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Medizin

Diabetologie: Diabetes mellitus belastet die ganze Familie

Die physischen, emotionalen und finanziellen Belastungen, mit denen Menschen mit Typ-1- und Typ-2-Diabetes fertig werden müssen, bleiben nicht allein auf den Patienten selbst beschränkt. Darunter zu leiden haben darüber hinaus die Familienmitglieder und nächsten Angehörigen. Und das gilt über viele Länder und Kulturkreise hinweg. Zu verdanken ist diese Erkenntnis den ersten Resultaten der DAWN™-2-Studie, in der erstmals auch Familienangehörige über ihre Ängste und Erfahrungen im Umgang mit Diabetikern intensiv befragt wurden.

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Das Akronym DAWN™ steht für Diabetes Attitudes, Wishes and Needs (Diabetes: Ansichten, Wünsche und Nöte). Die gleichnamige erste Studie dieser Art wurde 2001 in 13 Ländern weltweit durchgeführt und geht auf eine globale Initiative von Novo Nordisk und der Internationalen Diabetes-Föderation (IDF) zurück. Dabei handelt es sich um die erste weltweite und repräsentative Erhebung, in der die psychosozialen Aspekte von Typ-1- und Typ-2-Diabetikern untersucht wurden, berichtete Professor Norbert Hermanns, Bad Mergentheim. Teilnehmer waren neben 5.426 Diabetikern ab 18 Jahren 2.194 niedergelassene Ärzte, 556 Endokrinologen und Diabetologen sowie 1.122 Krankenschwestern und Diabetes-Beraterinnen. Sie alle wurden in telefonischen und persönlichen Interviews bis zu 50 Minuten lang über ihre jeweiligen Ansichten und Einschätzungen in puncto Diabetes mellitus befragt.

Den Diabetikern fehlt es an psychosozialer Unterstützung

Die Resultate ließen die Fachwelt aufhorchen: Ein Drittel der Interviewten gab an, sich in einem schlechten Allgemeinzustand zu befinden. Lediglich ein Zehntel fühlte sich unter der jeweiligen Behandlung in einem guten Zustand. Diese Zahlen gelten für Typ-1- und Typ-2-Diabetiker gleichermaßen. Der Großteil der Befragten beklagte sich über die mangelhafte bis fehlende psychosoziale Unterstützung. Vielfach wurde auch vermutet, eine Kombination der psychosozialen Unterstützung mit der medizinischen Versorgung könne zu besseren Behandlungsergebnissen führen. Zudem ergab die DAWN-1-Studie, dass ohne soziale Unterstützung und emotionales Wohlbefinden kein gutes Selbstmanagement zu erwarten ist. Im Übrigen reagierten die meisten Patienten mit Angst, als sie von der Diabetesdiagnose erfuhren.

Als 2004 die ersten deutschen Resultate der Studie vorlagen, stellte sich unter anderem heraus, dass 78% der behandelnden Ärzte die Insulinspritze als eine Art Drohmittel bei Patienten mit unzureichender oraler Compliance ins Spiel gebracht hatten, kritisierte PD Bernhard Kulzer, Bad Mergentheim. Als wichtigstes Therapieziel nannte er das Erreichen einer guten Lebensqualität, denn sie ist bei Menschen mit Diabetes generell schlechter als bei Menschen mit intaktem Glukosemetabolismus. Dass bei der Therapie von Diabetikern noch viel zu selten Psychologen, Psychotherapeuten und Psychiater konsultiert werden, ist laut Kulzer ein Indiz dafür, dass die psychosoziale Komponente des Diabetes mellitus immer noch zu selten berücksichtigt wird. Dabei ist hinlänglich belegt, dass ein Drittel der Diabetiker an Depression leidet. 

Auch Eltern und Partner von Diabetikern berichten über Probleme

Für Prof. Rüdiger Landgraf, München, kommt es primär darauf an, „den Diabetiker mit seiner Therapie auf irgendeine Weise glücklich zu machen.“ Und dass dabei ein unterstützendes Sozialgefüge eine zentrale Rolle spielt, liegt auf der Hand. In den letzten Jahren zeigte sich indessen immer deutlicher, dass sich auf Dauer auch bei den Eltern und Partnern von Diabetikern Probleme einstellen können. Dieser Aspekt wurde daher in der Nachfolgestudie DAWN 2 erstmals überprüft.

Die zwischen 2011 und 2013 laufende Untersuchung schließt 17 Länder weltweit ein. Als Teilnehmer gewonnen wurden neben rund 8.600 Diabetikern auch 2.000 Familienangehörige sowie Entscheider aus Politik, Krankenkassen und Patienten-Organisationen, ferner rund 4.800 behandelnde Diabetologen, Hausärzte und Diabetes-Beraterinnen. In allen teilnehmenden Ländern stellten sich jeweils 900 Typ-1- oder Typ-2-Diabetiker der intensiven Befragung. 

Die ersten Resultate liegen nun vor. So befürchten 63% der Familienmitglieder, ihre an Diabetes erkrankten Liebsten könnten schwerwiegende Komplikationen erleiden. 66% der Nächsten von insulinpflichtigen Diabetikern ängstigen sich vor nächtlichen Hypoglykämien. 34% gaben an, durch die Diabeteserkrankung eines Familienmitglieds finanzielle Einbußen erlitten zu haben. Ein Fünftel beklagte sich darüber, dass ihre diabetischen Verwandten diskriminiert würden und die Gesellschaft gegenüber Diabetikern intolerant sei. Ferner fiel auf, dass drei von vier Angehörigen eines Typ-1-Diabetikers noch niemals an einem Schulungsprogramm teilgenommen hatten, obwohl mindestens 70% der Fachleute eine solche Maßnahme als sinnvoll und hilfreich empfehlen.                                                                  

kbf

Quelle: Symposium „Changing Diabetes - DAWN™2: Neue Impulse für die Novo Nordisk Akademie“ und „Meet-the-Expert“, veranstaltet von der Novo Nordisk Pharma GmbH, Mainz, anlässlich der 6. Herbsttagung der Deutschen Diabetes-Gesellschaft (DDG), Berlin, 16. November 2012



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