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Medizin
07. Juni 2018
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Fortgeschrittener Morbus Parkinson: Faktoren für den Therapieerfolg

Der fortgeschrittene Morbus Parkinson ist eine komplexe Erkrankung, die einer entsprechend umfassenden und multifaktoriellen Therapie bedarf. Die Ursachen des M. Parkinson sind noch nicht vollständig verstanden, doch die Grundlagenforschung liefert ständig neue Erkenntnisse. Diese tragen dazu bei, die Erkrankung immer effektiver zu behandeln und die Lebensqualität auch im fortgeschrittenen Stadium zu verbessern. Parkinson-Experten diskutierten unter anderem vor diesem Hintergrund beim 9. deutschsprachigen Forum zur Therapie des fortgeschrittenen Morbus Parkinson in Potsdam, veranstaltet von AbbVie Deutschland, aktuelle Erkenntnisse aus Wissenschaft und Praxis, den hohen Stellenwert einer multidisziplinären Behandlung und den richtigen Zeitpunkt für den Wechsel von einer oralen auf eine nicht orale Folgetherapie bei fortgeschrittenem M. Parkinson.
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Mit „5-2-1“ fortgeschrittenen M. Parkinson erkennen

Entscheidend für den bestmöglichen Therapieerfolg ist, dass rechtzeitig auf eine nicht orale Folge­therapie umgestellt wird. Der im Rahmen eines DELPHI-Panels entwickelte Experten-Konsensus (1) zur Erfassung des Krankheitsfortschritts kann die Entscheidung, ob ein fortgeschrittener M. Parkinson vorliegt, erleichtern. So sollte bei Patienten, die täglich beispielsweise

- 5-mal orales L-Dopa benötigen,
- mehr als 2 Stunden im OFF sind und/oder
- mindestens 1 Stunde durch Dyskinesien beeinträchtigt sind,

eine nicht orale Folgetherapie, wie z.B. Duodopa®, in Betracht gezogen werden (1). Bei der Therapie­entscheidung sollten – auch im Vergleich mit anderen nicht oralen Folgetherapien (Apomorphin-Medikamentenpumpe oder Tiefe Hirnstimulation) – die individuellen Indikationen bzw. Kontraindikationen des Patienten abgewogen werden (1). Die Studienlage für Duodopa® sei entsprechend eindeutig (2-6), hob Prof. Angelo Antonini, MD, PhD, Padua hervor: „Um davon jedoch zu profitieren, müssen die Patienten frühzeitig identifiziert werden. Daher muss sich die ‚5-2-1-Regel‘ weiter etablieren.“ Dafür, aber auch um die weiteren spezifischen Symptome für fort­geschrittenen M. Parkinson zu erfassen, werde derzeit ein klinisch gut nutzbares Tool entwickelt (7).

Umfassende Evidenz der LCIG-Therapie

Doch warum bedarf es in vielen Fällen einer Umstellung auf eine nicht orale Folgetherapie? Mit Fortschreiten der Erkrankung kommt es bei einer oralen Therapie, z. B. mit dem Goldstandard L-Dopa, zu vermehrten Wirkschwankungen, diese können z.B. durch gastrointestinale Motilitätsstörungen bedingt sein (8,9,10). „Ein schwankender Levodopa-Serumspiegel kann durch die kurze Halbwertszeit von Levodopa bedingt sein“, erläuterte Prof. Dr. med. Georg Ebersbach, Beelitz-Heilstätten. „Zudem wird Levodopa nur im Dünndarm resorbiert. Liegen Magenentleerungsprobleme vor, wird die Aufnahme von L-Dopa verzögert.“ Dies kann mit einer kontinuierlichen intrajejunalen Infusion von Levodopa-Carbidopa-Intestinalgel (LCIG) Bypass-artig umgangen werden (6).

Wie effektiv eine LCIG-Therapie ist, belegen verschiedene Studien (3-6). Untersucht wurde unter anderem die Wirkung der LCIG-Therapie auf Wirkfluktuationen, Hyperkinesien und Lebensqualität von Parkinson-Patienten (3-6). „Nebenwirkungen traten vorrangig in den ersten zwei Wochen auf. Mit einem entsprechend sorgfältigen Management, bei dem potentielle lokale und prozedurale Komplikationen berücksichtigt werden, sind diese oft reversibel. Was sich auch in einer hohen Adhärenz zeigte“, so Ebersbach. „Langfristig sollte unter LCIG-Therapie jedoch u.a. auf Gewichtsabnahme und Polyneuropathie geachtet werden.“

Eine doppelblinde, randomisierte, placebokontrollierte 12-wöchige Studie mit 66 Patienten, die einen fortgeschrittenen Morbus Parkinson, schwere motorische Fluktuationen und Hyper-/ Dyskine­sien trotz optimierter Pharmakotherapie hatten, zeigte: Nach 12 Wochen wurde gegenüber Studien­beginn unter Duodopa® die Zeit im OFF signifikant stärker reduziert, ohne dass die Dyskinesien zunahmen (- 4,04 (± 0,65) Std./Tag) – verglichen mit oraler Therapie (- 2,14 (± 0,66) Std./Tag), (Differenz: 1,91 (0,76 – 3,05) Std./Tag, p = 0,0015). Zudem war die durchschnittliche Zeit im ON ohne beeinträchtigende Dyskinesien unter Duodopa® signifikant verlängert (+ 4,11 (± 0,75) Std./Tag) vs. oraler Therapie (+ 2,24 (± 0,76) Std./Tag; Differenz 1,86 (0,56 – 3,17) Std./Tag, p = 0,0059) (3).

Auch in einer aktuellen offenen, multizentrischen 24-monatigen Registerstudie konnte gezeigt werden, dass Duodopa® mit einer signifikanten Verkürzung der OFF-Zeiten (mittlere Differenz: ‑4,1 ± 3,5 Stunden/Tag, p < 0,001) und der ON-Zeiten mit Dyskinesien (mittlere Differenz: ‑1,1 ± 4,8 Stunden/Tag, p < 0,006) einhergeht. Auch die mittels Parkinson's Disease Questionnaire-8 item (PDQ-8) erhobene Lebensqualität konnte über 24 Stunden verbessert werden (-7.1 ± 21.0, p < 0.001) (11). „Eine Subgruppenanalyse zeigte zudem, dass Patienten unabhängig von Alter (</≥ 65 Jahre) und Erkrankungsdauer (</≥ 10 Jahre) gleichermaßen profitieren“, kommentierte Ebersbach die Ergebnisse12. „Interessant waren auch die positiven Ergebnisse für weitere sekundäre Studienendpunkte.“
 
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