Samstag, 28. Januar 2023
Navigation öffnen
Medizin

Epilepsie: Diagnose, Therapie, Folgen

Epilepsie: Diagnose, Therapie, Folgen
©Kateryna_Kon - stock.adobe.com
Epilepsie ist eine schwere, chronische und lebensverändernde neurologische Erkrankung, die Menschen aller Altersgruppen und sozioökonomischen Schichten gleichermaßen betreffen kann (1). Sie ist gekennzeichnet durch wiederkehrende, nicht provozierte epileptische Anfälle, die aus einer kurzzeitigen Funktionsstörung des normalen Gleichgewichts elektrischer Signale im Gehirn resultieren (2). Eine Epilepsie kann neben neurologischen, kognitiven und psychologischen Folgen auch soziale Auswirkungen auf das Leben der Betroffenen haben und macht damit einen erheblichen Teil der weltweiten Krankheitslast aus (1).
Anzeige:
E-Health NL
 

Diagnosekriterien

Eine Epilepsie wird gemäß der International League Against Epilepsy (ILAE) diagnostiziert, wenn einer der folgenden Fälle zutrifft:
  • mindestens 2 nicht provozierte Anfälle im Abstand von mehr als 24 Stunden
  • nur ein nicht provozierter Anfall, aber eine hohe Wahrscheinlichkeit für weitere Anfälle, die dem allgemeinen Rezidivrisiko nach 2 nicht provozierten Anfällen entspricht
  • Vorliegen eines Epilepsiesyndroms

Prävalenz der Epilepsie

Bis zu 2% der Menschen weltweit leiden an Epilepsie, was sie zu einer der häufigsten schweren neurologischen Erkrankungen macht (5). In Europa sind ca. 6 Millionen Menschen von Epilepsie betroffen, in Deutschland sind es laut Schätzungen zwischen 400.000 und 800.000 (6, 7).

Epilepsie kann in jedem Lebensalter beginnen. Am häufigsten tritt sie jedoch erstmalig in der frühen Kindheit und im späten Erwachsenenalter auf (8).

Formen von Epilepsie

Nach der ILAE-Klassifikation werden 4 verschiedene Ausprägungen von Epilepsie unterschieden (9):
  1. Fokale Epilepsie
  2. Generalisierte Epilepsie
  3. Kombination aus generalisierter und fokaler Epilepsie
  4. Unbekannte Epilepsie
Fokale Anfälle machen über 60% aller Anfälle aus und sind im Vergleich zu generalisierten Anfällen häufiger unzureichend kontrolliert (10, 11). Unzureichend kontrolliert bedeutet, dass Patienten nicht ausreichend auf die Behandlung ansprechen und es weiterhin zu Anfällen kommt.

Folgen

Eine Epilepsie-Erkrankung kann sich auf viele Bereiche des Lebens auswirken. Die Folgen einer medikamentenresistenten fokalen Epilepsie gehen weit über den Moment des Anfalls hinaus und können das psychische sowie physische Wohlbefinden der Patienten erheblich beeinträchtigen. So leiden sie oftmals unter anfallsbedingten Verletzungen, eingeschränkter Mobilität und Komorbiditäten (1, 12-17). Die Auswirkungen von unkontrollierten Anfällen auf die Gesundheit der Patienten sind erheblich. Auch das Risiko eines vorzeitigen Todes ist erhöht (12). Epilepsie-Patienten mit unkontrollierten Anfällen haben im Vergleich zu anfallsfreien Patienten (12, 17):
  • 6x häufiger eine Depression,
  • 3x häufiger einen schlechteren Gesundheitszustand,
  • ein erhöhtes Sterberisiko.
Die unzureichend kontrollierten Anfälle bedeuten für Patienten mit medikamentenresistenter fokaler Epilepsie sehr oft eine hohe psychosoziale Belastung. Sie fühlen sich häufig von der Gesellschaft isoliert, von sozialen Interaktionen und Beziehungen ausgeschlossen und in ihrer Arbeitsfähigkeit beeinträchtigt. Das kann wiederum zu den bereits aufgeführten Depressionen und zu Angstzuständen führen (13, 15). Verglichen mit anfallsfreien Patienten erfahren Patienten mit unkontrollierten Anfällen Nachteile wie:
  • 2x häufiger Stigmatisierung im Alltag,
  • 2x häufiger einen geringeren Bildungsgrad,
  • 3x häufiger Einschränkungen im Beruf,
  • 4x häufiger keine Fahrerlaubnis.

Hoher Bedarf an wirksameren Therapien

Trotz der vielen Antikonvulsiva (anti-seizure medications, ASMs) mit unterschiedlichen Wirkmechanismen, die aktuell auf dem Markt verfügbar sind, besteht bei Patienten mit medikamentenresistenten fokalen Anfällen ein hoher Bedarf an wirksameren Therapien (20, 21). Diese Patienten haben eine unzureichende Anfallskontrolle, leiden unter mehr unerwünschten Ereignissen und einer geringeren Lebensqualität aufgrund der Schwere der Erkrankung und der Vielzahl an medikamentösen Behandlungen, derer sie sich in der Regel unterziehen (10). Bei vielen heute auf dem Markt befindlichen Antikonvulsiva wird zudem vermutet, dass die geringe Wirksamkeit und Verträglichkeit zu niedrigen Retentionsraten führt (18, 19).

Lange Zeit kaum Verbesserung

Seit mehr als 20 Jahren haben sich die Behandlungsergebnisse für Patienten mit Epilepsie insgesamt nicht wesentlich verbessert (20, 21).

Medikamentenresistenz

Ungefähr 40% der Patienten mit Epilepsie gelten nach Behandlung mit 2 verschiedenen angemessen ausgewählten, angewendeten und vertragenen Antiepileptika-Regimen als medikamentenresistent (20, 22, 23).

Abnehmende Wahrscheinlichkeit des Behandlungserfolgs

Mit jeder erfolglos anfallshemmenden Medikation (ASM) sinkt die Wahrscheinlichkeit der Anfallsfreiheit deutlich (20, 22).

Behandlungsziel

Das oberste Therapieziel in der Behandlung der Epilepsie ist die Anfallsfreiheit, um Menschen mit Epilepsie ein möglichst normales Leben ohne Einschränkungen zu ermöglichen (23).

Quelle: Angelini Pharma

Literatur:

(1) Epilepsy: a public health imperative. Summary. Geneva: World Health Organization; 2019. Licence: CC BY-NC-SA 3.0 IGO.
(2) Scharfman HE. Curr Neurol Neurosci Rep. 2007;7(4):348-354.
(3) Fisher RS, et al. Epilepsia. 2017;58(4):531-42.
(4) Fisher RS, et al. Epilepsia. 2017;58(4):522-30.
(5) Chung S, et al. Seizure. 2007;16(4):296-304.
(6) Cross JH. Epilepsia. 2011;52(1):187-188.
(7) Informationszentrum Epilepsie der Dt. Gesellschaft für Epileptologie e.V. (ize). Epidemilogie der Epilepsien. http://www.izepilepsie.de/home/showdoc,id,387,aid,4163.html. Zuletzt aufgerufen: Juni 2021.
(8) Fiest KM, et al. Neurology. 2017;88(3):296-303.
(9) Scheffer IE, et al. Epilepsia. 2017;58(4):512-521.
(10) Schmitz B, et al. Epilepsia. 2010;51(11):2231-2240.
(11) Cockerell OC, et al. Epilepsia. 1997;38(1):31-46.
(12) Thurman DJ, et al., Epilepsia. 2017;58(1):17-26.
(13) de Boer H, et al. Epilepsy & Behavior. 2008;12(4):540-546.
(14) Engel J. Neurology. 2003;60(9):1412.
(15) Laxer KD, et al. Epilepsy Behav. 2014;37:59-70.
(16) Willems LM, et al. Front Neurol. 2018;9:414.
(17) Josephson CB, et al. Epilepsia. 2017;58(5):764-771.
(18) Lhatoo SD, et al. Epilepsia. 2000;41(12):1592-1596.
(19) Bootsma HP, et al. Seizure. 2009;18(5):327-331.
(20) Chen Z, et al. JAMA Neurol. 2018;75(3):279-286.
(21) Costa J, et al. Epilepsia. 2011;52(7):1280-1291.
(22) Kwan P and Brodie MJ. N Engl J Med. 2000;342(5):314-319.
(23) Kwan P, et al. Epilepsia. 2010;51(6):1069-1077.



Sie können folgenden Inhalt einem Kollegen empfehlen:

"Epilepsie: Diagnose, Therapie, Folgen"

Bitte tragen Sie auch die Absenderdaten vollständig ein, damit Sie der Empfänger erkennen kann.

Die mit (*) gekennzeichneten Angaben müssen eingetragen werden!

Die Verwendung Ihrer Daten für den Newsletter können Sie jederzeit mit Wirkung für die Zukunft gegenüber der MedtriX GmbH - Geschäftsbereich rs media widersprechen ohne dass Kosten entstehen. Nutzen Sie hierfür etwaige Abmeldelinks im Newsletter oder schreiben Sie eine E-Mail an: rgb-info[at]medtrix.group.