Montag, 2. August 2021
Navigation öffnen
Medizin
01. September 2019
Seite 1/4
Eisenmangelan%C3%A4mie%3A+Aktuelle+Behandlungsstandards+und+Empfehlungen+f%C3%BCr+Diagnostik+und+Therapie
© psdesign1 / Fotolia.com

Eisenmangelanämie: Aktuelle Behandlungsstandards und Empfehlungen für Diagnostik und Therapie

Dr. med. Catarina Stosiek
Eisenmangel stellt die weltweit häufigste Mangelerkrankung dar. Prinzipiell können alle Altersgruppen betroffen sein. Eisen ist für viele Stoffwechselvorgänge des Körpers unentbehrlich, ein Mangel kann sich daher auf verschiedene Weise bemerkbar machen. Laborchemisch fällt in erster Linie die hypochrome mikrozytäre Anämie auf. Ursache des Eisenmangels ist i.d.R. entweder ein Missverhältnis zwischen Eisenaufnahme und Eisenbedarf oder auch ein gesteigerter Eisenverlust. Letzterer ist meist durch einen (okkulten) Blutverlust bedingt. Bei der Diagnostik sollte u.a. den Parametern Hb, Retikulozyten, MVC, MCH, CRP, Ferritin und Transferrinsättigung erhöhte Aufmerksamkeit geschenkt werden. Eine Eisensubstitution kann entweder oral oder intravenös erfolgen, zuvor sollte jedoch immer eine Ursachenabklärung im Fokus stehen. 
Anzeige:
Trelegy
Trelegy
Eisenmangel ist die weltweit häufigste Mangelerkrankung des Menschen und die häufigste Ursache einer Anämie. Die Prävalenz in Europa beträgt 5-10%, besonders betroffen sind Frauen im gebärfähigen Alter. Weitere Risikogruppen sind Säuglinge und Kleinkinder sowie in geringem Maße auch Adoleszente (1, 2).

Klinik

Die Symptome eines Eisenmangels können vielseitig sein. Trophische Störungen wie brüchige Fingernägel, Haarausfall und Mundwinkelrhagaden können auf einen Eisenmangel hinweisen. Außerdem können Konzentrationsstörungen, Vergesslichkeit, Schwindel, Kopfschmerzen, Infektanfälligkeit und Nervosität bis hin zu depressiver Verstimmung auftreten. Besteht ein Eisenmangel über einen längeren Zeitraum fort, entwickelt sich infolge einer eisendefizitären Erythropoese die typische hypochrome mikrozytäre Anämie mit ihren Folgeerscheinungen wie Blässe, Belastungsdyspnoe, Tachykardie und Leistungsknick.

Eisenstoffwechsel

In der Nahrung befindliches Eisen wird überwiegend im Duodenum und zum geringeren Teil im oberen Jejunum aufgenommen. Die Resorption bedarf hierbei eines komplexen Transportsystems. Nahrungseisen in Form von Fe3+ wird durch eine Reduktase noch im Darmlumen zu Fe2+ überführt, an einen speziellen Eisentransporter (DMT1) gebunden und nach intrazellulär überführt. Ein weiterer Eisentransporter (Ferroportin) schleust das Eisen durch die basale Membran des Enterozyten weiter in das Portalblut, wo ein erneuter Valenzwechsel für den Abtransport erforderlich wird.

Eine weitere Resorptionsmöglichkeit besteht für an Häm gebundenes Eisen, welches an der luminalen Oberfläche des Enterozyten nach Bindung an einen Hämrezeptor (HCP1) nach intrazellulär aufgenommen wird. Nach Abspaltung des Eisens aus dem Porphyrinring wird dieses intrazellulär an Mobilferrin gebunden und kann so entweder für die Produktion eisenhaltiger Enzyme zur Verfügung gestellt oder bei Bedarf nach intravasal ausgeschleust werden (1). Im Blut gelangt das Eisen gebunden an das Transportprotein Transferrin zur weiteren Verwertung in die eisenspeichernden Zellen wie Hepatozyten und Makrophagen. Unter physiologischen Bedingungen sind 16-45% der Transferrinmoleküle im Plasma mit Eisen gesättigt. Bei einer Eisenüberladung ist die Transferrinsättigung erhöht, bei einem Eisenmangel erniedrigt (1). Die Speicherung des Eisens erfolgt ebenfalls mit Hilfe eines spezifischen Proteins, des Ferritins.
Das Peptidhormon Hepcidin, welches in der Leber synthetisiert wird, greift regulatorisch in den Eisenstoffwechsel ein, indem es die Eisenaufnahme in die Enterozyten bzw. die Eisenfreisetzung aus den Enterozyten hemmt. Inflammatorische Prozesse fördern die Bildung von Hepcidin und können so die Eisenresorption bzw. Eisenfreisetzung behindern. Bei einem Eisenmangel, einer Anämie oder Hypoxie wird die Hepcidin-Produktion in der Leber vermindert, um die Eisenaufnahme über den Gastrointestinaltrakt zu steigern (1). Im Gegenzug hierzu existiert für den menschlichen Organismus kein physiologischer Mechanismus, Eisen aktiv auszuscheiden (9).
 
Abb. 1: Eisenstoffwechsel, Anämien, Diagnostik und Therapie (mod. nach (11)).
Lupe
Eisenstoffwechsel, Anämien, Diagnostik und Therapie


Ursachen eines Eisenmangels

Die Ursachen eines Eisenmangels können grob in 3 Kategorien eingeteilt werden (1):
 
  • Eisenverlust (durch akute bzw. chronische Blutungen, z.B. Ulcera, Polypen, Karzinome, Angiodysplasien, Blutspenden, Menstruation, Dialyse etc.)
  • erhöhter Bedarf (z.B. Schwangerschaft, Wachstum, Hochleistungssport, Hämolyse etc.)
  • verminderte Aufnahme (z.B. vegane/vegetarische Ernährungsweise, atrophische Gastritis, Malabsorption, chronisch-entzündliche Darmerkrankungen etc.)
 
Vorherige Seite

Anzeige:
Pradaxa
Pradaxa
 

Das könnte Sie auch interessieren

Essstörungen bei Diabetes können lebensgefährlich sein

Essstörungen bei Diabetes können lebensgefährlich sein
© weixx - stock.adobe.com

Essstörungen treten bei jungen Patientinnen mit Typ-1-Diabetes zwei- bis dreimal häufiger auf als bei gesunden Frauen. Die Betroffenen hoffen, Gewicht zu verlieren, indem sie zeitweise darauf verzichten, sich Insulin zu spritzen. Damit riskieren sie unumkehrbare Schäden an Nerven und Gefäßen und im schlimmsten Fall sogar ihr Leben. Anlässlich einer gemeinsamen Pressekonferenz am 18. Juni in Berlin rufen Diabetes- und Hormonexperten dazu auf, die Kombination dieser beiden Erkrankungen stärker in den Fokus zu rücken. Insbesondere Ärzte und...

Lückenschluss zwischen ambulanter und stationärer Versorgung

Lückenschluss zwischen ambulanter und stationärer Versorgung
© upixa - stock.adobe.com

Das Universitätsklinikum Leipzig (UKL) erweitert sein Angebot für Patienten mit chronischen Schmerzen durch die Eröffnung einer neuen Schmerztagesklinik. Die Patienten kommen jeden Morgen zur Behandlung und erhalten nach einem individuellen Behandlungsplan ihre Therapien. In Seminaren erfahren sie Wissenswertes über krankheits- und schmerzbezogene Themen. Am Nachmittag gehen die Patienten dann wieder nach Hause. Sie bleiben somit in ihrem häuslichen Umfeld integriert – mit allen Aufgaben und Belastungen – und können beispielsweise ihre...

Sie können folgenden Inhalt einem Kollegen empfehlen:

"Eisenmangelanämie: Aktuelle Behandlungsstandards und Empfehlungen für Diagnostik und Therapie"

Bitte tragen Sie auch die Absenderdaten vollständig ein, damit Sie der Empfänger erkennen kann.

Die mit (*) gekennzeichneten Angaben müssen eingetragen werden!

Die Verwendung Ihrer Daten für den Newsletter können Sie jederzeit mit Wirkung für die Zukunft gegenüber der Medical Tribune Verlagsgesellschaft mbH - Geschäftsbereich rs media widersprechen ohne dass Kosten entstehen. Nutzen Sie hierfür etwaige Abmeldelinks im Newsletter oder schreiben Sie eine E-Mail an: info[at]rsmedia-verlag.de.


EILMELDUNGEN zu SARS-CoV-2 und COVID-19
  • CHMP empfiehlt SARS-CoV-2-Impfstoff von Moderna für Jugendliche von 12-17 Jahren (Quelle: PEI, 23.7.2021)
  • CHMP empfiehlt SARS-CoV-2-Impfstoff von Moderna für Jugendliche von 12-17 Jahren (Quelle: PEI, 23.7.2021)