Dienstag, 28. Juni 2022
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Medizin

DGIM 2015: Depression und Alkoholabhängigkeit gleichzeitig behandeln

An einer Depression Erkrankte haben ein erhöhtes Risiko, alkoholabhängig zu werden. Menschen mit einem behandlungsbedürftigen Alkoholkonsum wiederum haben ein signifikant höheres Risiko, eine Depression zu entwickeln als Patienten ohne ein Alkoholproblem. Zudem fördert eine Alkoholabhängigkeit das Fortbestehen einer bereits bestehenden Depression. Die oft aufkommende Frage "Henne oder Ei - was war zuerst da?" kann meist nur schwer beantwortet werden.

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Viel wichtiger ist: Sowohl die Alkoholabhängigkeit also auch die Depression sollten therapiert werden, denn durch die gleichzeitige Behandlung verbessert sich der Verlauf beider Erkrankungen. Neben Depression können auch Angsterkrankungen, Burnout, Stress und Schlafstörungen im Zusammenhang mit überhöhtem Alkoholkonsum stehen. Patienten mit einem behandlungsbedürftigen Alkoholkonsum kommen meist mit allgemeinen gesundheitlichen Beschwerden - möglichen alkoholbedingten Folgen - in die Arztpraxis und nicht zwingend wegen des zugrundeliegenden Alkoholproblems. Daher sollten Ärzte diese psychiatrischen Auffälligkeiten auch zum Anlass nehmen, den Patienten vorsichtig auf seinen Alkoholkonsum anzusprechen.

Drei Fragen identifizieren den "Problemlöser" Alkohol

„Das gleichzeitige Auftreten von Alkoholabhängigkeit und anderen psychischen Begleiterkrankungen wie depressiven Störungen oder Angst ist keine Seltenheit“, sagte Prof. Dr. Jens Kuhn, Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie Uniklinik Köln, im Rahmen des DGIM-Kongresses. 20 bis 30% aller Menschen mit psychischen Störungen entwickeln im Laufe des Lebens eine Alkoholabhängigkeit. "Oft wird Alkohol zunächst mehr oder weniger unbewusst als Therapeutikum, z.B. aufgrund der beruhigenden Effekte, der primären psychischen Erkrankung eingesetzt." Daher sollte der Arzt bei bestimmten Erkrankungen und Beschwerden auch einen überhöhten Alkoholkonsum in Betracht ziehen und das Thema Alkohol ansprechen. Laut Dr. Petra Sandow, niedergelassene Fachärztin für Allgemeinmedizin in Berlin, kann der Arzt den Zugang zu diesem oft schwierigen Thema mit drei kurzen Fragen finden:
1) Sie haben ja viel um die Ohren. Wie schaffen Sie das alles? / Für Beschwerde xy kann auch Stress eine Ursache sein. Haben Sie momentan viel Stress?
2) Was machen Sie, um zu entspannen und um besser damit umgehen zu können? Beschreiben Sie gern einen typischen Tag.
3) Trinken Sie ab und zu auch ein Glas Wein oder Bier? (An den meisten Abenden in der Woche?) / Nehmen Sie auch mal Tabletten oder machen sich eine Flasche Wein/Bier am Abend auf?

"Wer dem Patienten und seinen alltäglichen Belastungen empathisch Interesse und Anerkennung entgegenbringt, schafft es, dass der Patient sich öffnet, sich verstanden fühlt. Bei der Frage nach seinem Alkoholkonsum erlebe ich meist einen fast erleichterten Patienten, der das Thema Alkohol von selbst kaum angesprochen hätte“, so Sandow. „Auf den ersten Blick würde man jene Patienten nicht als alkoholabhängig bezeichnen, erst das gezielte Nachfragen bringt den krankhaften Alkoholkonsum zum Vorschein."

Eine Reduktion des Alkoholkonsums kann bei diesen Erkrankten ein für den Patienten vorstellbarer Vorschlag sein, da er mit dem Alltag vereinbar ist. Die frühzeitige, in die neu entwickelte Leitlinie Alkohol aufgenommene Reduktion im Einklang mit dem Patienten vermindert das Risiko alkoholbedingter Schädigungen und hat somit positive Auswirkungen auf die Gesundheit. Eine medikamentöse Unterstützung der Reduktion bietet Nalmefen, das bei alkoholabhängigen Männern angewendet wird, die >60 g reinen Alkohol pro Trinktag konsumieren (z.B. ca. 1,5 l Bier mit 5 Vol.-%) bzw. Frauen, die >40 g (z.B. ca. 0,4 l Wein mit 12,5 Vol.-%) zu sich nehmen. Das Medikament bewirkt eine schnelle und langfristige Reduktion des Alkoholkonsums um rund 60%. Eine erfolgreiche Therapie hängt jedoch auch von der ärztlichen Beratung ab. "Die Erfahrungen, die wir in den vergangenen Jahren in der Diagnose und Behandlung von Depression gesammelt haben, müssen wir in den Bereich Alkoholabhängigkeit übertragen. Sprich: Das Tabu brechen, den Alkoholkonsum thematisieren und den Patienten motivieren, etwas zu ändern", so Sandow. Eine Alkoholabhängigkeit entwickelt sich und besteht über Jahre bis Jahrzehnte - entsprechend muss sich auch eine Behandlung langsam aufbauen. Daher ist es ideal, den Patienten in einem Folgetermin zwei Wochen nach Therapiebeginn durch das Arzt-Patienten-Gespräch weiter zu motivieren.

Weiterdenken bei Depression

Die Mehrheit der Gesellschaft (etwa 65%) hat Depression als psychische Erkrankung anerkannt. Aber vor allem im Arbeitsalltag stößt die Akzeptanz noch an ihre Grenzen. Denn neben der getrübten Stimmung kann der berufliche Alltag durch kognitive Symptome wie verminderte Konzentration, mangelnde Aufmerksamkeit und Entscheidungsunfähigkeit zu einer Herausforderung werden - für Arbeitnehmer und -geber. Die kognitiven Dysfunktionen können sich negativ auf die Arbeitsleistung und -zufriedenheit auswirken. Sie zählt, zusammen mit Schlafstörungen und Stimmungsschwankungen, zu den am häufigsten genannten Symptomen depressiver Patienten und wird trotzdem oft unterschätzt.

Daher ist es wichtig, die kognitive Dysfunktion im Rahmen einer Major Depression als Outcomefaktor auch therapeutisch besser zu adressieren. Sie ist ein wichtiger Mediator für den Funktionsstatus und die Alltagskompetenz. "Denn die volle funktionale Wiederherstellung sollte wichtigstes Ziel der Depressionstherapie sein", so Prof. Dr. Tillmann Krüger, leitender Oberarzt an der Klinik für Psychiatrie, Sozialpsychiatrie und Psychotherapie der Medizinischen Hochschule Hannover. Die Verbesserung der kognitiven Leistungsfähigkeit depressiver Patienten kann damit eine signifikante Bedeutung für das Erreichen einer funktionellen Recovery haben und die allgemeine Funktionsfähigkeit und Lebensqualität fördern. Studien zu Vortioxetin zeigen, dass das multimodal wirksame Antidepressivum ein Ansatzpunkt sein kann, um Depression und die Verbesserung kognitiver Funktion im Rahmen der Depression gemessen mit DSST und UPSA gleichermaßen pharmakologisch zu behandeln. Außerdem ist Vortioxetin auch bei älteren Patienten wirksam und sicher. Neben der Sicherheit belegen Studien auch das vorteilhafte Verträglichkeitsprofil. Vortioxetin induziert weder Insomnie noch Somnolenz, ist gewichtsneutral, induziert keine klinisch signifikante QT-Zeitverlängerung und hat nur ein geringes Risiko für sexuelle Funktionsstörungen in den Dosierungen 5-15mg. Ab dem 4. Mai 2015 ist Vortioxetin im Handel erhältlich.

Augen auf, Beschwerden deuten, Chancen nutzen: Oft treten psychiatrische Erkrankungen parallel auf und stehen miteinander in Beziehung. Dies ist nicht immer auf den ersten Blick erkennbar. Durch eine empathische Ansprache kann der Arzt die Anzeichen erkennen, um sie dann gezielt parallel zu behandeln.

Quelle: Lundbeck


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