. September 2020. E-POSTER #4189.


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