Sonntag, 26. Juni 2022
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Medizin

Forschungsnetzwerk: Grippeviren mit System bekämpfen

In den USA sind Tausende an der Grippe erkrankt. 19.000 Menschen sind alleine im Bundesstaat New York von der Grippe betroffen - laut Gesundheitsbehörden mehr als vier Mal so viele wie 2012. Virusbedingte Epidemien und Pandemien wie die Influenza und deren Bekämpfung stellen nach wie vor ungelöste Herausforderungen dar. Die sich weltweit ausbreitenden und in vielen Fällen tödlich verlaufenden Infektionen durch Schweine- und Vogel-Influenzaviren haben das in den vergangenen Jahren in dramatischer Weise deutlich gemacht.

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Nach wie vor ist nicht geklärt, welche Faktoren eine aus Sicht der Viren erfolgreiche Infektion bestimmen. Forscher im neuen Berliner Verbundprojekt „ViroSign - Systemvirologie von Influenza - Molekulare Signatur der permissiven Virusinfektion“ möchte das ändern. Ziel ist es, die charakteristischen Proteinsignaturen (Proteom) einer Wirtszelle und das möglichst vollständige Netzwerk aller Virus-Wirtszell-Interaktionen nach einer Infektion durch Influenzaviren in seiner zeitlichen Dynamik zu charakterisieren. „Dies erlaubt uns dann die wesentlichen Faktoren und zellulären Kontrollpunkte zu identifizieren, die über eine permissive, das heißt erfolgreiche Infektion, entscheiden“, erläutert Prof. Dr. Andreas Herrmann, Professor für Molekulare Biophysik an der Humboldt-Universität zu Berlin und Koordinator von ViroSign.

An dem Forschernetzwerk, das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) im Rahmen des Programms e:Bio mit 1,94 Millionen Euro gefördert wird, sind neben dem Integrativen Forschungsinstitut (IRI) für Lebenswissenschaften an der Humboldt-Universität zu Berlin (Prof. Dr. Dr. h.c. Edda Klipp, Prof. Dr. Andreas Herrmann) auch das Max-Planck-Institut für Infektionsbiologie (Prof. Dr. Thomas Meyer), das Robert-Koch-Institut Berlin (PD Dr. Thorsten Wolff) sowie das Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin (Prof. Dr. Matthias Selbach) beteiligt.

Das interdisziplinäre Netzwerk ermöglicht es, einen großen Bogen der angewendeten Methoden und Techniken zu spannen, der von der globalen Analyse des zellulären Proteoms bis zu einer einzelnen infizierten Zelle reicht. Bioinformatische Analysen der experimentellen Daten werden dabei grundlegend für die Identifizierung zellulärer Faktoren und viraler Proteine sein, die für die spezifische Reaktion der Wirtszelle auf die Infektion verantwortlich sind. „Auf dieser Basis wird ein funktionelles Model der Infektion von Influenzaviren erstellt, das Vorhersagen über Kontrollpunkte einer erfolgreichen Infektion gestattet, die wiederum experimentell überprüft werden. Damit wollen wir einen Grundstein für die gezielte Bekämpfung von Infektionen legen“, sagt Andreas Herrmann.

Quelle: Humboldt-Universität zu Berlin


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