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Medizin

Depression: Männer-Seelen leiden anders

Glaubt man Statistiken, dann ist Depression hauptsächlich "Frauensache". Männer scheinen seltener von depressiven Episoden betroffen zu sein und fehlen deswegen auch nur annähernd halb so oft auf der Arbeit, wie der aktuelle Gesundheitsreport der Techniker Krankenkasse (TK) zeigt. Doch es gibt noch eine weitere Statistik - und die macht stutzig. Laut der aktuellen Todesfallstatistik des Statistischen Bundesamtes haben im Jahr 2011 in Rheinland-Pfalz 420 Männer Suizid begangen, aber nur 123 Frauen. Darauf weist die Landesvertretung der Techniker Krankenkasse (TK) in Rheinland-Pfalz hin. Experten schätzen, dass in neun von zehn Selbsttötungen eine psychische Erkrankung zugrunde liegt.

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Sind Männer also doch häufiger depressiv als gedacht? Oder reagieren sie nur in extremen Belastungssituationen heftiger als Frauen bis hin zum Freitod? "Bekannt ist, dass Männer bei Depressionen nur selten einen Arzt konsultieren. Ein 'ganzer Kerl' macht seine Probleme mit sich selbst aus. Weil es Männern schwer fällt, sich zu öffnen und anderen ihre Situation mitzuteilen, verleugnen sie die Depression auch vor sich selbst. Sie schämen sich für ihren verminderten Antrieb, erleben die geringe Belastbarkeit bedrohlich und ziehen sich aus sozialen Kontakten zurück. Aber einsam vor sich hin grübeln führt selten zu guten Lösungen", weiß Alfred Kappauf, Präsident der Landespsychotherapeutenkammer Rheinland-Pfalz.
 
Häufig wird die psychische Erkrankung auch von Allgemeinärzten gar nicht erkannt, weil sie sich hinter körperlichen  Symptomen wie Rücken- oder Magenschmerzen versteckt, die erst einmal nicht an eine psychische Erkrankung denken lassen. Zwar können auch Männer antriebs- und freudlos sein und schlecht schlafen, doch gesellen sich dazu Symptome, die bei Frauen eher nicht zu Tage treten: Aggressivität, Zorn und Reizbarkeit. "Um sich und der Welt zu beweisen, dass sie voll da sind, stürzen sie sich in die Arbeit oder treiben zwanghaft viel Sport", sagt der Psychologe und Psychotherapeut Alfred Kappauf.
 
Störende Gedanken werden von Männern gerne verdrängt und Ängste betäubt - nicht selten mit Alkohol oder Drogen. So kann eine Depression Männer in die Sucht führen und Sucht eine Depression überdecken. Wird die Grunderkrankung nicht erkannt, erhalten die Betroffenen keine adäquate Behandlung. Ihre Probleme weiten sich oft durch "Selbstmedikation" aus.
 
Da die Hausärzte häufig die erste Anlaufstelle sind, wenn "Mann" sich nicht gut fühlt, spielen sie eine wichtige Rolle beim Erkennen von männlichen Depressionen. Kappauf: "Damit depressive Männer die richtige Therapie erhalten ist es wichtig, dass Hausärzte bei ihren männlichen Patienten stärker auf Stresssymptome achten. Für viele Männer sind Begriffe wie Depression tabu, deswegen sollte der Arzt sie lieber nach Burnout oder Erschöpfungsgefühlen fragen."
 
Angehörigen und Freunden rät Anneliese Bodemar, Leiterin der TK-Landesvertretung Rheinland-Pfalz, nicht wegzuschauen oder die Tatsache zu verleugnen, dass jemand, der einem nahesteht, möglicherweise unter einer Depression leidet. "Wichtig ist es, mit dem Betroffenen zu sprechen mit dem Ziel, ihn zu motivieren, den Kontakt mit einem Arzt oder Psychotherapeuten zu suchen, denn es gibt wirksame Behandlungswege aus der Depression", so Bodemar. "Viele Informationen finden Patienten und Angehörige auch in der TK-Broschüre 'Depression', die unter www.tk.de kostenfrei heruntergeladen werden kann."

Quelle: Techniker Krankenkasse


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